— III—
Nach langer reiflicher Erwägung ent⸗ ſchloſſen ſich Magiſtrat und Stadtverordneten⸗ Verſammlung, den geplanten Bau zu geneh⸗ migen.
Das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium be⸗ durfte aber einer Turnhalle, um den Betrieb des wiſſenſchaftlichen Unterrichts durch bequeme Verteilung der Turnſtunden günſtiger geſtalten und größere Schulfeſte würdig abhalten zu können.
Dadurch daß auch den Volksſchulen die Mitbenutzung der Turnhalle geſichert iſt, wird der geſamten Montabaurer Jugend Gelegen⸗ heit geboten, im Winter und überhaupt bei ſchlechtem Wetter die Körperkräfte durch ge⸗ ſunde Bewegung unter geregelter Aufſicht zu ſtählen.
Endlich iſt es mir eine angenehme Pflicht, im Namen der Stadtverwaltung die Turn⸗ halle hiermit dem Kaiſer Wilhelms Gymnaſium zu überweiſen, mit der vom Königlichen Pro⸗ vinzial⸗Schulkollegium zu Caſſel bereits be⸗ ſtätigten Bedingung, daß in den frei bleibenden Stunden den Volksſchulen das Recht der Mit⸗ benutzung gewahrt wird.
In dieſem Sinne überreiche ich Ihnen, hochverehrter Herr Gymnaſialdirektor, den Schlüſſel der Halle.
Möge unter Ihrer bewährten, rührigen Oberleitung in dieſem Raum ein junges Ge⸗ ſchlecht Erholung von geiſtiger Arbeit und Freude an körperlichen Übungen finden, auf daß zum Segen unſerer engeren Heimat und unſeres weiten deutſchen Vaterlandes tüchtige Mitglieder der menſchlichen Geſellſchaft heran⸗ gebildet werden, wahre und bewährte Stützen für Thron und Altar!
Das walte Gott!“
Ein Unterprimaner trug hierauf den vom Kaufmann K. Siebert gedichteten Prolog vor: „Zur Weihe des Hauſes.
Da Sparta ſeine Jugend ſich erzog In freiem Spiel zu nervenſtarken Mannen, Und da ein Mediceer ſchirmend pflog Die edle Kunſt, die Zeiten ſind von dannen; Doch lebt, was ſie geweckt in ihren Söhnen, Zu Nutz und Frommen einer neuen Zeit, Die ehrfurchtsvoll dem Guten, Wahren, Schönen Entgegenſtrebt und ſtolze Tempel weiht.
So hat auch hier ein guter Geiſt geſchenkt Der deutſchen Jugend dieſe ſchlichten Räume Und heute unſern Schritt hierher gelenkt, Wo immerdar nur frohes Leben ſäume,
Wo deutſche Jugendkraft ſoll fördernd ſproſſen Und uns erziehn zu würdigem Geſchlecht, Gleich unſern Vätern, die ihr Blut vergoſſen, Begeiſtert kämpfend für das deutſche Recht. Und mit der deutſchen Kraftſollauch der Sinn Erſtarken für die Kunſt und alles Hehre, Es ſei dies Werk ein dauernder Gewinn, Dieweil es ſäend nur das Wahre mehre, Das in dem Herzen tiefe Wurzeln ſchlage Und jede Falſchheit in dem Keim erſtick' Und hoheitvoll aus unſerm Streben rage Und frei und hell aus unſern Augen blick'. Dem Guten ſoll dies Haus ein Tempel ſein, Dem Schönen nur ſoll öffnen es die Pforten, Daß den, der tritt in ſeine Hallen ein, Im Geiſt es grüßt mit jenen ſtolzen Worten: Ich diene nur dem Wahren, Guten, Schönen; Dies ſoll mein Wahlſpruch ſein für alle Zeit, Das walte Gott, dem jubelnd ſoll ertönen Lob, Ruhm und Ehre bis in Ewigkeit!“
Der Abt'ſche„Siegesgeſang der Deutſchen nach der Varusſchlacht“, ein charakteriſtiſches, großzügig angelegtes Tongemälde, war für das kräftige, volle Stimmaterial wie geſchaffen und vermochte richtig„Stimmung zu machen“. Die farbenreichen Harmoniefolgen waren von packender, natürlicher Wirkung.
Ein Quartaner und ein Obertertianer deklamierten zwei oberbayriſche Gedichte von K. Stieler:„Bei Wörth“ und„An Anfrag.“
Die Sextaner und Quintaner ſangen zweiſtimmig das Sattlerſche„Vom Fels zum Meer.“ Das Lied atmete jugend⸗ liche Begeiſterung und helle Freude der„an⸗ gehenden Pennäler, die auch mittun durften.“
Nach dem fröhlichen Liede brachten ein Quartaner und ein Untertertianer die zwei von Pfarrer J. Wahl in Breitenau der Doppel⸗ feier geſchickt angepaßten Gedichte zum Vortrag:
„Sedan.
Des Kampfes Würfel rollten Bei Sedan laut und lang,
Die Feuerſchlangen grollten, „Wer ſiegt“? ſo frug es bang.
Das war ein Völkerringen, Ein Sehnenſpannen ſtramm; Viktoria tat's bringen Und Jubeln wonneſam.
Es ſiegten Deutſchlands Mannen. Nichts nützt der Franken Müh', Nach Wilhelmshöh' verbannen Den dritten Korſen ſie.


