Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht
Entstehung
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gelehrt werden ſollte, und dies iſt die Antwort auf die oben aufgeſtellte erſte Frage, was in der Geſchichte auswählend man lehren ſoll. Wir wenden uns jetzt zur zweiten Frage: Wie ſoll die Ge⸗ ſchichte vorgetragen werden? Bezüglich dieſer Frage finden wir es nothwendig, vorerſt auf eine andere Frage, nämlich die: was lehrt uns die Geſchichte ſelbſt einzugehen? Hier zeigt ſich nun, daß dieſelbe im Weſentlichen uns Mittheilungen über Perſonen und Ereigniſſe, welche in religiöſer, politi⸗ ſcher und ſocialer Rückſicht auf die Menſchen und ihre Schickſale bedeutungsvollen Bezug haben, gibt. In Betreff des BegriffesPerſonen bemerken wir, daß als ſolche nicht nur die Individuen, ſondern auch die Corporationen, Gemeinden, Staaten, Völker und Racen zu verſtehen ſind, denn die Corporationen ſind ebenfalls Individuen aber collektiver Natur, ebenſo ſind es die Gemeinden, die Staaten, die Völker, die Racen. Außer dieſen beiden Theilen erzählt die Geſchichte allerdings auch von Oertlich⸗ keiten und naturhiſtoriſchen Ereigniſſen, aber dieſe dienen mehr zur Erläuterung und Orientirung bei der Behandlung der Ereigniſſe und Perſonen, von welchen wir reden. Sie erſcheinen als Hülfsmittel der Geſchichte, während die Perſonen und ihre Handlungen die Zielpunkte der Geſchichte ſind. Aber wie werden wir nun endlich die Geſchichte der Perſonen und Ereigniſſe geben? Werden wir ſie in chronologiſcher Folge miſchen oder werden wir ſie trennen? Im Falle einer getrennten Behandlungs⸗ weiſe aber, werden wir zuerſt die Geſchichte der Ereigniſſe und ſodann erſt die der Charaktere und Perſönlichkeiten, oder zuerſt die Letzteren geben, um erſt nach ihr die Geſchichte der Ereigniſſe folgen zu laſſen? Dieſe Fragen ſind nicht leicht zu löſen. Die gewöhnlichen Darſtellungen der Geſchichts⸗ ſchreiber befolgen ein gemiſchtes Syſtem. Den Faden der Zeit, d. h. eine chronologiſche Ordnung inne haltend, ſpringen ſie von Fakten zu Perſonen und von Perſonen zu Fakten, dergeſtalt unter gleichen oder ſich naheſtehenden Daten, Perſonen und verſchiedene Ereigniſſen verbindend, die oft keinen anderen Zuſammenhang haben, als daß ſie bei demſelben Volke zu gleicher Zeit ſich ereignen. Z. B. verſchiedene Kriege, oder ſonſtige Ereigniſſe der äußeren Politik zuſammenfallend mit Ereig⸗ niſſen des inneren Staatslebens und bemerkenswerthen Perſonen. Aber mir ſcheint ein ſolch chrono⸗ logiſch geordnetes und faktiſch gemiſchtes Syſtem für den mit der Geſchichte noch unbekannten Schüler gleich einer Unzahl begonnener und abgebrochener Pfade, welche ſich durchſchneiden und verwicklen. Der Reiſende ermüdet und verliert ſich auf ihnen. Es fehlt ihnen die klare Richtung und das Endziel. Das Studium der Geſchichte in dieſer Weiſe iſt von der größten Schwierigkeit für den Schüler und dieſe Miſchung ein Grund, warum Geſchichtswerke oft ſo ermüdende Leſebücher für Er⸗ wachſene ſind. Darum ſcheint mir eine klare Richtung und ein von vornherein angedeutetes Endziel wohl als die erſten Erforderniſſe für das Geſchichtsſtudium. Darum trenne ich den Abſchnitt der Ereigniſſe von dem der Betrachtung der Perſönlichkeiten.

Bei der Frage, welcher Abſchnitt der Erſte ſein ſoll, bemerken wir leicht, daß die Perſönlichkeiten die Gründe für die Ereigniſſe enthalten, aber auf der andern Seite ſehen wir, daß die Ereigniſſe uns die Perſönlichkeiten kennen lehren, und daß die Handlungen und Thaten uns erſt das ſpannende Intereſſe für eine nähere Betrachtung der Perſönlichkeiten geben. Dieſem letzten Grunde den Vorzug gebend, möchte die nachträgliche Betrachtung und Darſtellung von Perſönlichkeiten vorzuziehen und noch umſomehr gerechtfertigt ſein, als ſie biographiſche und charakteriſtiſche Scizzen enthält, an welche allgemeine kritiſche Schlußbetrachtungen ſich leicht anſchließen.

Alſo nach einleitender Anknüpfung des Gegenſtandes folge die Behandlung der Ereigniſſe.

Aber die Ereigniſſe ſelbſt ſind nicht derſelben Kathegorie angehörig, und es ſcheiden ſich beſonders a) die Ereigniſſe der äußeren Staatspolitik und b) des inneren Staatslebens von einander. Aller⸗ dings Beide wirken auf einander, aber es ſind die Rechtsverhältniſſe, worauf die äußere Staatspolitik