Aufsatz 
Einführung des Direktors
Entstehung
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Meine hochgeehrten Herren Kollegen! ch bringe Ihnen volles Ver- trauen entgegen und hoffe, als Ihr Mitarbeiter nicht unwillkommen zu sein. Ich habe den Willen zu thun, was zu einem freudigen und erfolgreichen Zusammenarbeiten unter uns dienen kann. Wollen auch Sie in diesem Glauben mich allewege Ihres Beistandes gewiss sein lassen! Unser Beruf stellt heutzutage an jeden von uns erhöhte An- forderungen, sowohl infolge der Schwierigkeiten, welche von aussen in die Schule getragen werden, als auch infolge derer, welche in dem Schulunterricht liegen. Der Unterrichtsgegenstände sind viele und verschiedene, und doch soll die Vielheit und Ver- schiedenheit im Geiste des Lernenden eine Einheit werden. Dazu ist Einmütigkeit nötig. Zahl und Ziel der Lehrfächer, die Lehraufgabe jeder Klasse, z. t. auch die Methode, sind durch die Neuen Lehrpläne festgelegt und uns vorgeschrieben. Der Staat erwartet, dass wir diese Pläne durch einen gewissenhaften Unterricht ausführen. Er erwartet aber noch mehr: dass wir denselben erziehlich wirksam machen, eine Forderung, welche eine Anstalt besonders beherzigen muss, die ihre Zöglinge nur bis zur Schwelle des 17. Lebensjahres, während des Hauptabschnittes ihrer Entwicklung, behält. Nun weisen wir die Ansicht von uns, das die Schule eine Erziehungsanstalt sei; sie ist eine Unterrichtsanstalt. Aber ihre Unterrichtsstoffe fördern die Bildung nicht blos des Geistes, sondern auch des Gemüts und des Willens. Und auf diese erziehliche Seite des Unterrichts haben wir hier einen Hauptnachdruck zu legen, ihn in dem Sinne zu erteilen und das aus dem Lehrstoffe herauszuheben, was neben der Pflege der Schulzucht, mit Familie, Kirche und Staat, dazu beitragen kann, dass der Knabe und Jüngling dereinst eine sittliche Persönlichkeit werde. Diesem Ideal eines Unterrichts möglichst nahe zu kommen erfordert vereinte Kraftt und gegenseitiges Einverständnis. Meine Herren Kollegen! Sie alle sind ja erprobte Arbeiter im Dienste dieses Ideals und haben Ihre ganze Lehrzeit, einige schon ein und zwei Jahrzehnte, der Friedrich-Wilhelms-Schule gewidmet und kennen die besonderen, hier vorhandenen fördernden und hemmenden Einflüsse. Leihen Sie dem Fremdling in dieser Stadt Ihre besondere Erfahrung hier und lassen Sie uns dann unsere Schuldigkeit thun. Der Lehrer ist mit dem Landmann zu vergleichen, der jedes Jahr den Boden aufs neue zu bearbeiten hat und jahraus jahrein seine Saat ausstreut. Sie kennen das Gleichnis. Da fällt wohl öfters etliches unter die Dornen, etliches auf die Steine; und die Saat wächst langsam, so dass man zuweilen am Erfolge der Arbeit verzweifelt. Aber um so grösser ist dann die Freude dessen, der da gesäet hat, wenn er wahrnimmt, wie die Saat in den Seelen seiner Zöglinge, dank seinem nicht ermüdenden Eifer und seiner nicht erkaltenden Liebe, aufgeht und fröhlich gedeiht. Möchte uns allen diese reine Freude in reichem Masse beschieden sein!

Die Ernte aber, welche aus der ausgestreuten Saat emporgewachsen und gerreitt ist, wird Euer sein, liebe Schüler. Und damit wende ich mich an Euch, meine zukünftigen Zöglinge. Ihr seid der Mittelpunkt dieser Schule. Für Euch und für die, welche nach Euch kommen, ist dieses stattliche Haus gebauet; Euer geistiges und leibliches Wohl haben alle Veranstaltungen, alle Arbeiten und Arbeiter hier zum Ziele. Dieses Ziel wird

aber nur gewonnen, wenn Ihr den Weg, den wir dahin führen, mitgeht in willigem 2