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da ſie dem Ariſtoteles ſchnurſtracks widerſpricht. Ihr betrachtet es nämlich als notoriſch und offenbar, daß der geſchleuderte Körper, losgelaſſen vom Schleudernden, ſeine Bewegung fortſetzt vermöge der ihm von dem Schleudernden ſelber eingeprägten Kraft. Dieſe eingeprägte Kraft aber iſt in der peripatetiſchen Philoſophie etwas ebenſo Verpöntes wie die Üübertragung eines Zuſtandes von einem Subjekt auf ein anderes. Jene Schule hält vielmehr daran feſt, wie Euch bekannt ſein wird, daß der geſchleuderte Körper von dem Medium getragen wird, welches in unſerem Falle die Luft iſti.) Wenn daher der von der Maſtſpitze abgelaſſene Stein der Bewegung des Schiffes folgen ſollte, ſo müßte man dieſe Thatſache auf die Luft zurückführen, nicht auf eine ihm eingeprägte Kraft. Ihr nehmt aber an, die Luft folge nicht der Bewegung des Schiffes, ſondern ſei ruhig. Üüberdies ſoll die Perſon, die ihn fallen läßt, ihn nicht ſchleudern, noch ihm vermöge des Armes einen Antrieb mitteilen, ſondern einfach die Hand öffnen und ihn loslaſſen. So wird alſo der Stein weder infolge einer von der Hand des Werfenden mitgeteilten Kraft noch infolge einer Mitwirkung der Luft der Bewegung des Schiffes folgen können, er wird alſo zurückbleiben müſſen.
Salv. Ich glaube Euren Worten entnehmen zu müſſen, daß, wenn der Stein nicht von jemandes Arme geſchleudert wird, ſeine Bewegung unter keinen Umſtänden ein Wurf ſein könne?
Simpl. Man kann dann von einer eigentlichen Wurfbewegung nicht ſprechen.
Salv. Demnach hat das, was Ariſtoteles von der Bewegung des Körpers und von der bewegen⸗ den Urſache des Geworfenen ſagt, mit unſerem Gegenſtande nichts zu thun; und hat es nichts damit zu thun, warum führt Ihr es an?
Simpl. Ich führe es an, anläßlich jener eingeprägten Kraft, die Ihr erwähnt und benutzt habt. Da dieſe aber in der Welt nicht exiſtiert, ſo kann ſie nichts wirken, denn non entium nullae sunt operationes?.) Man muß daher nicht nur bei der Wurfbewegung, ſondern bei jeder anderen nicht natürlichen die bewegende Urſache in dem Medium ſuchen. Darauf iſt nicht die gebührende Rückſicht ge⸗ nommen, und daher iſt das bisher vorgebrachte nicht beweiskräftig.
Salv. Gut denn, es ſei! Sagt mir jedoch: da Euer Einwand ſich durchaus auf das Nicht⸗ vorhandenſein einer eingeprägten Kraft gründet, werdet Ihr dann, wenn ich den Beweis erbringe, daß nach dem Loslaſſen des geworfenen Körpers das Medium nichts mit der Fortſetzung der Bewegung zu thun hat, das Vorhandenſein einer eingeprägten Kraft anerkennen, oder werdet Ihr mit anderen Mitteln einen Feldzug zu ihrer Vernichtung unternehmen?
Simpl. Nach Beſeitigung der Wirkung des Mediums ſehe ich nichts, wozu man ſeiue Zuflucht nehmen könnte, außer zu der vom Werfenden eingeprägten Kraft.
Salv. Um ſoviel wie möglich ein endloſes Hin⸗ und Widerreden abzuſchneiden, wird es gut ſein, wenn Ihr möglichſt deutlich auseinanderſetzen wolltet, in welcher Weiſe das Medium die fortgeſetzte Be⸗ wegung des geworfenen Körpers bewirkt.
) über die ariſtoteliſche Begründung des Beharrens der Bewegung vgl. Zeller, Philoſophie der Griechen. 3. Aufl. 2. Teil, 2. Abt. pg. 356. Zeller überſieht indeſſen, daß Ariſtoteles das Fortbeſtehen der Bewegung nur in dem Falle auf die Berührung oder auf die Wirkſamkeit eines Mediums zurückführt, wo es ſich um„gewaltſame“ Bewegungen handelt; die„natürlichen“ Bewegungen der Elemente hingegen gehen bei ihm aus immanenten Trieben hervor, Bewegtes und Bewegendes ſind in dieſem Falle gewiſſermaßen identiſch. Eine Hauptſtelle, an der Ariſtoteles ſeine Anſichten über dieſen Punkt am klarſten darlegt, iſt von Zeller nicht berückſichtigt worden: De coelo III, 2, 11.— Die Widerlegung dieſer ariſtoteliſchen Le hre gehört zu den glänzendſten Partieen des Dialogs; es iſt aber nicht zu vergeſſen, daß Galilei hier einen bedeutenden Vorgänger hatte, Giambattiſta Benedetti(1530— 1590).
²)„Was nicht iſt, übt keine Wirkung aus.“ Vgl. Arist. Metaph. II, 4, 4.


