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von Holzenfeld:„Die zu Boppard, Oberweſel, Montabaur, ,Hillesheim, Zell, Herſchbach und Merl aufgeſtellten Lateiniſchen Land Schuhlen ſog. Hecken Gymnasia als welche nur Gelegenheit geben, daß Bauern und wenig vermögende Bürgers Leute ihre Kindere durchgehends zwaren zu ihrem eigenen Verderben den höheren Studien widmen“, ſollten aufgehoben werden, weil die Schüler zu ſchlecht für die philoſophiſchen Studien auf den Gymnaſi en der Hauptſtädte Trier und Koblenz vorbereitet wur⸗ den. Gleichwohl verfügte er,„daß die Jugend Männlichen Geſchlechts nach der an die Land Dechaneyen in der Folge weiter zu erlaßenden Weiſung vorzüglich in den Grund Sätzen der Chriſt. kathol. Re⸗ ligion und den Bibliſchen Geſchichten annebſt aber auch in der Teutſchen Sprach Kunſt dann im ſchön ſchreiben und Rechnen, weniger nicht in der Naturlehre ſoviel ſolche dem Landmann zu wiſſen nöthig, die darunter erfindliche beſte subjecten auch in den Anfangs Gründen der lateiniſchen Sprache unterrichtet, forthin bis zum Aufſteigen in die untere akademiſche classen oder ſog. erſte Schulen zu Trier, Koblenz und Limburg befähigt werden können und ſollen“.
Im Jahre 1778 erreichte es der Magiſtrat durch viele Gegenbemühungen, daß wenigſtens die 2 Klaſſen der alten Pfarrſchule und auch die Poetiéa weiter beſtehen durften. Von den Zinſen des Montabaurer Schulfonds— 60 Taler— wurde ein zweiter Weltgeiſtlicher der Pfarrſchule bei⸗ geordnet. Die 2 Lehrer unterrichteten von 1780 an drei, dann alle fünf Klaſſen, etwa 50 Studenten. Da ſie aber der großen Arbeitslaſt nicht gewachſen waren, wurde ein Vikar, der im Beſitze einer Prä⸗ bende zu Montabaur lebte, als dritter Lehrer hinzugezogen. Die 50 Taler Gehalt zahlten die beiden Kollegen(20 Taler) und der Magiſtrat(30 Taler). Letzterer zeigte wieder großes Intereſſe für die Studentenſchulen, die nach Anſicht des Amtsverwalters Damian Linz auch zukünftigen Handwerkern „ſchärfere Zucht, beſſere Erlernung des Chriſtenthums, der Schreib⸗ und Rechenkunſt garantierte“. Zur Aufbeſſerung der Gehälter ſollten nach ſeinem Vorſchlage zwei geiſtliche beneſicia dienen, von denen das eine jährlich 80 Taler, das andere 60 Taler einbrachte. Die Pflicht der Beneficiaten konnten die geiſtlichen Profeſſoren leicht erfüllen. Handelte es ſich doch nur darum, 1) jeden Donnerstag Vormittag ein hohes Amt zu halten und nachmittags nach einem kurzen Gebet den Segen zu erteilen, 2) jeden Sonn⸗ und Feiertag um 11 Uhr eine hl. Meſſe zu leſen. 160 Taler Gehalt waren durch die Schulkaſſe und Stiftungen geſichert, dazu kamen 140 Taler aus den beneficia und 100 Taler Silentiumsgeld von 50 Studenten. Das hätte für 3 Profeſſoren gereicht. Die Schyierigkeit, daß die derzeitigen Beneficiaten nicht zum Schuldienſt geeignet waren, ſollte der Kurfürſt als Inhaber der geiſtlichen und weltlichen Macht beheben. Dieſer Vorſchlag fand am 4. September 1784 inſoweit die Billigung des Kurfürſten, als Linz bei Erledigung eines Beneficiums auf die Sache zurückkommen ſollte. Am 7. Oktober d. J. war Linz in der Lage anzuzeigen, daß das Stipendium von 60 Talern erledigt ſei und eine auf Zinſen angelegte Wirzenborner Stiftung von mehr als 1000 Talern nutzbar gemacht werden könnte. Es kam aber nicht zur endgültigen Löſung dieſer Frage.
Im April 1786 beſichtigte Schuldirektor Mathie aus Koblenz die Studentenſchule in Mon⸗ tabaur. Der Reviſionsbericht enthält u. a. folgende Angaben über die Schulverhältniſſe:
In der 1. und 2. Klaſſe waren 6 Studenten, die lateiniſche Grammatik lernten und meiſt aus dem Deutſchen ins Lateiniſche überſetzten. Sie rechneten aber nicht, ſtudierten kein Griechiſch und benutzten Felbigers Geſchichte. Geographie, auch als Topographie, war ihnen unbekannt.
In der Syntax ſaßen 9 Studenten beim Vikarius Neu. Sie überſetzten ſowohl Proſa wie Ovids Elegien— ſchlecht. In der Geſchichte war Mythologie, in der Geographie Altgriechenland gewählt worden. Als Schulbücher waren Reiffenberg, Wurz und die Koblenzer Chreſtomathie im Ge⸗ brauch. Um das Rechnen kümmerte ſich dieſer Klaſſenlehrer gar nicht; er überließ es dem älteren Pingeler, dem Lehrer der Poetica und Rhetorica, der alle Schüler der 3 Klaſſen im Silentium


