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beruht, andere als die Geſetze und Zuſtände, worauf das innere Staatsleben ſich entfaltet. In Wahrheit bringt jede Grenzveränderung neue Nachbarn und mit dieſen neue Streitfragen und neue Kriege, ſo daß, ſo zu ſagen, jeder Friedensakt ſchon wieder Keime eines andern Krieges in ſich ſchließt. Parallel damit bildet jeder Fortſchritt oder Rückſchritt im Innern ſeiner Seits ebenfalls eine Stufe zu noch weiterem Fortſchritte oder Rückſchritte. Somit müſſen auch dieſe beiden Theile äußere und innere Geſchichte getrennt gelehrt werden. Dieſe Methode der getrennten Behandlung erleichtert die Ueberſicht über jeden Theil der Entwicklung, die Erkenntniß von Urſache und Wirkung in ihm und erlaubt eine klare Behandlung.— Somit folgt auf die vielleicht geographiſche oder ethnographiſche Einleitung die Behandlung der äußeren Staatsgeſchichte, ſodann die des inneren Staatslebens und hierauf zuletzt der biographiſch betrachtende Schluß.
Alles dies iſt jedoch nicht ſo zu verſtehen, als ob ein jeder dieſer Theile der Geſchichte eines ganzen Volkes an einem Faden von Anfang bis zu Ende ohne weitere Abſchnitte auszuführen wäre. Nein, die Charaktere ſind in den verſchiedenen Abſchnitten der Geſchichte eines Volkes zu verſchieden, um auf einmal oder in ununterbrochener Folge von Anfang bis zu Ende gelehrt zu werden. Jede Geſchichte eines Volkes theilt ſich daher in verſchiedene Phaſen der Entwicklung, ſowohl in aufſteigender, als abſteigender Scale. Nehmen wir zum Beiſpiel die abgeſchloſſene und in ihrer Entwickelung vielleicht uns am meiſten geläufige Geſchichte Rom's, ſo haben wir erſtens verſchiedene Perioden:
1) die der Könige, 2) die der ariſtokratiſchen Republik, 3) die der demokratiſchen Republik, 4) die der Kaiſer, hervorgegangen aus geregelter Wahl, und 5) die der Kaiſer und Gegen⸗ kaiſer, welche durch den unter ſich zerfallenen Militärdespotismus auf den Thron erhoben ſind.
In jedem dieſer Abſchnitte iſt das Volk oder das daſſelbe vertretende Element ein anderes, und ſind die Perſönlichkeiten der Individuen und Corporationen, mit welchen die Ereigniſſe der äußeren und inneren Geſchichte parallel gehen, anders geſtaltete.— Wie dies Verhältniß bei der römiſchen Geſchichte ſich zeigt, ebenſo iſt es bei allen andern Völkern, wenn auch deren Geſchichte nicht ſo abgeſchloſſen ſein ſollte, weil dieſe noch exiſtiren und wirken.— Dieſe Behandlung der Geſchichte in kleineren Parzellen und jede Parzelle getheilt in äußere, innere und biographiſche Geſchichte, erleichtert das Verſtändniß und geſtattet weiter den Vortheil, von dem Schüler zuſammenhängende Beantwortung und Darſtellungen ſtatt abgebrochener Worte und Sätze verlangen zu können, und ihn an ein ent⸗ wicklendes Denken und Sprechen zu gewöhnen.— Darum und aus dieſen die Geſchichtslehre haupt⸗ ſächlich erleichternden Gründen glaube ich auch, daß dieſe Zertheilung des Stoffes als förderlich zu betrachten iſt, und ihm folgend reſumiren ſich daher der Geſchichtsunterricht und die dabei zu befolgende Grundſätze dahin: auf
A. einen ſubjektiven Vortrag nach der zukünftigen Lebens⸗Beſtimmung des zu unterrichtenden Schülers; B. eine aufſteigende Darſtellung von dem Nächſten zu dem Entfernteren, bei welchem C. die Geſchichte zerfällt, in: a. die äußern Staatsereigniſſe; b. die innere Staatsentwicklung, und endlich e. die biographiſche Darſtellung und Betrachtung der individuellen und corporativen Perſönlichkeiten und ihres moraliſchen Werthes.
P. Steiner.
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