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beaufſichtigte. In der Poeticn befanden ſich 9, in der Rhetorica 5 Studenten; ſie wurden in dem⸗ ſelben Zimmer, das der jüngere Pingeler für die Infimiſten und Sekundaner gebrauchte, vom älteren Pingeler unterwieſen. Als Schulbücher waren Reiffenberg, die Chreſtomathie und Erneſti in Benützung. Rechnen, Geſchichte und Geographie lagen brach; dieſe Fächer ſollten erſt im Sommer berückſſichtigt werden. Im Griechiſchen waren die 4 erſten Kapitel der Bibel überſetzt worden.
Der Lehrer verfuhr nach einer altmodiſchen Methode; er fragte allenthalben nach den Figuren der Metanalepſis, Sermocinatio, des Simile, Exemplum c. unterſchied zwiſchen Genera orua- tionis, deliberationis, judicialis etc., ließ aber weder eine Rede noch einen Teil derſelben gliedern. Abgeſehen von den Leiſtungen im Latein, war der Reviſor ſehr unzufrieden. Vom Rechnen verſtand auch der beſte Schüler, omni exceptione melior vom Profeſſor genannt, nichts, wie die falſche Löſung eines ganz einfachen Exempels aus der Regeldetri zeigte. 1
Durch den Bericht erfahren wir auch etwas über die Lehrergehälter.
Der grammaticus Pingeler jun. bezog in Summa 94 Taler(50 Taler Gehalt vom Ho⸗ ſpital, 20 Taler Zuſchuß vom Magiſtrat, 24 Taler Silentiumsgeld); der Profeſſor der Rhetorica erhielt 50 Taler aus dem Hoſpital, 40 Taler aus Stiftungen, 76 Taler Silentiumsgeld; er mußte aber 20 Taler an den Profeſſor der Syntax abgeben, der im Ganzen nur 50 Taler(30 aus dem Stadt⸗ rentamt, 20 vom Kollegen) empfing. Dazu kam für jeden eine Klafter Holz. Die Arbeitszeit war ihnen wegen des Silentiums von früh halb 6 Uhr bis abends 7 Uhr reichlich bemeſſen. Soweit der Auszug aus dem Bericht.
Ddie Schulkommiſſion war nach§ 5 der vom Kurfürſten Clemens Wenceslaus am 1. September 1786 gegebenen Inſtruktion berechtigt, vom Präfekten(d. h. in unſerm Falle vom Montabaurer Stadtpfarrer) vierteljährliche Berichte über die lateiniſchen Mittelſchulen und eine ſtrenge Aufnahme⸗ prüfung für das Tirocinium zu verlangen.„Arme, die Talent haben“, ſo heißt es,„ſind den reichſten gleichzuſchätzen, aber wenn ſie nicht beſonders viel verſprechen, ſo verwerfe man ſie lieber ſogleich, und ermahne ſie, eher ein Handwerk zu ergreiſen als den Haufen der armen Halbgelehrten zu mehren, welche nur ſich und dem Staate zur Laſt ſind“, und„alle unnötigen Heckenſchulen ſollen geſchloſſen und kein Schüler darf verſetzt werden, der nicht alles Wiſſen der Klaſſe ſich angeeignet hat. 4
. Im November 1787 gingen Pingeler ſen. und Neu ab. Der Stadtpfarrer Hartmann Hoff⸗ mann ſchlug die Geiſtlichen Schloſſer und Hisgen als Nachfolger vor, obſchon ſie noch keine Prüfung
abgelegt hatten. Hoffmann ſprach ſich in ſeinem Bericht nicht günſtig über den Zuſtand der Schule aus. Er riet, entweder die Klaſſen ſo wie in Koblenz und Trier einzurichten oder ſie auf Grammatik zu beſchränken.„Die Schüler lanfene, ſchreibt er,„die Schulen nur durch, kommen roh zur Philoſophie, die ſie mit Schlendern, mutlos ſich zu ſchwach gegen andere fühlend, abmachen.“ Kein Wunder. Die 4 Lehrer, die zugleich Silentium und Kirchendienſt hatten, mithin das Lehramt nur als partem salarii betrachteten, konnten unmöglich 6 Klaſſen, d. h. 5 und das Tirocinium, ſoweit bringen als anderswo 6 Profeſſoren, die nur Lehrer waren. Mit Rückſicht auf die Koſten verlangte Hoffmann eine Herab⸗ ſetzung der Klaſſenzahl, wofern nicht der Magiſtrat mehr Geldmittel beſchaffte. Der Schuldirektor und die Schul⸗Kommiſſion pflichteten dem Präfekten Hoffmann bei und veranlaßten am 27. November 1787 den Magiſtrat zur Meinungsäußerung. Dieſer regelte am 2. April 1788 die Angelegenheit in der Weiſe, daß die 3 Profeſſoren Pingeler, Schloſſer und Hisgen ſich über die Gehaltsfrage einigten und das Stadtärar 68 Taler(30 Taler Gehalt, 30 Taler für Prämien und 8 Taler für V Verwaltung des Fonds) zuſchoß. Wegen der durch frühere Kriegsnöte vergrößerten Stadtſchulden konnte nicht mehr gezahlt werden. Der Magiſtrat erwähnte wiederum die früher genannten Beneficien von 80 und 60 Talern und bat, die Schule nicht aufzuheben. Ein an die in Montabaur verſammelten Amts⸗


