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die glühende Begeiſterung für Freiheit, die Sehnſucht nach einem mächtigen Vaterlande auch noch aus ſeinem Verkehr mit zwei alten Lützower Jägern und einem Freundeskreiſe deutſcher Männer, denen Max Schneckenburger zu Burgsdorf am 8. Dezember 1840 infolge der Thiersſchen Kriegsdrohung zum erſten Male„Die Wacht am Rhein“ vorlas. Spies ſtarb am 9. Mai 1858 zu Darmſtadt im Alter von 48 Jahren.
Außer den genannten Turnmeiſtern ließen ſich preußiſche Miniſter die Hebung der Turnerei und des Sports angelegen ſein. Miniſter v. Eichhorn wurde bereits erwähnt. Unüber⸗ troffen bleibt in dieſem Kreiſe der Kultus⸗ miniſter Guſtav v. Goßler, den Kaiſer Wil⸗ helm II. bei Eröffnung der Schulkonferenz von 1890 den rechten Mann am rechten Platze nannte. Guſtav v. Goßler hatte von Jugend an ſeinen Körper mit Turnen und Sport vertraut gemacht und war ſo befähigt, aus eigener Erfahrung die richtige Grundlage für die Ausbildung eines geſunden und wehr⸗ haften Geſchlechts zu ſchaffen. Durch ſeinen Erlaß vom Oktober 1882 wurden die Turn⸗ plätze wieder zu Ehren gebracht; keine Turn⸗ halle ohne Turnplatz hieß die Loſung. Ein Erlaß vom April 1890 empfiehlt die Lauf⸗ übungen. Kampfſpiele, Ruder⸗ und Schwimm⸗ ſport, ſtudentiſche Turnvereine, Mädchenturnen: alles dieſes erfreute ſich ſeiner Begünſtigung.
In dieſem Jahre war es Miniſter von Bethmann⸗Hollweg, der in einer Februarſitzung des preußiſchen Abgeordnetenhauſes für Pflege des Sports, für Ankauf von Turnplätzen eine Lanze brach,„um die Jugend von Vergnügungen abzuhalten, die nichts taugen, und um die überſchüſſige Kraft, die in der Jugend lebt, auf ein Gebiet hinzulenken, wo ſie in der Stählung von Körper und Geiſt zum Aus⸗ druck kommt.“
Naturgemäß brachten die letzten preu⸗ ßiſchen Könige den Turnbeſtrebungen das größte Wohlwollen entgegen. Einer ihrer Vorfahren, Friedrich Wilhelm I, der Zucht⸗ meiſter des Preußenvolkes, hatte zwei Pflichten als Grundſäulen ſeines Staates aufgerichtet: die Schulpflicht und die Wehrpflicht. Allen ſpäteren Soldatenkönigen lag die Hebung der Wehrkraft des Volkes durch Erziehung am Herzen. Das kam auch in gewiſſem Sinne bei der Militärorganiſation Wilhelms des Großen zum Ausdruck.„König Wilhelm I.
hat“, wie Profeſſor Maurenbrecher treffend bemerkt,„das heutige Reichsheer geſchaffen, mit dem Geiſte der Pflichterfüllung, des Helden⸗ tums, der Anſpannung aller Körper⸗ und Willenskräfte ſo ſtark und nachhaltig erfüllt, daß dieſer treffliche Geiſt vorbildlich auf unſere Schulen wirkt und durch jeden vaterlandsfreudigen Lehrer ſchon in den Kna⸗ ben und Jünglingen lebendig gemacht werden kann“. Das war vorauszuſehen, als Wilhelm I. 1861 zu Königsberg die wahrhaft könig⸗ lichen Worte angekündigt hatte:„Es iſt Preußens Beſtimmung nicht, dem Genuſſe der erworbenen Güter zu leben. In der An⸗ ſpannung ſeiner geiſtigen und ſittlichen Kräfte, in dem Ernſt und in der Aufrichtigkeit ſeiner religiöſen Geſinnung, in der Vereinigung von Gehorſam und Freiheit, in der Stärkung ſeiner Wehrkraft liegen die Bedingungen ſeiner Macht.“ Glockentönen gleich aus einer großen Vergangenheit klingen dieſe herrlichen Worte, mahnend und erhebend wie Geiſter⸗ gruß aus fernen Tagen.
Was Wilhelm der Große mit ſeinen Paladinen geſchaffen, das ſucht ſein jetzt re— gierender Enkel mit der ihm eigenen Tatkraft zu wahren. Unermüdlich ſorgt er für des Reiches Wehr, für Armee und Flotte. Dabei lenkt er, eingedenk des alten Sprichwortes: „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“, ſein Hauptaugenmerk auf die Fürſorge für die Jugend.
Daß er die Wichtigkeit der körperlichen Er⸗ ziehung hoch anſchlägt, bezeugt ſeine Mahnung, die er während der Schulkonferenz des Jahres 1890 an die Jugenderzieher richtete:„Bedenken Sie, was uns für ein Nachwuchs für die Landesverteidigung erwächſt. Ich ſuche nach Soldaten, wir wollen eine kräftige Generation haben.“ Um ſich den geeigneten Heereserſatz aus gebildeten Kreiſen zu ſichern, wies S. Majeſtät bei den Verhandlungen der Schulkonferenz auf die Frage der Überbürdung, auf Schul⸗ krankheiten, auf die überhandnehmende Kurz⸗ ſichtigkeit hin und ſtellte das Thema:„Was ſoll außer dem rationeller zu verwendenden Turnen für die Schulhygiene geſchehen?“
Wenn ferner auf Allerhöchſten Befehl Generäle an der Verſammlung der Schul⸗ männer teilnehmen mußten, ſo wurde durch dieſe weiſe Maßregel zwiſchen den Leitern des Heerweſens und den Pädagogen eine Brücke geſchlagen zum Segen der Wehrhaftsbeſtre⸗


