Aufsatz 
Aus Galileis Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme / von Emil Strauß
Entstehung
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Entfernung aller zufälligen und äußerlichen Hinderniſſe, mit der ihm einmal mitgeteilten Anfangsgeſchwin⸗ digkeit unabläſſig und gleichförmig ſich fortzubewegen.

Simpl. So muß es ſein, ſcheint mir.

Salv. Und vollzieht der Stein, der ſich auf der Spitze des Maſtes befindet, nicht gleichfalls, vom Schiffe getragen, eine Bewegung um den Mittelpunkt längs einer Kreisperipherie, alfo eine Bewegung, die in ihm abgeſehen von den äußeren Hinderniſſen unvertilgbar fortbeſteht? Und iſt dieſe Bewegung nicht ebenſo geſchwind wie die des Schiffes?

Simpl. So weit iſt alles in Ordnung. Was nun weiter?

Salv. Zieht daraus rechtzeitig ſelber den letzten Schluß, wo Ihr doch ſelber alle Prämiſſen gekannt habt.

Simpl. Ihr verſteht unter dem letzten Schluſſe, daß jener Stein, da ihm ſeine Bewegung un⸗ vertilgbar eingeprägt iſt, dieſe nicht aufgeben, ſondern dem Schiffe folgen und ſchließlich an demſelben Orte niederfallen wird wie beim ruhenden Schiffe. Auch ich meine, daß das geſchehen würde, wenn nicht äußere Hinderniſſe einträten, welche die Bewegung des Steines nach dem Loslaſſen ſtören. Solcher Hin⸗ derniſſe ſind aber zweie vorhanden: das eine beſteht darin, daß der Körper außer ſtande iſt, die Luft bloß durch ſeinen Impuls zu durchſchneiden, da auf ihn die bewegende Kraft der Ruder nicht mehr wirkt, wie ſie es that, während er als Teil des Schiffes auf dem Maſte ſich befand; das andere iſt die neu hinzutretende Bewegung des Abnärtsfallens, die notwendig der anderen fortſchreitenden ebenfalls hinderlich ſein muß.

Salv. Was das Hemmnis der Luft anlangt, ſo ſtelle ich es nicht in Abrede; und wäre der fallende Körper von leichtem Stoff, etwa eine Feder oder eine Wollflocke, ſo würde die Verzögerung recht groß ſein, bei einem ſchweren Steine hingegen iſt ſie außerordentlich gering. Ihr ſelbſt habt noch eben geſagt, daß die Kraft des ſtürmiſchſten Windes nicht genügt, um einen dicken Stein von der Stelle zu bringen; erwägt darnach, was die ruhende Luft gegen den Stein auszurichten vermag, wo dieſer ſich nicht geſchwinder als das Fahrzeug gegen ſie bewegt. Gleichwohl gebe ich Euch, wie geſagt, den kleinen Einfluß zu, welchen dieſes Hindernis übt. Ebenſo werdet Ihr mir zugeben, davon bin ich überzeugt, daß wenn die Luft ſich mit derſelben Schnelligkeit wie das Schiff und der Stein bewegte, der Einfluß dieſes Hinderniſſes völlig ſchwinden würde. Was das andere, die hinzutretende Abwärtsbewegung, betrifft, ſo iſt erſtlich klar, daß die beiden Bewegungen, nämlich die kreisförmige um den Mittelpunkt und die gerad⸗ linige nach dem Mittelpunkte nicht entgegengeſetzt ſind, noch ſich gegenſeitig aufheben, noch mit einander unverträglich ſind. Denn was den bewegten Körper anlangt, ſo hat er keinerlei Widerſtreben gegen beſagte Bewegung; Ihr ſelbſt habt ja geſagt, die Abneigung ſei gegen die vom Centrum ſich abwendende Bewegung gerichtet, Neigung hingegen zeige er für die zum Centrum hinführende Bewegung. Hieraus folgt mit Not⸗ wendigkeit, daß der Körper für diejenige Bewegung, die keine Annäherung und keine Entfernung vom Mittel⸗ punkte erzeugt, weder Abneigung noch Zuneigung hat, und demnach kein Grund zur Verminderung des ihm eingeprägten Impulſes vorliegt. Da nun nicht bloß eine bewegende Urſache vorhanden iſt, welche infolge der neuen Einwirkung ermatten müßte, ſondern zwei von einander verſchiedene, deren eine, die Schwere, ſich bloß damit beſchäftigt den Körper nach dem Centrum hinzuziehen, während, die andere, die eingeprägte Be⸗ wegung, ihn um den Mittelpunkt zu führen beſtrebt iſt, ſo bleibt kein Anlaß zu einer Hemmung übrig.

Simpl. Euere Beweisführung iſt wirklich dem Anſcheine nach recht plauſibel, in Wahrheit aber iſt doch ein Haken dabei, von dem ſie ſchwer zu befreien iſt. Ihr habt durchweg bei Euerem Schlußverfahren eine Vorausſetzung gemacht, die Euch von der peripatetiſchen Schule nicht leicht zugegeben werden wird,