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Die Aufgaben der Schule werden in unseren Tagen sehr erschwert durch die Zeitverhältnisse, wie sie im öffentlichen Leben der Gesellschaft und im privaten der Familie in die Erscheinung treten. Der Kampf ums Dasein ist sorgenvoller und heftiger geworden; er ist zum teil ein Kampf um das Geniessen der irdischen Güter geworden; die Achtung vor dem Gesetz ist in einem weiten Kreise im Schwinden; Mangel an Ehr- furcht vor Alter und Erfahrung, vor dem Grossen und Heiligen hat Platz gegriffen; der Massstab für das, was gut und sittlich erlaubt, ist unfest geworden. Die Jugend ist nicht unberührt davon geblieben, und die Schule bedarf zur Lösung ihrer Aufgabe mehr denn je der Beihilfe des Hauses. Dieselbe ist gerade für die durch die Zeitverhältnisse erschwerte und gefährdete Gesittung der Zöglinge ganz unentbehrlich, und die Arbeit der Schule in diesem Bezug ist vielfach vergeblich, wo das Elternhaus, die Familie, sie nicht durch Lehre und Beispiel unterstützt. Aus der Geschichte der Friedrich-Wilhelms- Schule darf von vornherein geschlossen werden, dass hier ein solch glückliches Ein- vernehmen besteht. Denn die Anstalt ist aus den Bedürfnissen und Wünschen der Bürgerschaft hervorgewachsen, und zu fünf verschiedenen Malen ist um ihre Erhaltung und Gestaltung, Wandlung, Umwandlung und Rückwandlung mit Wort und Schrift gestritten worden. Sie ist so der Stadt ein Kind der Sorge gewesen, der Sorge und der Fürsorge und ist— ich spreche diese Hoffnung auch für die Zukunft aus— der Mutter ein allezeit liebes Kind. Die Anwesenheit von Bürgern dieser Stadt bestätigt mein Wort und giebt mir willkommenen Anlass, den Erschienenen für ihre Teilnahme zu danken, welche Sie damit dieser Anstalt bekunden.
Wie Schule und Elternhaus, so schulden sich auch Kirche und Schule gegen- seitige Unterstützung. Darum ist es ein gutes Zeichen, dass dieser Feier, welche die Schule ehrt, auch Vertreter der Kirche beiwohnen, und ich beehre mich, denselben im eignen und der Schule Namen ehrfurchtsvollen Dank auszusprechen; besonders Ihnen, hochwürdiger Herr Superintendent, für den bezeigten warmen Anteil und die Segensworte, die Sie dem neuen Leiter und der Anstalt gewidmet haben. Sie teilen sich, mit Schule und Familie, in die religiöse Unterweisung und Erziehung der Jugend und suchen sie mit uns zu wahren gegen die Irrungen der Zeit und ihr einen festen Stab und Halt auf der Fahrt im Zeitstrom zu geben durch Anbahnung einer in Gott wurzelnden Welt- anschauung. Wir wollen der Gemeinsamkeit dieser Arbeit bewusst bleiben und den freien wissenschaftlichen Geist, der in einer hôheren Lehranstalt walten soll, durchwärmen und erheben durch rechte Pflege eines frommen, religiösen Sinnes.
Dreiviertel Jahr hat die Friedrich-Wilhelms-Schule des Direktors, aber nicht des Leiters entbehrt. Mit allezeit bereitem Willen und grosser Gewissenhaftigkeit haben Sie, hoch- geehrter Herr Professor, die Anstalt bis hierher geleitet. Dafür gebührt Ihnen nicht nur die Anerkennung der Schule, sondern auch der persönliche Dank dessen, an den heute die Leitung übergeht. Sie haben das schwere Winterhalbjahr mit seinen vielfachen Verwaltungspflichten zu einem guten Ende getführt; Sie haben das neue Schuljahr mit unverdrossener Arbeitslust eingeleitet und das Ihnen anvertraute Gut, sorgsam gehegt und gemehrt, mir übergeben. Gestatten Sie mir, Ihnen dafür auch öffentlich aufrichtigen Dank zu zollen; ebenso danke ich Ihnen für die herzlichen Worte der Begrüssung.


