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beiträge unter ärmere Schüler auf Vorſchlag der Lehrerkonferenz zu verteilen; ¼ der Bei⸗ träge bleibt als Reſervefonds. 7. Die Auflöſung des Vereins kann nur mit ¾ Majorität aller Mitglieder beſchloſſen werden.
Nachdem Juſtizrat Tilmann dieſe Satzungen vom juriſtiſchen und praktiſchen Standpunkte für einwandfrei erklärt hatte, beantragte er deren Annahme. Es erhob ſich kein Widerſpruch, und damit trat nach der Anſicht des Redners und ſeiner Zuhörer der Verein ins Leben.
Nochmals beſtieg der Direktor Dr. Thamm die Rednerbühne. Er teilte erſtens den Wort⸗ laut des an den Oberregierungsrat Dr. Pähler zu richtenden Telegramms mit:
„Die in der neuen Turnhalle verſammelten Feſtgenoſſen beehren ſich dem erſten Direktor und eigentlichen Gründer des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums für das freundliche Gedenken tiefgefühlten Dank und ehrerbietige Grüße zu ſenden.“
Zweitens regte er an, die folgenden Worte an Dr. Stemmler in Ems, der als Urheber des oben genannten März⸗Telegramms ge⸗ wiſſermaßen Ur⸗ und Erzpater des erſten Studien⸗Erinnerungsfeſtes ſei, zu drahten:
„Die in Montabaur verſammelten Feſt⸗ genoſſen übermitteln dem Abſender des März⸗ telegrammes, das mit der Gründung des Vereins ehemaliger Montabaurer Pennäler die ſchönſte Frucht gezeitigt hat, herzlichen Gruß und Dank.“
Drittens ſprach er ſeinem Vorredner für die herzerquickende Erwiderung auf die An⸗ ſprache innigen Dank aus. Der Ortsfeſtaus⸗ ſchuß, ſagte er, habe keinen würdigeren Ver⸗ treter der Geſamtheit wählen können. Mit gewohnter Meiſterſchaft ſei die Schulſtadt Montabaur ſowie das gute Verhältnis zwiſchen Lehrern und Schülern und die auf— opfernde Tätigkeit der erſteren gerühmt worden. Als Direktor könne er aus vollem Herzen in das Lob einſtimmen, das ſeinen Mitarbeitern am Werke der Erziehung und Bildung ge⸗ ſpendet worden ſei; des Lehramtes Pfad ſei ziemlich dornenvoll, aber auch Roſen blühten daneben, und Herr Juſtizrat Tilmann habe es verſtanden, einen Strauß der ſchönſten mit den guten deutſchen Namen„Dankbarkeit“,
„Liebe“,„Treue“,„Zuneigung“ zu pflücken und in ſinniger Sprache dem Lehrerkollegium zu überreichen.
Endlich dränge es ihn, nach dem idealen Teile auch dem realen Rechnung zu tragen und ein„Vergelt's Gott!“ allen zuzurufen, die als Mitglieder des Vereins für Schüler⸗ ſtipendien ſorgen und werben wollten. Das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium beſitze vieles, was ein Direktorenherz begehren könne; aber es fehle leider an Stiftungen und Geld— mitteln, um arme, würdige Schüler zu unter⸗ ſtützen. Da werde der neue Verein einem ſchreienden Bedürfnis abhelfen und dem Stu⸗ dien⸗Erinnerungsfeſt durch praktiſche Betäti⸗ gung der treuen Anhänglichkeit die Krone aller Kronen aufſetzen. Redner machte einige Vor⸗ ſchläge betr. Vorſtandswahl, die durch Ergän⸗ zungswahl am ſchnellſten gelingen werde, und ſchloß den Feſtaktus mit dem doppelten Wunſche:
Vivat, crescat, floreat der Verein ehemaliger Schüler! und Auf Wiederſehen
beim zweiten Feſte in Montabaur! Gegen ½ 5 Uhr endete dieſe erhebende Feier.
Der geplante Feſtzug zum Kaiſerdenkmal kam nicht in vollem Umfange zu ſtande. In⸗ folge des Regens zogen es viele vor, in ge⸗ deckten Wandelgängen und im Hämmerlein⸗ ſchen Saale Schutz zu ſuchen. Nur die Jugend und einige„alte Herren“ trotzten dem Wetter und folgten der Militärkapelle in den Kon⸗ zertgarten.
Hier wurde mit einigen Kürzungen das gutgewählte Programm geſpielt.
In einer Pauſe rührte Diviſionspfarrer Dr. Pörtner die„alten Herren“ mächtig durch folgenden mit unbeſchreiblichem Jubel aufgenommenen Speech.
„Liebe, alte Konpennäler!
VVon verſchiedener Seite iſt aus den Herzen der alten Pennäler heute der Wunſch aufgetaucht, daß der heutige, ſelten ſchöne Tag des Wiederſehens nach manchen Jahren der Trennung ſeine Freudenſtrahlen auch über die gegenwärtigen Schüler des Gymnaſiums ausgießen möge, daß wir den jungen Nach⸗ wuchs, der zur Zeit jene Schulbänke weiter poliert, die wir vordem„glänzend“ abgeſeſſen haben, heranziehen mögen zur Teilnahme an unſerer Freude, damit ein Echo des Jubels,


