liche Namenszug glänzten dank der umſichtigen Leitung des Inſpektors der Elektrizitätswerke Groß in dreifarbigem Lichte; ebenſo winkte das Gymnaſium ſeinen alten Schülern mit den ſtrahlenden Lettern K. W. G. Deo, Musis, Patriae, und ein flammendes„Willkommen“ begrüßte am Portal der Turnhalle die Ein⸗ tretenden.
Um 9 Uhr konnte der Leiter des Kommerſes Dr. Spies das Zeichen„zum löblichen Tun“ geben, die mehr als 600 ver⸗ ſammelten Feſtgäſte begrüßen und zum Hoch auf Se. Majeſtät den Kaiſer auffordern. Die Kapelle Müller ſpielte luſtige Weiſen, Lieder folgten auf Lieder, fein ſäuberlich gedruckt und herausgegeben von G. Sauerborn.
Zahlreiche Telegramme bezeugten geiſtige Teilnahme abweſender Freunde.
Das hier beliebte Männerquartett bezw. Sextett erntete uneingeſchränktes Lob für ſeine geradezu künſtleriſchen Leiſtungen.
Folgende Reden wurden noch im Verlaufe des Kommerſes gehalten:
Forſtreferendar Benderfeierte die Schule und das Lehrerkollegium, Direktor Dr. Thamm erwiderte darauf, Pfarrer Wahl aus Breitenau und Diviſionspfarrer Dr. Poertner rühmten die Muſenſtadt Montabaur, Rechtsanwalt Dr. Wentrup dankte im Namen der Stadt⸗ vertretung und Dr. Spies gedachte der Damen in launigen Verſen.
Dienſtag nachmittags 4 Uhr marſchierten die Schüler des Gymnaſiums, Feſtgäſte und Freunde der Anſtalt, unter Vorantritt der Kapelle Müller und des von K. Linz ge⸗ führten Trommler⸗ und Pfeiferkorps', zum Kaiſerdenkmal.
Direktor Dr. Thamm wandte ſich vor dem Denkmal an die untenſtehenden Schüler und Freunde der Schule mit den Worten:
„Sehr geehrte Feſtgenoſſen! Liebe Schüler!
Wäre geſtern der geplante Feſtzug nicht durch Jupiter Pluvius geſtört worden, ſo hätte ich Anlaß genommen, den zahlreich verſammelten früheren Schülern des Kaiſer Wilhelms Gym⸗ naſiums, beſonders denen aus den Jahren 1870/71, zu Nutz und Frommen der jetzigen Generation das wichtigſte Ereignis aus der Geſchichte der Anſtalt, nämlich die Emſer Huldigungsfahrt, ins Gedächtnis zurückzu⸗ rufen, ebenſo wie es der Leiter des Feſt⸗ kommerſes, Herr Dr. Spies, geſtern abend
die
XVI
bei ſeiner Begrüßungsrede getan hat. Heute möchte ich das Verſäumte inſofern nachholen, als ich Euch, den jüngeren Geſchlechtern, an der Hand eines Berichtes im Schulprogramm des Jahres 1872 die Wichtigkeit des Emſer Tages zu Gemüte führe.
Am 17. Juli 1871 wanderten ſämtliche Klaſſen des hieſigen Progymnaſiums von Montabaur nach Ems und zogen im Parade— marſch an Sr. Majeſtät dem greiſen Helden⸗ kaiſer vorüber. Der damalige Direktor der Anſtalt, der jetzige Direktor des Königl. Prov.⸗ Schulkollegiums in Caſſel, Herr Ober- und Geh. Reg.⸗Rat Dr. Pähler, bekannt als der Rede Meiſter, hielt im Kurgarten eine von Herzen kommende, zu Herzen gehende, alt und jung begeiſternde Anſprache. An⸗ knüpfend an die Großtaten und Siege des deutſchen Volkes, gab er Sr. Majeſtät im Namen der Anſtalt die Verſicherung un⸗ wandelbarer Liebe und unentwegter Treue zu Kaiſer und Reich und ſchloß mit einem Kaiſerhoch, das bei dem zahlreich verſammelten Publikum ein tauſendfaches Echo fäand.
Se. Majeſtät, der große Jugendfreund, richtete nun an die Schüler huldvolle Worte. Er dankte für die patriotiſche Geſinnung und ſagte unter anderem:„Bewahrt ſie euch alle⸗ zeit, vornehmlich wenn ihr Männer geworden ſeid, in eurem Berufsleben.“ Er wünſchte dann dem Reiche eine lange, geſegnete Friedens⸗ zeit und fuhr fort:„Wenn aber das Vater⸗ land in Gefahr kommt, und ihr gerufen werdet, ſo gedenket deſſen, was ihr mir ver⸗ ſprochen; ſeid fleißig und euren Eltern ge⸗ horſam!“ Mittags waren alle Lehrer und Schüler Gäſte des edlen Monarchen, und am 11. Oktober 1871 geruhte Se. Majeſtät Aller⸗ gnädigſt unſerer Anſtalt den Ehrennamen „Kaiſer Wilhelms Gymnaſium“ zu verleihen.
36 Jahre ſind ſeitdem verfloſſen. Die damaligen Schüler ſind Männer geworden, manche derſelben haben geſtern in unſerer Stadt geweilt. Wären ſie zu dieſem Denkmal gepilgert und von mir zu einem Rückblick auf die 36 Jahre der Anſtalt aufgefordert worden, ſo hätten ſie ſich ſagen müſſen, daß ſich manches geändert hat, aber unverändert ge⸗ blieben iſt, was der erſte Direktor im Namen ſeiner Schüler zu Ems gelobt hat. Seit 36 Jahren iſt die ehrende Auszeichnung„Kaiſer Wilhelms Gymnaſium“ für alle Angehörigen dieſer Schule eine gern beherzigte Mahnung:


