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bungen. Sind doch Offiziere wie Lehrer, die Vertreter der Wehrpflicht und Schulpflicht, durch ein angrenzendes Arbeitsfeld einander näher gerückt: durch die Erziehung des Volkes in den Garniſonen und beim Manöver, durch die Erziehung der Jugend in Schulen, in Turn⸗ hallen und auf Turnplätzen.
Endlich muß ich dankbar einer Gepflogen⸗ heit unſeres erhabenen Monarchen gedenken, durch die er ſich nicht allein die Herzen der Knaben im Sturm erobert hat, ſondern auch ihren wehrhaften Sinn ſicherlich ſtärken wird. Bei Paraden und Manövern winken der be⸗ nachbarten Jugend freie Tage, auf daß ſie als Zuſchauer teilnehmen kann. Wie blitzen da die lebhaften Augen der Knaben! Wie glühen ihre friſchen Wangen beim Anrücken der Marſchkolonnen! Heidi! Wie geht es da mit ihnen über Stock und Stein! Wie gering achtet da ſelbſt der kleine Abeſchütze, das J⸗männchen die Strapazen einer Felddienſtübung, wenn es nur dabei ſein darf! Lieb Vaterland, magſt ruhig ſein! Eine ſolche Jugend ſchlägt gut ein, und ein zielbewußter Herrſcher faßt mit feſter Hand das deutſche Schwert und hält auf hoher Warte Wacht
„zu des Deutſchen Reiches Ehr und Wehr vom Fels zum Meer.“
An alles denkt er, für alles ſorgt er, nicht zuletzt für die Erhaltung der Wehrkraft des deutſchen Volkes, in der Überzeugung, daß Deutſchland ſeinen hohen Kulturaufgaben nur dann gerecht werden kann, wenn die Wehr⸗ haftigkeit, der beſte Ausdruck innerer Lebens⸗ kraft, in den kommenden Geſchlechtern erhal⸗ ten bleibt.
Möge unſerm vielgeliebten Herrſcher eine lange, glückliche Lebenszeit beſchieden ſein, möge Gottes Segen alle ſeine edlen Beſtre⸗ bungen begleiten, möge unter ſeiner und ſeiner Nachkommen Regierung allezeit eine deutſche Jugend heranwachſen, die körperlich, geiſtig und auch ſittlich gerüſtet iſt, um ebenſo die Verteidigung des Vaterlandes wie die Löſung friedlicher Kulturaufgaben erfolgreich über⸗ nehmen zu können!
Daß dieſe meine treu gemeinten Wünſche auch die Herzenswünſche aller ſind, das wollen Sie, verehrte Feſtgenoſſen, das wollet Ihr, liebe Schüler, durch ein brauſendes Hoch be⸗ weiſen, das als erſtes in dieſer neuen Turn⸗ halle dem höchſten Führer des wehrhaften Jungdeutſchlands gelten ſoll.
S. Majeſtät, unſer Allergnädigſter Kaiſer, König und Herr, ein Herrſcher, um den uns alle Welt beneidet,
er lebe hoch! hoch! hoch!“
Es war wohl der feierlichſte Moment, als das erſte Hoch auf S. Majeſtät in der neuen Halle mit Böllerſchüſſen vor dem Gebäude übergeleitet wurde auf die Nationalhymne, die in der überfüllten Halle mächtig erbrauſte.
Den Glanzpunkt des Tages bildete nach dem einſtimmigen Urteile aller Feſtgenoſſen der muſikaliſche Frühſchoppen Man denke ſich den Marktplatz durch bekränzte Maſten und zahlreiche Tannenbäumchen abgegrenzt und viele Reihen gedeckter Tiſche oder à la Münchener Hofbräuhaus aufgeſtellter Fäſſer ſtatt der Tiſche, dazu zahlreiche Reihen von Damen und Herren bei Wein oder Bier.
Es waren viele Hunderte innerhalb des Feſtplatzes, während viele von den Fenſtern aus zuſchauten und Hunderte von Landleuten, die den Jahrmarkt beſuchten, mit der Schul⸗ jugend außerhalb der Abſperrung auf die Muſik der Coblenzer Pionierkapelle lauſchten, die alt und jung durch flott geſpielte Weiſen, beſonders durch den immer wieder gewünſchten Chriſteſchen Feſtmarſch, begeiſterte.
Neue Gäſte kamen mit jedem Zuge an. Das war ein Händeſchütteln, ein Zurufen, ein Zutrinken ohne Ende.
Photograph Meiſter verfehlte nicht, von einigen der dichtbeſetzten Fenſter in der Nach⸗ barſchaft ſeinen Apparat auf die ſingenden oder lachenden, plaudernden oder träumenden Feſtgenoſſen„anzuſchlagen“ und die meiſten deutlich erkennbar auf 4 Platten zu bringen.
Aſſeſſor Isbert und Buchhändler Kalb beglückten vor allem die den Marktplatz um⸗ ſchwärmende Schuljugend mit einem Dutzend ziemlich großer Luftballons, die in Kugel⸗ oder Champagnerflaſchenform zum ſonnigen Himmel emporſtrebten.
Schon vor 3 Uhr drängten ſich Menſchen⸗ maſſen durch die Gelbachſtraße nach der Turn⸗ halle hin. Vom Sohn(früher Staatsanwalt, jetzt Bürgermeiſter in Saargemünd) und Enkel geleitet, von vielen alten Schülern umringt, wurde der 82jährige zweite Direktor der An⸗ ſtalt, Dr. Werneke, in ſeinem Wagen zum Feſt⸗ aktus gefahren, der 3 Uhr beginnen ſollte.
Die geräumige Halle konnte die Beſucher kaum faſſen. Dicht geſchart lauſchte man auf


