Aufsatz 
Über die Ganerbschaften des deutschen Mittelalters
Entstehung
Einzelbild herunterladen

gewohnheitsrechtlich, sei es durch Vertrag oder letztwillige Verfügung.Das Sammtgut der Gan- erbschaft kann daher auch nicht an Fremde veräussert werden.*16) Mir scheint diese Unterscheidung gezwungen zu sein, und zwischen dinglichem Sammtverhältniss und Ganerbschaft eine rechtliche Verschiedenheit durchaus nicht zu existiren. Denn

1) lassen sich, wie schon oben durch ein Beispiel erläutert ist. die Begriffe Gemeiner und Ganerbe, die Wippermann ebenfalls scheidet, nach den Urkunden entweder gar nicht oder nur so

begrenzen, dass letzteres Wort den Gemeiner bezeichnet, der durch Verwandtschaft ein Näherrecht

vor den übrigen Genossen besitzt. Sehr deutlich spricht das auch der Burgfrieden des Hauses (d. i. der Burg) zu Leyen(bei Waldalgesheim unweit Bingen) vom Jahre 1394¹⁷) aus:Kommt ein Gemeiner seinen naher specialisirten Verpflichtungen nicht nach, so verliert er seinen Theil an der Burg, der sal dan gevallen syn an syn Ganerbin Gemeyner zu Leyen, und die sullen auch dann richten und dun, was der gedain solde hain, bynnen dem Mande, der da nah nehst kommiet, und wo syn Erben des nit endeden, so sal dan das verlorene Dail myt allem Rechte und Zugehorde gentzelich gevallen syn an uns die unse andere Gemeyner, und sollen wir dan gemeyn- lich richten und dun, was er gedain sulde hain ain allen Vertzoch. In anderen Urkunden finden wir bei gleichen Bestimmungen zwischen dennächsten Ganerben desselben Stammes und den übrigen Ganerben unterschieden. ¹s)

2) Was das Verbot der Tottheilung(Substanztheilung) angeht, so steht es auch damit wesentlich anders, als Wippermann annimimt. Ich will nicht leugnen, dass in vielen Fällen gemäss der Burgfriedens-Urkunden Tottheilung wirklich verboten war. dies erheischte der Vortheil der Genossen, doch ich leugne, dass dies zum Wesen der Ganerbschaft gehört. Die Urkunden mögen entscheiden. Im Jahre 1372 verkauft Arnold Herr zu Püttingen an den Erzbischof Guno von Trier sein Drittheil an der Burg und Herrschaft Covern, die, wie die Urkunde vom Jahre 131 0 ⁴⁹) be- sagt, eine Ganerbschaft war, und es heisst in dem YVerkaufsinstrument: ,Geschee iz aber, daz unser Teil Gehuses uff der Nyderburg zu Covern, daz wir bizher besunder gehabt han, und daz unser alleyne waz, hernamails von Weder, Fure etc. viele, oder vergenglich wurde, daz etc. 2⁰0) Durch einen Vertrag vom Jahre 1331 theilten Kraft von Hatzfeld und seine Neffen ihre gleichnamige Stammburg in Hessen in zwei gleiche Theile, wovon Kraft den Theil, der nach Nieder-Hatzfeld zu

¹6) a. a. O. S. 23.

¹1) Günther l. c. III, 2. no 633 p. 898.

¹8) Vgl. z. B. den Burgfrieden des Schlosses Löwenstein in Hessen bei Kopp, Nachrichten von der hessischen Gerichtsverfassung I, Beilagen zum 3. Stück Nr. 108, S. 205 213. Uebrigens beruht, wie ich glaube der Unterschied zwischen beiden Worten lediglich auf localem Gebrauche; denn, während sämmtliche Urkunden, Hessens und Frankens, die mir bekannt geworden sind, nur das WortGanerbe kennen, überwiegt in den Diplomen der Rheinlande, namentlich des Rheingaues und der Mosel-Gegenden das WortGemeiner, und beschränkt sich der Gebrauch des ersteren auf das oben wiederholt angegebene Näherverhältniss. Die Burgfrieden der Ganerben- häuser der heutigen Rheinpfalz bilden den Uebergang und enthalten beide Bezeichnungen. Lehmann, Geschichte der Burgen und Bergschlösser der bairischen Pfalz I S. 124(von der Burg Drachenfels) und sonst.

¹⁰) Günther l. c. III, 1 no 45 p. 135 s.: noch ensal an deheyne vremde Hant brengen, of it sien Ganerve an deme selven Hus wilt geldin umbe redelichen Penning, so sulen wir unsen Ganerven bas gunnen etc.

²⁰) a. a. O. III, 2 no 535 p. 760.