Aufsatz 
Die Gefangenschaft des Königs Franz I. von Frankreich / von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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et Palentina hat, ſo wird er allein von Ew. Majeſtät 16,000 haben; wir hoffen jedoch, daß er ſich mit 12,000 begnügen wird.

Jetzt nun, nachdem der Kaiſer übermächtig geworden war und zu befürchten ſtand, Englands Einfluß auf dem Continent möge ganz ſchwinden, da ſeinen Intriguen der Tummelplatz verſchloſſen war, trat Heinrich offen inſofern gegen den Kaiſer auf, als er ſich zum Vermittler zwiſchen den ungemeſſenen Forderungen des Kaiſers und dem Stolz des gefangenen, aber nicht gedemüthigten Königs von Frankreich aufwarf. Dieſer Erklärung des engliſchen Monarchen, gegen die man billiger Weiſe nichts einwenden konnte, war aber ein förmlicher geheimer Vertrag zwiſchen England und Frankreich vorausgegangen, der am 30. Auguſt zu Moore geſchloſſen wurde ⁴⁴). Die Hauptſtipu⸗ lationen desſelben waren*²⁸), daß ſich England von dem Bündniſſe mit dem Kaiſer zurückzog, freien Handelsverkehr zwiſchen beiden Ländern geſtattete, wofür die Regentin von Frankreich verſprach, eine Summe von 2,000,000 goldnen Sonnenthalern à 35 Sous, nebſt 52,631 Sonnenthaler à 22 Sous zu zahlen, welche Heinrich als aus drei verſchiedenen Verträgen mit Franz von 1515, 1518 und 1520 herrührend beanſpruchte. Nach aus den Wiener Archiven geſchöpften Quellen wären es nur 1,700,736 Sonnenthaler geweſen, und Wolſey hätte ebenfalls 130,000 Thaler erhalten. Trotz allem dem behauptete der engliſche Geſandte am Hofe des Kaiſers noch zu Ende Octobers, daß der König von England keinen Vertrag mit Frankreich abgeſchloſſen habe, und daß derſelbe im Gegentheil ſeine freundſchaftlichen Beziehungen zum Kaiſer bewahren wolle*˙⁰).

Als Grund des Bruches der Verbindung mit dem Kaiſer wurde lächerlicher Weiſe der von der Statthalterin Margaretha am 14. Juli abgeſchloſſene Waffenſtillſtand vorgeſchützt, der ja von dem Kaiſer, wie oben erwähnt, gar nicht ratificirt worden und der für den Kaiſer noch ungünſtiger war, als für die Engländer.

Nach Gaillard*) proteſtirten übrigens die Diener des Königs von Frankreich gegen die unge⸗ heure Contribution, die neben der von Franz an den Kaiſer zu entrichtenden Löſung Frankreich ganz erſchöpfen konnte, und dieſer Widerſpruch kam in die geheimen Regiſter des Parlaments.

Zu bemerken iſt noch, daß der König von England darauf beſtand, daß die Prinzen von Geblüͤt, ſowie verſchiedene andere ausgezeichnete Würdenträger des franzöſiſchen Reiches den Frieden mit⸗ unterzeichneten. Mit Bezug hierauf befiehlt die Regentin dem Herrn v. Montmorency, das Friedens⸗ inſtrument zu beſtätigen, und verſpricht ihm, dieſes vollſtändig bei ihrem Sohne zu verantworten, indem ſie ſelbſt alle Verantwortlichkeit übernimmt.

Die Angelegenheiten in Spanien ſchritten indeſſen in keiner Weiſe voran, indem die Herzogin von Alencon noch nicht angelangt war, der Kaiſer aber alle vorherigen Unterhandlungen für nutzlos hielt. Er ſchreibt in dieſem Sinne an Franz, d. d. Toledo 25. Auguſt: Ich habe Eurer Schweſter ſicheres Geleit bewilligt, weil ich hoffe, daß ſie mit Vollmachten verſehen kommen wird, um den allgemeinen Frieden zu ſchließen, und daß dann zwiſchen uns eine perſönliche Zuſammenkunft ſtatthaben kann. Das Nänliche ſchreibt der Kaiſer am folgenden Tage an die Regentin von Frankreich und bemerkt außerdem:In Betreff des ſicheren Geleites, welches ich für die Herzogin v. Alengon und ihr Gefolge beordert, iſt kein Zweifel, daß ſie volle Sicherheit genießen werden; ich habe auch bereits befohlen, daß man ſie nicht nur ſo, als wäre ſie meine Schweſter, behandeln und empfangen ſollte, ſondern ſogar wie ich es für meine eigene Perſon verlange.

) Nach Champollion-Figeac, Captivité, p. 298 war der Wafefenſtillſtand bereits am 14. Auguſt abgeſchloſſen worden. ³) Léonard, Recueil des Traités, tom. II, p. 198. 46) Gachard, Correspondance, p. 222.) Histoire de France II, p. 444.