Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht
Entstehung
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14 ſchauung ſeiner Berge, Flüſſe und Felder, ſeiner Straßen und Bauwerke, ſeiner Sitten und Sprache Hand in Hand geht. Beim Unterricht muß dieſe geſchichtliche Heimathkunde ſich vereinigen mit der geographiſchen Heimathkunde. Die Particulargeſchichte iſt ein Mittel der Selbſtkenntniß der Provinz, der particularen Be⸗ dürfniſſe, ſie iſt eine nährende Quelle des Ehrgefühls und der Sympathien für Alles was uns als Heſſen angeht. An dieſe Geſchichte ſchließt ſich in höherer Klaſſe wie die Mutter an das Kind die Geſchichte unſeres deutſchen Volkes. Hier erwarten uns höhere Pflichten und weitere Geſichts⸗ punkte. Wir treten hier dem Auslande gegenüber, in Beziehung auf welches wir ſtets bereit ſein müſſen, jeden Augenblick und für jeden Theil unſeres Vaterlandes das Schwert zu ziehen und unſer Leben einzuſetzen. Hier gilt es dem Schüler die guten Eigenſchaften des deutſchen Volkes und ſeine Fehler zu zeigen; den Knaben zu erwärmen zur begeiſterten Liebe für ſein Vaterland, und ihn zu warnen vor jenen Zuſtänden, Eigenſchaften und Neigungen, die ſo lange das Unglück von Deutſchland veranlaßt haben, vor jenem ſeparatiſtiſchen Egoismus und jener Uneinigkeit, die die Gränzen dem äußeren Feinde öffneten, vor der Ungerechtigkeit jenes religiöſen und politiſchen Uſurpationsgeiſtes, der einerſeits unter den trügeriſchen Titeln der alleinigen Stellvertretung Gottes und andererſeits des Nachfolgers der ehemaligen römiſchen Kaiſer, ſich zur Oberherrſchaft über Andere berechtigt glaubt. Obwohl im Beginne Freunde, haben dieſe beiden kirchlichen und politiſchen Uſurpatoren ſpäter ſich häufig in den Haaren gelegen, und ſowohl durch ihre Kämpfe, als durch ihre gegenſeitigen Unter⸗ ſtützungen das Volk geſchädigt. Dieſe Zeiten ſind vorüber, und das suum cuique ſcheint jetzt bei ihnen in äußeren Verhältniſſen eine allgemeine Anerkennuug zu finden. Auch wird im Innern des Staates ſelbſt jetzt mehr anerkannt, daß Religion und Confeſſion nicht im Gegenſatze ſtehen zu dem Begriffe des Staates, und daß Staat durchaus nicht Irreligioſität, ſondern Schutz der Religioſität heißt. Man erkennt an, daß der Staat den ganzen Menſchen als phyſiſches ſentimentales und geiſtiges Weſen zu vertreten habe und der Uebermacht einzelner Intereſſen wehren müſſe. Die Geſchichte unſeres Volkes zeigt uns die mannigfachen Kämpfe in dieſer Bezichung, und auch hier ſei unſer Wahl⸗ ſpruch:Jedem das Seine! Bei der Geſchichte des deutſchen Volkes ſahen wir ſchon in iſolirten Ruinen, ſowie in Straßen und Städten, Dokumenten und Literatur unſeres Volkes die Fußtapfen des altrömiſchen Reiches, deſſen Geſchichte wir in der weiter oberen Schulabtheilung beginnen. Hier ſinden wir ebenfalls vielfache Beiſpiele männlicher Ehrenhaftigkeit, Tapferkeit und Vaterlandsliebe aber auch deren Ausartung in Selbſtüberhebung und Herrſchſucht, die zuletzt in Eroberung und Raub fremder Güter ſich ergehend das Volk berauſchte, moraliſch corrumpirte, und es zuletzt inneren Tyrannen und äußeren Feinden preisgab. In der römiſchen Geſchichte iſt die griechiſche Geſchichte berührt worden. Jo ihr ſteigen wir nun mit der weiteren höheren Klaſſe empor. Die Studien der lateiniſchen und griechiſchen Sprache in den höheren Klaſſen begleiten uns bei dieſen Geſchichtsſtudien. In Griechenland finden wir das edelſte feinſte geiſtige Leben, aber leider auch wieder jenen inneren Hader, der das Volk zum Sturze ſeiner Selbſtſtändigkeit führt. An die griechiſche Geſchichte ſchließt ſich die Geſchichte Aſiens der Wiege der Arier, und Afrika's des Nachbarwelttheils, wofür uns die Materialien nur knapp zugemeſſen und welche als Sagengeſchichte ſchon größtentheils dem Schüler bekannt iſt. Als Schluß oder Zwiſchenglieder des Geſchichtsſtudiums einer VIklaſſigen Schule dienen Parallelgeſchichte anderer Völker oder Specialgeſchichten. Geſchichten aus dem Kreiſe nationaler und anderer Sagen gehören in die vorbereitende Stufe des Unterrichts, dort ſind ſie auch von dem kind⸗ lichen Gemüthe am liebſten entgegen genommen und bereiten den meiſten Genuß. Dieſes iſt das Material der Geſchichte und die Ordnung in der es, nach der Anſicht des Schreibers dieſer Zeilen,