— IV—
„Viktoria“, ſo hallten Am Rhein die Rebenhöh'n,
Des Dankes Glocken ſchallten, Wo Turm und Türmchen ſteh'n.
Ein letztes Waffenmeſſen: Lutetia war tot.
Es ſtieg aus blut'gen Eſſen Ein Kronreif flammenrot.
Es war die Kaiſerkrone,
Im Heimweh lang erſchaut. Alldeutſchland kürt zum Lohne Sich dieſe ſchmucke Braut.
Ihr ward zur Morgengabe Des Erwin Domeshall',
Zuſamt dem Heldengrabe, Dem grauen Wasgenwall'.
Ha! Frei des Rheines Borden! Schön Straßburg deutſch und frei! Da war ein Frühling worden, Ein echter deutſcher Mai.“
„Die Palaestra.
Es ſteigen die alten Soldaten
Gemach ins ſtille Grab,
Ihr Raten und ihr Taten
Das neue Reich uns gab.
Wer ſteht, wenn ſie gegangen,
Zu ſchirmen unſre Mark?
Wer hebt, wenn alle bangen,
Den Arm bewährt und ſtark?
Wir wollen ohne Zagen
Der Heimat Hüter ſein!
Wir ſchulen, jung an Tagen,
Zum Waffengang uns ein!
Die neue Halle bringen
Soll jungen Sehnen Kraft,
Daß, wenn die Heere ringen,
Wir ſtreiten, unerſchlafft!
„Palaestra!“ Unſre Freude!
Wir grüßen dich zur Stund!
Dem Kaiſer gib als Beute
Viel Recken, frohgeſund!“
Der ſchwierige Chor„Deutſchland“ von Mendelsſohn⸗Bartholdy zeugte von echter Begeiſterung aller Mitwirkenden für das muſi⸗ kaliſche Kunſtwerk.
Nun folgte die Feſtrede des Direktors Dr. Thamm. Sie lautete:
„Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Schüler!
In dieſem Augenblicke, wo ich zum erſten Male in der neuen Turnhalle das Wort er⸗ greifen darf, erfüllt mein Herz wohlige Wonne,
ja freidige Freude darüber, daß von jetzt an dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium nicht bloß ein Schulgebäude ſondern auch eine Turnhalle frei zur Verfügung ſteht. In dem einen Ge⸗ bäude, in der Paläſtra des Geiſtes, wird die ſtudierende Jugend wiſſenſchaftlich geſchult, in dem anderen, in der eigentlichen Paläſtra, die turnende Schar körperlich ausgebildet, ſo daß die berechtigte Forderung: Mens sana in cor-— pore sano fortan mit doppelter Luſt und Liebe erfüllt werden kann.
Was Wunder, wenn ſich zu dieſem Ge— fühle der Freude die aufrichtige Dankbarkeit geſellt! Herzlichen Dank ſage ich im Namen der Anſtalt dem verehrten Herrn Bürgermeiſter, der mir als Vertreter der Stadt den Schlüſſel überreicht und die beſten Segenswünſche für unſere Jugend ausgeſprochen hat! Herzlichen Dank allen Herren, die für den Bau der Halle mit Wort und Tat eingetreten ſind!
Dank dem Herrn Bauleiter für ſeine Mühewaltung!
Freudenklänge und Feſtgeſänge unſerer Schüler rauſchten bereits empor zum Himmels⸗ zelt und flehten den Segen des höchſten Herrn der Heerſcharen herab. Machtvoll wirkten die Worten
„Der dort oben
mild erhoben
ſeines Schutzes ſtarke Hand,
mög' auch ferner ſchützend walten,
möge dieſes Haus erhalten,
ſegnen König, Volk und Land!“ Das Weihelied, das melodiſche Gebet iſt ver⸗ klungen, Dankbarkeit und Freude bleiben. Denn glücklich vollendet iſt nun das Werk, das große Opfer gekoſtet hat, Summen, gern bewilligt von einer Stadtvertretung mit weitem Blick und lobenswertem Bürgerſinn.
Leider gab es einmal in Montabaur eine Zeit, wo man über Ausgaben für Schulzwecke engherziger dachte. Ich erinnere an das Jahr 1817, das dem Herzoglich⸗Naſſauiſchen Gym⸗ naſium nach elfjährigem Beſtehen ein Ende machte, weil die damaligen Stadträte einen ſtädtiſchen Zuſchuß verweigerten. Nichts halfen die„in flehendlichſter Weiſe, in tiefſter Er⸗ niedrigung und Unterthänigkeit“ eingereichten Bittgeſuche, nichts halfen die Klagen,„daß die Stadt ihre Hauptnahrungsquelle mit dem Gymnaſium verlieren und bald einem ver⸗ ödeten Dorfe ähnlich ſein werde“. Der harte Schlag erfolgte raſch, die fremden Schüler und


