Aufsatz 
Die Gefangenschaft des Königs Franz I. von Frankreich / von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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Unterthanen zu erhalten, als nachzugeben. Da er nun einſieht, daß er mit anſtändigen Bedingungen nicht aus dem Gefängniſſe hervorgehen werde, ſo verordnet er nach reiflicher Ueberlegung, daß ſein aͤlteſter Sohn Franz unverzüglich zum König von Frankreich erklärt und mit den üblichen Ceremonien gekrönt werde. Weil ſein Sohn aber noch in jugendlichem Alter iſt, ſo ſoll ſeine(Franzens) Mutter Luiſe als Regentin bis zu ſeiner Großjährigkeit die Regierung führen und im Falle ihres früheren Todes die Schweſter des Königs, Margaretha, in ihre Befugniſſe eintreten. Alle Unterthanen ſollen dem neuen Könige huldigen, auch ſollen die drei Stände zuſammenberufen werden. Im Falle der König aus der Gefangenſchaft befreit werde, ſolle ihm ſein Sohn die Stelle(place) des Königs zurückgeben.

Dieſe lettres patentes gelangten nicht zur Publication, da ihre Ausführung durch den bald darauf geſchloſſenen Madrider Frieden vereitelt wurde. Es ſcheint auch nicht, als ob dieſes Acten⸗ ſtuͤck, von dem der Kaiſer unzweifelhaft Kenntniß erhielt, große Wirkung auf einen ſo wohl berech⸗ nenden Fürſten, wie Karl V. war, gehabt habe, denn ſchon im folgenden Monate gibt Franz, der ſich nach einem andern Berichte beklagt, daß der Kaiſer ihn mit Worten unterhalten(amusé) habe, den franzöſiſchen Geſandten in Madrid Vollmachten und Inſtructionen, in denen er Alles, was der Kaiſer gefordert hatte, bewilligt, namentlich Burgund nebſt verſchiedenen dazu gehörigen Herr⸗ ſchaften, und als Geiſeln für die Aufrechthaltung des Vertrages ſeine drei älteſten Söhne anbietet.

Am 19. December wiederholte der König ſeine Inſtructionen in Betreff des Friedensſchluſſes in Form eines gemeſſenen Befehls(injonction) an ſeine Geſandten und weist dieſelben an, den Frieden ohne Reſervation oder ſonſtige Ausrede zu unterzeichnen. Schon früher, am 2. Dec., hatte der Kaiſer dem Vicekönig von Neapel, dem Don Hugo v. Moncada und dem Secretair l'Allemand eine Voll⸗ macht ertheilt, den Frieden mit dem Könige von Frankreich abzuſchließen, am 16. dem Vicekönig allein noch den Auftrag gegeben, dem Könige den Eid abzunehmen.

Zu Anfange des Januars 1526 waren die Schwierigkeiten in Betreff des Friedens beinahe gelöst; die letzten Streitpunkte ³⁸) waren noch die Erhebung Bourbon's zum Souverain über ſeine Länder, ſowie die von ſpaniſcher Seite verlangte Stellung der Geiſeln in Fuentarabia vor der Befreiung des Königs. Weniger befriedigend waren die Nachrichten aus Frankreich; denn am 3. Februar 1526 ſchreibt de Praet aus Lyon an den Kaiſer:Die Regentin theilte mir die Friedens⸗ nachricht mit. In Betreff Burgunds ſagte ſie, es ſeien viele Perſonen aus allen Ständen ſo unzu⸗ frieden mit den deßfallſigen Beſtimmungen des Friedens, daß ſie überall ausſprenge, es ſollten die Rechte des Herzogthums, ſobald dasſelbe in des Kaiſers Gewalt ſei, durch Schiedsrichter unterſucht und entſchieden werden. Sie bat mich, das Nämliche auszuſprengen und Ew. Majeſtät zu bitten, dasſelbe zu thun, bis das Herzogthum überliefert ſei, worauf dann der daſſelbe betreffende Artikel ohne Gefahr veröffentlicht werden könne. Ohne die Regentin und ihre Partei würde Burgund nimmer⸗ mehr abgetreten worden ſein, und der Kaiſer möge den neu erworbenen Beſitz nun genau bewachen, da man in Frankreich höchlich empört über die Abtretung ſei. Der Kaiſer erwiedert darauf, dies Verlangen ſcheine ihm eine Impertinenz zu ſein und man ſolle nur über die Sache ſo wenig als möglich ſprechen ⁵⁴).

Am 14. Februar wurde endlich der Friede vone Madrid unterzeichnet, deſſen Hauptpunkte wir folgen laſſen ⁵⁸):

63) Champollion-Figeac, Captivité, p. 462.) Bradford, Correspondance p. 200& 212. 6⁵) Léonard, Recucil, II, 210. 4