darf ich getroſt meine Anſprache mit folgenden trefflichen Schlußworten des vom Herrn Ober⸗ regierungsrat Dr. Pähler an mich ge⸗ richteten Schreibens enden:
„Möge die Feier des Studien⸗Erinne⸗ rungsfeſtes dazu beitragen, das Band des Vertrauens und der Zuneigung, das die alten Schüler mit der Anſtalt verknüpft, immer inniger zu geſtalten; dann wird ſie auch für das fernere Blühen des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums erſprießlich ſein, dem ich alles Gute von Herzen wünſche.“
Möge der hochverehrte Herr Dezernent das nicht bloß durch dieſe freundlichen Worte ſondern ſeit Jahrzehnten durch die Tat oft bewieſene große Wohlwollen der Anſtalt fernerhin bewahren, und möge aus dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium jahraus jahrein eine beachtenswerte Zahl von Schülern hervorgehen, die als wackere, vaterlandsliebende Männer der alten Bildungsſtätte Ehre machen und mit Treue und Anhänglichkeit bei Studien⸗ Erinnerungsfeſten nach Montabaur gern wiederkehren, wie die hier verſammelten Feſt⸗ genoſſen! Das walte Gott!“
Hierauf erklang das wundervolle Lied von Radecke„Aus der Jugendzeit.“ Wer lauſchte nichtjederzeit gern der einſchmeichelnden Weiſe dieſes ſtimmungsvollen Liedchens, das wie kein anderes den Menſchen zurückverſetzt in ſeine ſangesfrohe, ſorgenfreie Jugendzeit! Man begreift, wie ſich dieſes Lied uberall Hei⸗ matrecht erwerben und am Studien-Erinne⸗ rungsfeſte den alten Pennälern tief in die Seele dringen konnte, zumal der gemiſchte Chor mit allen Mitteln der göttlichen Kunſt die lauſchende Menge zu bezaubern und zu bannen wußte, unbeirrt durch unerfreuliche Vorgänge in der Natur. 3—
Denn gleichzeitig ſetzte draußen unter Blitz und Donner ein Gewitterregen ein. Er veran⸗ laßte, doppelt befruchtend, zwei Dauerreden, die über die Macht der Elemente hinwegzu⸗ täuſchen verſuchten.
Juſtizrat Tilmann aus Neuwied, bekannt durch ſeine Redegewandtheit, ſchilderte in überaus humorvoller Weiſe das Leben und Treiben der früheren Pennäler. Wahre Lach⸗ ſalven entfeſſelten ſeine ſprühenden Geiſtes⸗ funken, die bei der Kritik der alten Schulord⸗ nung zündend in die Verſammlung flogen, ſo daß die Stirn des Direktors bedenkliche Falten zeigte, gerade als ob die jetzige Dis—
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ziplin durch die„ollen Kamellen“ gefährdet werde. Dem war aber nicht ſo. Im Gegen⸗ teil! Redner ſchlug bald ernſte Töne an, rühmte die für Schüler geſunden kleinſtädtiſchen Ver⸗ hältniſſe, die ſchülerfreundlichen Penſionsgeber und vor allem das pädagogiſche Geſchick, die Berufsfreudigkeit und das Wohlwollen aller Lehrer in ſolchem Grade, daß ſeine Worte in einen wahren Lobgeſang auf Montabaur, die höhere Schule und das Lehrerkollegium aus⸗ klangen. Mit dem Hinweis auf den Inhalt der letzten Schulprogramme glaubte er das Walten desſelben guten Geiſtes jetzt noch ver⸗ ſpüren zu können.
Dann leitete er mit großer Diplomatie die Gründung eines Vereins ehemaliger Mon⸗ tabaurer Pennäler ein.
Er verlas folgende
Satzungen des Vereins ehemaliger Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums zu Montabaur, die Direktor Dr. Thamm entworfen hatte. Sie lauten: 1. Der Verein hat einen doppelten Zweck: ſeinen Mitgliedern durch Studien⸗Erinne⸗ rungsfeſte in Montabaur Gelegenheit zu einem fröhlichen Wiederſehen zu bieten und .arme, würdige Schüler der Anſtalt durch Stipendien zu unterſtützen.— 2
Mitglied kann jeder werden, der dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium als Schüler angehört hat und ſich zur Zahlung eines Jahres⸗ beitrags von mindeſtens 1 Mark verpflichtet.
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Der Austritt erfolgt auf Grund einer an den Vorſtand gerichteten ſchriftlichen Er⸗ klärung.
4.
Der Vorſtand beſteht aus 6 einheimiſchen und 6 auswärtigen Mitgliedern, die an jedem Studien⸗Erinnerungsfeſte von der Verſamm⸗ lung gewählt werden und unter ſich die einzel⸗ nen Amter verteilen.
5. Studien⸗Erinnerungsfeſte werden alle 5—6 Jahre abgehalten. Die Vorbereitungen trifft der jedesmalige Vorſtand.
Der Vorſtand iſt berechtigt, ¾ der Jahres⸗


