Aufsatz 
Bruchstücke einer alten Kellereirechnung : [für die Schlösser Montabaur, Hartenfels und Molsberg]
Entstehung
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das Mozartſche Bundeslied(für Männerchor), deſſen vortreffliche Wiedergabe ſtürmiſchen Bei⸗ fall fand. Kein Wunder! Der Jugendfreund⸗ ſchaft Harmonien fanden in den ſchönen Har⸗ monien des Liedes echten, toniſchen Abglanz.

Ein Oberprimaner ſprach dann mit Wärme den vom Direktor Dr. Thamm verfaßten

Prolog:

Montabaur, der Städte Perle In des Weſterwaldes Gauen, Pranget heut im Feſtgewande, Wunderlieblich anzuſchauen.

Eine Schar erſehnter Gäſte Hat ſich Stelldichein gegeben An der alten Bildungsſtätte.

Drum das friſche, frohe Leben.

Hergeeilt von nah und ferne Sind die früheren Scholaren,

Ein Erinnerungsfeſt zu feiern Nach den langen Trennungsjahren.

Freude ſtrahlt aus aller Augen Jetzt wie einſt in Jugendtagen. Wiederſeh'n in Freundeskreiſen Läßt die Herzen höher ſchlagen.

Längſt vergeſſene Bilder tauchen Auf aus der Erinnerung Tiefe.

Bei dem Anblick unſrer Schule Iſt's, als ob die Mutter riefe:

Kommt herein, ihr lieben Söhne, Kommet, ohne lang zu ſäumen! Möcht' euch einmal noch verſammeln In den altbekannten Räumen!

Möcht' euch ein Willkommen bieten Durch den Mund der Epigonen, Möcht' euch nochmals Gutes wünſchen. Kommt aus allen Regionen!

Und gehorſam dieſer Stimme Hat ſich mancher eingefunden,

Denkt dabei der ſegensreichen Schönen und auch ſchweren Stunden.

Denkt, wie in den Schacht des Wiſſens Er als Knabe ſich verſenkte,

Denkt, wie er hinaus ins Leben Einſt von hier die Schritte lenkte.

Wir, die jüngeren Geſchlechter, Mit der Ahnung künft'ger Taten, Jetzt noch von der geiſtigen Mutter Treu behütet, wohl beraten,

Schauen ſtolz die Kameraden In der neu geweihten Halle,

Danken für die hohe Ehre, Rufen froh mit lautem Schalle:

X

Heil den alten Schulgenoſſen, Feſt vereint durch Freundſchaftsbande! Heil der Schule! Heil dem Kaiſer Und dem deutſchen Vaterlande! Nun begrüßte Direktor Dr. Thamm die Feſtgenoſſen mit folgender Anſprache: Hochanſehnliche Feſtverſammlung! Kleine Urſachen Große Wirkungen! Ein im März dieſes Jahres an mich ge

richtetes Telegramm des Inhalts:Die in

Ehrenbreitſten verſammelten ehemaligen Mon⸗ tabaurer Pennäler gedenken in Liebe ihrer alten Bildungsſtätte und ſenden dem Lehrerkollegium die beſten Grüße veranlaßte mich für ein ſo ſinniges Zeichen treuer Anhänglichkeit, das die Abſender meines Erachtens noch mehr ehrt als die Empfänger, zu danken und an den mir als tatkräftigen Organiſator von Feſten und warmherzigen Freund der Anſtalt be⸗ kannten Herrn Dr. Stemmler in Ems die Anfrage zu richten, ob nicht in Zukunft Mon⸗ tabaur als geeigneter Vereinigungspunkt ehe⸗ maliger Schüler des Kaiſer Wilhelms Gym naſiums vor andern Orten den Vorzug ver⸗ diene. Eine erfreuliche ſchriftliche Antwort und noch mehr ein lieber Beſuch des verehrten, heute leider abweſenden Herrn Doktors trugen weſentlich dazu bei, meinem anfangs nicht ge

nau begrenzten Vorſchlage eine feſtere Form

zu geben und hieſige Herrn in die Zukunfts⸗ pläne einzuweihen.

Bald traten die ortsanſäſſigen ehe⸗ maligen Schüler der Anſtalt und mehrere ihrer Freunde zu einer Beratung zuſammen; ſie wählten in der Perſon des Herrn Dr. Spieseinen überausrührigen Vorſitzenden des Ortsfeſtausſchuſſes, übertrugen Herrn Aſſeſſor Isbert das arbeitsreiche Schriftführeramt, dem überaus praktiſchen Herrn Fabrikanten Adolf Flügel die durch einen Garantiefonds ſchwer gefüllte Kaſſe und bildeten nach dem Geſetze der Arbeitsteilung verſchiedene Kom⸗ miſſionen zur Vorbereitung eines glänzenden Studien⸗Erinnerungsfeſtes in Montabaur.

Tauſend fleiß'ge Hände regen,

Helfen ſich in munterm Bund,

Und in feurigem Bewegen

Werden alle Kräfte kund.

Dieſe Dichterworte gelten ſo recht für die Tätigkeit des Ortsfeſtausſchuſſes und aller derjenigen Schüler, die ihre Kräfte in den Dienſt der guten Sache geſtellt haben. Es herrſchte eine edle Begeiſterung bei jung und