— 6— A. Die Latein⸗ oder Studentenſchulen in der Stadt Montabaur.
Die älteren Nachrichten über die Montabaurer Studentenſchulen ſind ſehr ſpärlich und zum Teil unwichtig.*)
Auch aus der Regierungszeit des Kurfürſten Clemens Wenceslaus haben wir nur wenige ſchriftliche Aufzeichnungen über die Lateinſchule.— Ein nichtdatierter Fragebogen— wahrſcheinlich aus den ſiebziger Jahren— gibt einigen Aufſchluß über das Tirocinium, die Vorbereitungsklaſſe für die Lateinſchule.
Eine Zeitlang unterſtand es dem Trivialſchulmeiſter, ſpäter trat ein Geiſtlicher an deſſen Stelle, jedoch das Silentiumsgeld— monatlich 4 Alb.¹) pro Schüler— verblieb dem erſteren. In dem nicht genannten Jahre zählte das Tirocinium 23— 24 Schüler, und zwar waren alle aus Mon⸗ tabaur, mit Ausnahme eines Marienrachdorfers. Die Aufnahme erfolgte durch beſondere Prüfung; unfähige Elemente wies man zurück. Das Tirocinium zerfiel in 2 Abteilungen: Rudimentiſten und Syntaktiſten. Der Unterricht dauerte von 7—9 Uhr und von 1—4 Uhr. Dazwiſchen war Gottes⸗ dienſt und Silentium von 9 ½— 11 Uhr. Von ½ 5—7 Uhr verſammelten ſich wieder alle zum Silentium. Gelehrt wurde: Chriſtenlehre, bibliſche Geſchichte, Latein, deutſche Sprache, Rechnen und Schönſchreiben. Dienstags und Donnerstags gab es einen halben Spieltag, alle Monate fand eine compositio pro locis, alle Jahre eine Prüfung ſtatt. Die Prämien(Bilder und Geld) ſchenkte der Dechant. Strafen waren 1) Knien, 2) plaga, 3) poenitenz, 4) Faſten, 5) virgae.
Über die Lateinſchule berichtet derſelbe Schreiber in einem kurzen Auszug. In dieſem Jahre lehrten nur 2 Profeſſoren, der eine erhielt 90 Taler, der andere 70 Taler, außer 4 Taler Schul⸗
¹) 1 Albus(Weißpfennig, eine Silberſcheidemünze)= 7—8 Pfg.
*) Im Jahre 1558 wurde ein Benefizium der Hoſpitalkapelle zu Schulzwecken eingezogen.(Urkunde vom Kurfürſten Johann v. d. Layen). Am 12. Oktober 1668 beantragte der Magiſtrat die Anſtellung des Magiſters Vogt; am 2. Mai 1695 mußte Vogt ſeine Stelle an den ludi magister Scherer abtreten, durfte jedoch noch„den Cantum choralem docieren und die Studenten ad pultum führen“. Am 17. September 1744 machte der Amts⸗ verwalter Bauer dem Magiſtrat einen wichtigen Vorſchlag: Man ſolle zu den beiden vorhandenen Klaſſen noch die 3., 4. und 5. gründen und den Unterricht in dieſen 3 oberen Klaſſen den Franziskanern gegen Entgelt übertragen. Der Magiſtrat nahm am 19. September 1744 den Vorſchlag an und'erwirkte am 19. März 1745 die kurfürſtliche Genehmigung zur geplanten Erweiterung der Lateinſchule, nachdem für einen Schulfonds von 2440 Talern ver⸗ mögende Bürger gerichtlich Bürgſchaft geleiſtet hatten. Es waren vorher für dieſen Fonds freiwillige Beiträge in Stadt und Land geſammelt und hierbei, wie die im Rathauſe aufbewahrten beiden Spezifikationen beſagen, außer Barzahlungen auch Schuldforderungen zur Einziehung übertragen worden.
Das Kapitel ad St. Plorinum überließ bei dieſer Gelegenheit dem Magiſtrat den Verkauf des Kornzehnten
gegen Zahlung eines geringeren Preiſes an Lichtmeß und Pfingſten. Der Gewinn floß in den Schulfonds. 3 Eine kurfürſtliche Verfügung vom 3. November 1745 geſtattete nun den Franziskanern endgültig die Übernahme der 3 oberen Klaſſen, unter der Bedingung, daß die Schüler auch die Pfarrkirche und den Chor be⸗ ſuchten, und die beiden unteren Klaſſen von Nichtordensleuten unterrichtet würden. In der Stadt war„die getrewe Bürgerſchaft“ hoch erfreut„über dieſe höchſte Gnade, worauß als einem Brunnenquell in alle und jede weßen ſtands und profession ſie nur ſeyn möge, viel gutes reichlich zufließen werde“...
Der Magiſtrat ſprach die Erwartung aus, daß der Franziskaner⸗Konvent gute Lehrkräfte ſtellen würde und gelobte für 2 Lehrer jährlich 100 Taler zu zahlen. Doch vorläufig ſchien es am nötigen Gelde zu fehlen; denn der Magiſtrat bat in einem Schreiben vom 14. Juni 1746 um Herabſetzung der Gehälter für die nächſten 3 Jahre. Das am 26. Juni 1746 zu Limburg verſammelte Definitorium Ord. frm. min. S. Francisci Recollectorum Prov. Thuring. S. Elisab. war damit einverſtanden und verpflichtete ſich urkundlich„die doction der drey Schulen zu Montabaur nemblich syntaxeos, Poetices und Rhetorices durch 2 tüchtige magistros künftighin mit dieſer Be⸗ dingung zu beſorgen, daß die ſtipulierten hundert Reichsthaler festo Sti Martini episcopi dem dortigen Convent entrichtet werden als merces laboris. Jedoch pro
anno 1746 mit 40 R pro uno maxgistro, „ 1747„ 50„pro uno pariter magistro, „ 1748„ 80„ pro duobus magistris, nachher„ 100„„„„..—
Am 27. Oktober 1746 verſuchte Amtsverwalter Bauer der unteren Klaſſe mehr Schüler zuzuführen. Es traten aus der etwa 100 Köpfe zählenden Trivialſchule in dieſem Jahre nur 4 in die Infima ein. Er empfahl Teilung,„ſo daß unter abodariis, rudimentisten und grammaticis und in fernerer höherer Lehr bei größeren


