Aufsatz 
Bruchstücke einer alten Kellereirechnung : [für die Schlösser Montabaur, Hartenfels und Molsberg]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ausſichtlich in den nächſten Jahren dieſe An⸗ ſtalt verlaſſen und ins Leben eintreten, wir wollen uns möglichſt zahlreich an den ſpäteren Studien⸗Erinnerungsfeſten beteiligen und verſprechen, auch dann den hier weilenden Schülern einen ſo ſchönen Tag zu bereiten, wie wir ihn heute hier verleben. Um jedoch unſerm Dank ſchon jetzt Ausdruck zu verleihen, fordere ich alle anweſenden Pennäler auf, mit mir einzuſtimmen in den Ruf: Diejenigen Herren, die zum Gelingen dieſes ſchönen Feſtes, das hauptſächlich uns gilt, mit beigetragen haben, ſie leben hoch, hoch, hoch!

Um 7 bezw. 8 Uhr wurden die Schüler entlaſſen, und Terpſichore ſchwang im Saale das Seepter.

Lange nach Mitternacht endete das letzte Vergnügen und mit ihm die ganze Feier. Es war nach dem einſtimmigen Urteile aller Teilnehmer ein Feſt ohne jeden Mißton, das mit einem friſchen, kräftigen Frühlings⸗ hauche die dunſtigen Nebelſchleier des Alltags⸗ lebens zerriſſen, Körper und Geiſt durchweht und, wie ein ſchlagfertigeralter Herr be⸗ merkte,jede Motte aus Herz und Lungen der früheren Schüler verſcheucht hat. Ja, noch mehr! In der heutigen Zeit, wo berufene und unberufene Kritiker in Zeitungen und Zeitſchriften die Gymnaſien angreifen und manche Heißſporne ihnen ſogar die Exiſtenz⸗ berechtigung abſprechen, iſt in Montabaur durch Wort und Tat der früheren Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums die Stellung der alten Schule befeſtigt und gewiſſermaßen ihre Zukunft geſichert worden.

Für dieſe lieben und werten Freunde der Anſtalt galt nie das franzöſiſcheLe maitre, c'est l'ennemi, für ſie war nicht

XVIII

das Pennalein Ort des Grauens, eine Folterkammer, ſondern eine Palaestra vitae, wo jederzeit ohne Drillen des Geiſtes echte Wiſſenſchaft und edle Herzensbildung, warme, lebendige Empfindung für das Gute, Wahre und Schöne beiſtiller Arbeit zu holen war; für ſie iſt bis heute Montabaur vielmehr ein Ort, der ſie ſtets an die Verſe des lauriger Horatius erinnert:Ille terrarum mihi praeter omnes angulus ridet und das Gymnaſium ein Gebäude mit altklaſſiſchen Grundmauern auf deutſchem Boden, frei vom Moderduft einer abgetanen Welt, umſtrahlt vom weithin leuch⸗ tenden Lebenslichte des zwanzigſten Jahr⸗ hunderts, mungebe von würziger Höhenluft, die Mut und Kraft verleiht für die Werke edler Menſchlichkeit und für die Aufgaben des deutſchen Mannes in der Gegenwart. Endlich war es an den Feſttagen der gegenwärtig hier ſtudierenden Jugend ver⸗ gönnt, aus dem Mundealter Pennäler und begeiſterter Verfechter der Gymnaſialbildung viel Rühmliches über Montabaur ſowie über den Wert der alten Bildungsſtätte zu hören und auch aus Dankbarkeit gewollte Taten zu ſehen, ſegensreiche für das weitere Gedeihen der Schule. Dabei wird wohl mancher ein⸗ ſichtige Primaner viel gelernt, viel beherzigt haben. Man ſagt ja mit Recht: Verba docent, exempla trahunt. Muß da nicht jeder wahre Freund der Jugend ähnliche Feſte froh be⸗ grüßen? Sie ſchaffen ſicherlich manches Gute, ſie ſchlagen eine ideale Brücke aus der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft, vor allem wecken und beleben ſie die für den richtigen Schulbetrieb unentbehr⸗ liche Lernfreudigkeit in den kommenden Ge⸗ ſchlechtern, zum Heil der Schule, zum Wohl der Familie, zum Segen des Vaterlandes!