Aufsatz 
Einführung des Direktors
Entstehung
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Ehre habe, als Mitglied des Kuratoriums dieser Schule und als Vertreter der hiesigen evangelischen Geistlichen Sie bei Ihrem Amtsantritt zu begrüssen, so gestatten Sie mir gütigst, diese Begrüssung in einen herzlichen Wunsch für Ihre Wirksamkeit zu kleiden.

Wir alle wissen, dass wir seit einer längeren Reihe von Jahren infolge grosser geschichtlicher Ereignisse in eine kriegerische, um nicht zu sagen militärische Aera ein- getreten sind. Die Lage unseres Deutschen Reiches im Herzen von Europa gestattet uns keine Abrüstung; die missgünstigen Leidenschaften unserer Nachbaren in Ost und West zwingen uns, sozusagen zu jeder Zeit Gewehr bei Fuss zu stehen und uns zur Abwehr plotzlicher UÜberfälle bereit zu halten. Es ist daher auch notwendig, dass unsere männliche Jugend unter diesem patriotischen und kriegerischen Gesichtspunkt mit einer gewissen Strammheit erzogen wird, um im Notfall kräftig ihren Mann zu stellen. Allein Sie werden mir Recht geben, hochgeehrter Herr Direktor, wenn ich in dem Vorwiegen militärischer Strammheit bei Unterricht und Erziehung auch eine Gefahr für das Gedeihen unserer höheren Schulen erblicke. Nur zu leicht tritt das freundliche, wohlwollende und liebevolle Eingehen des Lehrers auf die Persönlichkeit des einzelnen Schülers, auf seinen Charakter, auf seine Begabung, auf seine Leistungen welches doch niemals zu ent- behren ist, wenn der Unterricht ein recht fruchtbarer ist hinter dieser äusseren Strenge zurück, und die glückliche Entfaltung der individuellen Anlagen wird in schädlicher Weise gehemmt.

Da ist es nun mein herzlicher Wunsch, dass es Ihnen gelingen môge, im Zu- sammenwirken mit Ihren Herren Kollegen an der Friedrich-Wilhelms-Schule diese Gefahr glücklich zu vermeiden und bei aller Strenge und Strammheit der Schulordnung die Liebe zu den Schülern in erster Linie zur Geltung und Wirksamkeit zu bringen. Gottes Güte und Gnade moôge Sie hierzu stärken und Ihnen eine gesegnete und für Sie recht erfreuliche Wirksamkeit in unserer Mitte schenken!

Daraut hielt Herr Professor Dr. Pontani im Namen des Lehrerkollegiums folgende Ansprache:Hochgeehrter Herr Direktor! Im Namen der Aunstalt, deren Haupt und Leiter Sie von nun an sein werden, im Autftrage des Lehrerkollegiums, an dessen Spitze Sie heute getreten sind, und in meinem eigenen Namen begrüsse ich Sie und heisse Sie herzlich willkommen.

Wir alle, Lehrer wie Schüler, sind uns der Wichtigkeit der heutigen Feier und der Weihe dieser Stunde wohl bewusst, wir alle empfinden diesen Ihren Ehrentag zugleich als einen Freudentag für die Anstalt; denn heute ist nach langer Zwischenzeit der ver- waisten Schule ein neuer Herr und Leiter, ist diesem Hause ein Vater gegeben, zu dem wir volles Zutrauen haben können und haben. Namentlich ich habe heute besonderen Grund mich zu freuen. Mehr als 23 Jahre wirke ich an dieser Anstalt, alle die mannig- fachen Veränderungen, Wandlungen und Wechsel seit 1871 habe ich miterlebt, Wechsel der Leiter, Wechsel der Lehrer, Wechsel der Ziele; Sôhnen meiner früheren Schüler bin ich wieder Lehrer geworden; da ist es natürlich, dass die Anstalt mir besonders ans Herz gewachsen ist, dass ihr Wohl und Wehe mich besonders tief berühren muss; da ist es aber auch natürlich, dass ich mich heute freue, da ich weiss, dass die mir so liebe Schule unter Ihrer Leitung wohl behütet ist. Denn nicht mehr sind Sie mir ein Fremder.