Wilhelms Gymnaſiums die herzlichſten Grüße zu überbringen und beſonders denen, die von 1868— 1874 die Anſtalt beſucht haben, zu ſagen, daß er ihrer in Treue und Ergeben⸗ heit gedenke. Ich entledige mich hiermit dieſes Auftrages und bitte zugleich um die Ermäch⸗ tigung, im Namen der Feſtverſammlung zum Dank und Gruß dem erſten Direktor des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums ein Telegramm zu ſenden, deſſen Wortlaut ich nachher verleſen werde.
Nunmehr habe ich die Ehre, den zweiten Direktor der Anſtalt als älteſten Feſtgenoſſen in unſerem Kreiſe zu begrüßen.„Unſer Leben währt ſiebenzig Jahre“, ſagt der Pſalmiſt,„und wenn es hoch kommt, ſind es achtzig“. Sie, verehrteſter Herr Kollege, muß ich dazu be⸗ glückwünſchen, daß Sie die achtzig längſt über⸗ ſchritten und den heutigen Tag erlebt haben, an dem Sie viele Ihrer vielen Schüler wieder⸗ ſehen. Getroſt darf ich„viele“ ſagen; denn in Ihrer zweiundzwanzigjährigen hieſigen ſegensreichen Wirkſamkeit haben Sie mehr als 1400 Schüler in das Album eingetragen und Hunderte von Abiturienten entlaſſen.
Meine Damen und Herren! Ihr anhal⸗ tender Beifall veranlaßt mich hinzuzufügen, daß heute wiederholt ehemalige Schüler mit der Frage herantraten:„Kommt unſer lieber, alter Direktor Werneke auch? Wenn nicht, dann holen wir ihn“.
Meine Damen und Herren! Ihr ver⸗ doppelter Beifall liefert den Beweis, daß Herr Direktor Werneke ſich in Ihrem Herzen ein Denkmal geſetzt hat aere perennius. Für⸗ wahr ein für einen Schulmann beneidens⸗ wertes Los, an der Stätte der ſchönſten Wirk⸗ ſamkeit ein otium cum dignitate bei unver⸗ wüſtlichem Humor zu genießen, dankbaren Schülern treuherzig die Hand zu ſchütteln und alte, ſchöne Erinnerungen aufzufriſchen!
Mögen Ihnen, ſehr geehrter Herr Kollege, noch viele Jahre des Lebens und Feſttage wie der heutige beſchieden ſein zur Freude Ihrer werten Angehörigen und zur Freude Ihrer vielen Freunde!
Herzlich willkommen heiße ich die verehr⸗ ten Damen, die Herren Vertreter der geiſtlichen und weltlichen Behörden, das Kuratorium und die Herren Mitglieder des Magiſtrats und der Stadtverordneten⸗Verſammlung, ehemalige Lehrer und Freunde der Anſtalt. Ihr Er⸗ ſcheinen iſt eine dankenswerte Auszeichnung
XII
für die Anſtalt und eine Ehrung, der ſie ſich ſtets würdig zeigen wird.
Last not least wende ich mich an Sie, meine verehrten Herren und Freunde, ohne die das heutige Studien⸗Erinnerungsfeſt ein Traumgebilde geblieben wäre. Mit einem gewiſſen Stolze bemerken die jetzigen Ange⸗ hörigen des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums, daß eine beachtenswerte Zahl ehemaliger Schüler der Anſtalt dem Rufe: Auf nach Montabaur! gefolgt iſt und durch das von Herrn Matthias Kaſter und unſeren jüngeren Semeſtern am Bahnhof aufgerichtete zeitgemäße Verkehrs⸗ mittel den Weg als Aoννα‿ gefunden hat. Aus allen Gegenden des weiten deutſchen Vaterlan— des, aus dem Elſaß und der Eifel, von der Moſel, vom Rhein u. vom Main, aus Bayern und aus dem Land der roten Erde, kurz von fern und nah ſind Sie herbeigeeilt, um Ihre Anhänglichkeit an die Schule kundzutun und im trauten Freundeskreiſe alte Erinnerungen aufzuwecken. Sie liefern durch Ihr Erſcheinen
den ſchlagenden Beweis, daß die Dankbarkeit
für die von der Schule empfangene Bildung und Erziehung nicht erloſchen und anderſeits die Jugendfreundſchaft in Ihren Herzen nicht erkaltet iſt. Sie ahnen kaum, welche angenehme Wirkung in der heutigen als undankbar ver⸗ ſchrieenen Zeit ein ſichtbares Zeichen treuer Anhänglichkeit ausübt, welch' ſchönes Beiſpiel Sie als ältere Herren der jetzt hier ſtudierenden Jugend geben.
Mögen Sie als Gegengabe bei Ihrer zeitweiſen Rückkehr zur alten Schule, die Sie einſt für die Anforderungen des Berufes und des Lebens befähigt hat, neue Kräfte, neuen Mut empfangen, gerade wie der Rieſe Antäus, der bei jeder Berührung mit ſeiner Mutter Erde ſich ſtärker fühlte!
Wollen Sie dann aber auch— und ich ſpreche jetzt pro domo— Ihre Liebe und Anhänglichkeit dem Kaiſer Wilhelms Gym⸗ naſium treu bewahren und in der jetzigen Zeit, wo allerorten Konkurrenzanſtalten empor⸗ ſprießen und blühen, in Ihrer Heimat gelegent⸗ lich Freunde und Bekannte darauf hinweiſen, daß in Montabaur eine Anſtalt auswärtige Schüler braucht und ſtets beſtrebt iſt, ſie gründlich zu unterrichten und zu tüchtigen Mitgliedern der menſchlichen Geſellſchaft zu erziehen.
Wenn dieſe meine Herzenswünſche durch Ihr freundliches Zutun erfüllbar ſind, dann


