Bericht über die Einweihung der Gymnaſial⸗Turnhalle und über das erſte Studien⸗Erinnerungsfeſt ehemaliger Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums zu Montabaur.*)
W*l wenige Orte verſtehen es, ſo be— geiſtert Feſte mitzufeiern, wie Montabaur. Den Beweis erbrachte die idylliſch gelegene Stadt in den Tagen vom 1.—3. September, als ehemalige Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums ein glänzendes erſtes Studien— Erinnerungsfeſt begingen und die Schola Montaborina mit der Sedanfeier die Ein⸗ weihung einer neuen Turnhalle verband.
Schon am 31. Auguſt herrſchte auf allen Straßen, auf dem Marktplatze und vor den meiſten öffentlichen Gebäuden eine fieberhafte Tätigkeit. Ehrenpforten erhoben ſich am An⸗ fange der Bahnhofſtraße und am Ende der Kirchſtraße, grünbekränzte Maſten mit bunten Wimpeln umſäumten den Marktplatz, den Mittelpunkt der Stadt; das Rathaus ſowie das Gymnaſium und die Turnhalle wurden mit reichlichem Tannengrün geziert, und Fahnen wehten von allen Häuſern.
In der Aula des Kaiſer Wilhelms Gym⸗ naſiums fand Samstag abend 8 Uhr ein Licht⸗ bildervortrag ſtatt. Die Serie„Ruhmesblatt aus der deutſchen Geſchichte“ bot 60 lichtvolle Kriegsbilder, ein Oberprimaner ſchilderte den Verlauf der Schlacht bei Sedan, und Direktor Dr. Thamm brachte das Kaiſerhoch aus.
Sonntags trafen mit allen Zügen zahl— reiche Feſtgäſte ein und verſammelten ſich abends 9 Uhr nebſt hieſigen Familien im Saale des Hotels„Naſſauer Hof“, um beim Kulmbacher und unter fröhlichen Liedern das Wiederſehen zu feiern. Dr. Spies hielt als Vorſitzender des Ortsfeſtausſchuſſes eine herz⸗ liche Begrüßungsrede.
Zum erſten Male erklang auch das nach⸗ her viel geſungene Siebertſche Feſtlied:
„Freunde! hier im frohen Kreiſe
Töne unſer Feſtchoral: Montabaur, dir zum Preiſe Schwing' ich grüßend den Pokal!
Deines alten Schloſſes Zinnen
Winkten ein„Willkommen“ mir,
Und in träumeriſchem Sinnen
Fand ich meinen Weg zu dir. Frohen Herzens kam ich wieder,
Du, mein Weſterwaldathen;
Alte Zeit, verklungne Lieder
Heute wieder auferſtehn.
Und ich baue eine Brücke
Mir im Geiſt nach jener Zeit,
Drüber ſchreite ich zurücke,
Und mein Herz wird froh und weit. Wieder ſitz' ich in den Räumen
Bei Homer und bei Ovid,
Und ein kühnes Zukunftsträumen
Hin durch meine Seele zieht.
Durch die Gaſſen geh' ich wieder,
Schelmiſch lacht ein roter Mund,
Und beim Klang der Burſchenlieder
Leer' mein Glas ich bis zum Grund.— Montabaur, für die Stunden,
Voll von Jugendſonnenſchein,
Die ich einſt in dir gefunden,
Will ich ewig dankbar ſein!
Mögeſt du durch ferne Zeiten
Uns erziehn ein ſtark Geſchlecht,
Das in offnem, hehrem Streiten
Kämpft für Thron, Altar und Recht! Sei gegrüßt, du traute Stätte!
Seid gegrüßt, ihr Mägdlein hold!
Wenn ich doch ein Wort nur hätte,
Das den Dank euch würdig zollt!
Brüder, laßt die Becher klingen,
Daß es weithin jubelnd ſchallt,
Laſſet uns ein Proſit bringen
Unſerm ſchönen Weſterwald!“
Das Lied iſt vom Gymnaſiallehrer A. Chriſte in einen wirkungsvollen Feſtmarſch: Er⸗ innerung an Montabaur ſinnig ver⸗ woben worden.
*) Auszug aus der den ehemaligen Schülern der Anſtalt gewidmeten Feſtſchrift„Montabaur und das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium im Zeichen des erſten Studien⸗Erinnerungsfeſtes ehemaliger Schüler vom 1. bis
3. September 1907.“ Verlag von
z. Sauerborn in Montabaur. 28 S.


