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Allezeit treu zu ſtehen zu Kaiſer und Reich und dieſen Schwur bei jeder Gelegenheit zu erneuern.
Heute, wo der Feſtzug einiger früherer und aller jetzigen Schüler durch die Straßen der Stadt bis zum Denkmal geleitet worden iſt, zum Beweiſe dafür, daß alle Generationen der Schule dieſelbe vaterländiſche Geſinnung bewahrt haben, kann ich es mir nicht ver⸗ ſagen, dem alten ſchönen Gelöbnis Rechnung zu tragen und alle Angehörigen einer An⸗ ſtalt, die ſich mit dem Namen des hohen Herrn ſchmücken darf, aufzufordern, vor dem Denk⸗ mal Wilhelms des Großen ſeinem jetzt tat⸗ kräftig regierenden Enkel den gleichen Schwur der Treue zu leiſten.
Ich weiß, daß Sie alle bereit ſind, ich weiß, daß Ihre Bruſt von patriotiſcher Begeiſterung durchglüht iſt, ich weiß, daß ich jedem aus der Seele ſpreche, wenn ich die Gelegenheit biete, die Liebe zu unſerm vielgeliebten Herrſcher Wilhelm II. durch ein brauſendes Hurra zu beſiegeln.
So ertöne denn am Fuße des maleriſchen, von einem weithin ſchimmernden Schloſſe ge⸗ krönten Mons Tabor, angeſichts der idylliſch gelegenen Stadt, vor den Stufen des Denkmals der Ruf:
Se. Majeſtät, unſer Allergnädigſter Kaiſer, König und Herr, Wilhelm II., der Stolz der Deutſchen: Hurra! Hurra! Hurra!“
Vom Denkmal ging es hinauf in Häm⸗ merleins Garten. Hier entwickelte ſich ein rühriges Treiben. Als Gäſte der„alten Herren“ erhielten die größeren Schüler während des Konzertes Bier, die kleineren Limonade und reichlich Konditorwaren.
Frau Dr. Spies verteilte im Saßle wertvolle Preiſe an die Sieger in dem Sanfls⸗ tag vorher vom hieſigen Gymnaſialtennisklub veranſtalteten Turnier..
Ein Oberprimaner ſagte im Namen ſeiner Mitſchüler Dank für die der Jugend bereitete Nachfeier:
„Hochverehrte Damen und Herren! Liebe Mitſchüler!
Der geſtrige Tag mit ſeinen Feierlichkeiten iſt in der ſchönſten Weiſe verlaufen. Obwohl dieſes Feſt naturgemäß hauptſächlich den früheren Schülern des Kaiſer Wilhelms Gym⸗ naſiums galt, ſo war dieſer Tag doch auch für uns Epigonen von der größten Bedeutung. Konnten wir doch eine große Anzahl ehe⸗ maliger Scholaren begrüßen, die ſich in den
Mauern unſeres Muſenſtädtchens ihre geiſtige Ausbildung erworben haben. Wir hatten Gelegenheit, in ihnen die Ideale, die wir ver⸗ folgen, verwirklicht zu ſehen. Allein ich glaube wohl im Sinne aller zu ſprechen, wenn ich behaupte: Von allen herrlichen Reden, die wir mit Begeiſterung gehört haben, hat am zündendſten unter uns Pennälern die Rede des Herrn Diviſionspfarrers Dr. Pörtner gewirkt. Während der allgemeinen Freude war nämlich bei den Herren des Feſtkomitees, vor allem bei dem Herrn Dr. Spies und Herrn Fabrikant Flügel der Gedanke aufgetaucht, auch der jetzigen Schüler des Gymnaſiums nicht zu vergeſſen und ihnen auf irgend eine Weiſe ein Vergnügen zu bereiten, und Herr Dr. Pörtner appellierte in dieſem Sinne an die alten Herren, ihr Portemonngie zu dieſem Zweck nur recht weit aufzumachen. Von ſeinen Vorſchlägen gefiel der am meiſten, der heute hier zur Ausführung kommt, obwohl es einigen Böſewichten wohl lieber geweſen wäre, wenn der erſte Vorſchlag angenommen worden wäre, der dahin ging, daß für die Pennäler auf dem Marktplatze ein Frühſchoppen ſtattfinde, während unterdeſſen unſer allverehrter Herr Direktor Oſtermann überſetzen ſolle. Allein auch dieſe werden ſich unterdeſſen wohl eines Beſſeren beſonnen haben. Die Sammlung er⸗ gab nun, daß das Portemonnaie der alten Herrn von der heutigen Modekrankheit, der Schwindſucht, noch nicht ergriffen war, und infolgedeſſen iſt es möglich, heute hier eine ſo impoſante Feier zu veranſtalten, zu der uns der Herr Direktor in ſeiner bekannten Güte ſogar einen ſchulfreien Nachmittag bewilligt hat, wenn das Thermometer um zehn Uhr auch noch keine 25 zeigte.
Mir iſt nun der ehrenvolle Auftrag geworden, allen, die zu dieſem ſchönen Feſte beigetragen haben, im Namen aller Schüler des Kaiſer Wilhelms Gym⸗ naſiums unſern herzlichſten Dank auszu⸗ ſprechen. Welchen Widerhall der Vorſchlag zu dieſer Feier in den Herzen aller Schüler gefunden hat, konnte man aus dem Jubel er⸗ ſehen, mit dem das betreffende Zirkular in allen Klaſſen begrüßt wurde. Allein dieſer Dank ſoll nicht nur in Worten beſtehen, ſondern wir wollen dieſen Dank auch in die Tat um⸗ ſetzen, damit ſich ſpäter an uns das Sprich⸗ wort bewahrheite:„Wie die Alten ſungen, ſo zwitſchern die Jungen.“ Wir, die wir vor⸗


