Aufsatz 
Bruchstücke einer alten Kellereirechnung : [für die Schlösser Montabaur, Hartenfels und Molsberg]
Entstehung
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Montags 9 ½ Uhr rückten ſämtliche Klaſſen des Gymnaſiums mit ihrem Trommler- und Pfeiferkorps und der Fahnengruppe vor die neue Turnhalle. Hunderte von Feſtgäſten und Freunden der Anſtalt hatten mit den Ver tretern der geiſtlichen und weltlichen Behörden vor dem Portale Aufſtellung genommen. Um 10 Uhr übergab der Bauleiter, Techniker Löwen⸗ guth, den Schlüſſel des Gebäudes dem Bürger⸗ meiſter Sauerborn mit den markigen Worten:

Hochgeehrte Feſtverſammlung!

Sehr geehrter Herr Bürgermeiſter!

Im Laufe des vorigen Sommers und Herbſtes reifte im Kreiſe der Herrn Stadtväter der löbliche Entſchluß, für das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium und die Volksſchulen eine Turn⸗ halle zu errichten. Der Entſchluß wurde durch die Genehmigung des Projektes und Anſchlags am 21. März zum Beſchluß.

Nachdem die Bauarbeiten ausgeſchrieben und an die Unternehmer vergeben waren, durfte ich am 3. April als Leiter des Baues das Werk beginnen laſſen.

Mit Gottes Hilfe wurde der Rohbau ohne Unfall vollendet und der innere Ausbau bis auf die abſichtlich hinausgeſchobene Parkett⸗

Dielung und die Befeſtigung der Turngeräte fertiggeſtellt.

Möge nun die neue Halle in jeder Weiſe ihren Zwecken entſprechen! Möge in ihr eine

Jugend körperlich herangebildet werden, daß ſie ſpäter den Aufgaben des Lebens, dem

Dienſte des Vaterlandes allezeit gewachſen iſt!

Mit dieſem Wunſche übergebe ich Ihnen,

ſehr geehrter Herr Bürgermeiſter, den Schlüſſel des Gebäudes.

Der Bürgermeiſter übernahm den Schlüſſel und erwiderte:

Mit dem beſten Dank für die mühevolle Leitung des Baues der Turnhalle übernehme ich aus Ihrer Hand den Schlüſſel des Hauſes und öffne die Pforte, indem ich Gottes gütigen Beiſtand erflehe, auf daß er dieſes Gebäude in ſeinen wirkſamen Schutz nehme und den Teil der Jugenderziehung ſegne, der in dieſer Halle eine gediegene Pflege finden ſoll.

Dann betrat er mit dem Gymnaſial⸗ direktor Dr. Thamm zuerſt die große Halle, die von den Kunſtgärtnern Buſch und S Schneider geſchmackvoll geziert worden war. Ringsherum an den Wänden ſah man 1 ½ m hoch Tannen⸗ reiſer und Tannenbäumchen dicht verzweigt, die Hauutſeite war mit der Kaiſerbüſte⸗ mit

II

Fahnen und Kränzen geſchmückt, lange, dichte Eichenlaubgewinde zogen ſich von Balken zu Balken und ergänzten zur ſchönſten Augen weide den Tannenſchmuck. Nun wurde das

Doppelfeſt nach folgender Ordnung durchge

führt:

Kaiſer Wilhelms Gymnaſium in Montabaur. Ordnung zur Feier des Sedanfeſtes und der Einweihung der neuen Turnhalle, am 2. September 1907 Punkt 10 Uhr vormittags.

1. Weihelied(für gemiſchten Chor) von Gluck.

2. Übergabe der neuen Turnhalle. 3. Prolog zur Weihe des Hauſes. 4. Siegesgeſang der Deutſchen nach der Va⸗ rusſchlacht(für gemiſchten Chor) von Abt. 5. a. Bei Wörth) oberbayr. Gedichte b. An Anfrag) von Karl Stieler. 6.Von Fels zu Meer(zweiſtimmig, VI. u. V.) von Sattler. 7. a. Sedan b. Die Paläſtra 8.Deutſchland(für gemiſchten Chor) von Mendelsſohn⸗Bartholdy. 9. Feſtrede. .Nationalhymne. Der Lehrer am Gymnaſium A. Chriſte, der in den Jahren ſeiner hieſigen Tätig⸗ keit einen gemiſchten Chor von 168 und einen

von J. Wahl.

Männerchor von 75 Schülern aus⸗ gebildet hat, eröffnete die Feier mit Glucks Weihelied ausIphigenie in Aulis. Mächtig

rauſchten die Wogen des ergreifenden Liedes durch die hohe Halle, deren rühmenswerte Akuſtik die Wirkung der Geſänge vorteilhaft erhöht.

Als das herrliche Tonwerk mit ſeinen begeiſternden Steigerungen verklungen war, richtete Bürgermeiſter Sauerborn von der Rednerbühne aus als Vertreter der Stadt folgende kernige Anſprache an die Feſtver⸗ ſammlung:

Sehr geehrte Anweſende!

Heut iſt der Tag erſchienen, an dem wir zum erſtenmal in dieſem feſtlich geſchmückten Raume zahlreich verſammelt ſind, um die Weihe der neuerbauten Halle zu begehen.

Herzlich willkommen heiße ich daher in erſter Linie alle, die ſich zu dieſer Feier ein⸗ gefunden haben, und danke allen für die freundliche Teilnahme.

Nicht ohne große Opfer iſt das Werk geſchaffen worden.