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vermochten den Dichter weder nach der einen, noch nach der andern Seite hinzuziehen. Der Deismus blieb, wie auch ſchon früher die Philoſophie der Zeit, ohne Wirkung auf ihnz er vermochte in ſeiner Vertretung durch Baſedow nur die Luſt zum Widerſpruch und zu dialectiſcher Uebung in ihm zu erwecken; von Lavater, deſſen religiöſen Anſichten Göthe näher ſtand, und deſſen perſönliche Erſchei⸗ nung ihn außerordentlich feſſelte, fühlte er ſich anfangs bedeutend angezogen; doch verhielt er ſich bald gegen die Heftigkeit, mit welcher ihn dieſer für ſeine ſtrengpietiſtiſche Richtung zu gewinnen ttrachtete, abwehrend; das Eifern desſelben machte ihn ſogar ſtarr und verſtockt. Wahrſcheinlich ſchon vor Lavaters Anweſenheit in Frankfurt ſchrieb Göthe an deſſen Freund und Glaubensgenoſſen Dofenninger:„Lieber, Du redeſt mit mir, als einem Ungläubigen, der begreifen will, der bewieſen diſssen will, der nicht erfahren hat. Und von all'dem iſt gerade das Gegentheil in meinem Herzen. der r hmwirſt viel Erläuterung finden in dem Manuſcript, das ich Euch bald ſchicke. Bin ich nicht reſignirter im Begreifen und Beweiſen, als Ihr? Hab' ich nicht eben das erfahren, als Ihr? Ich bin vielleicht ein Thor, daß ich Euch nicht den Gefallen thue, mich mit Euren Worten aus⸗ „Ezudrücken, und daß ich nicht einmal durch eine reine Experimental⸗Pſychologie meines Innerſten Euch 4 darlege, daß ich ein Menſch bin, und daher nichts anderes ſentiren kann, als andere Menſchen, daß üdas Alles, was unter uns Widerſpruch ſcheint, nur Wortſtreit iſt, der daraus entſteht, weil ich die (Sachen unter andern Combinationen ſentire, und drum ihre Relativität ausdrückend, ſie anders lbenennen muß; welches aller Controverſien Quelle ewig war und bleiben wird. Und daß Du mich Namer mit Zeugniſſen packen willſt! Wozu die? Brauch ich Zeugniß, daß ich bin? Zeugniß, daß 2. 1 ahl⸗ Nur ſo ſchätz, lieb, bet' ich die Zeugniſſe an, die mir darlegen, wie Tauſende oder . 2 ter vor mir ebenfalls gefühlt haben, das mich kräftigt oder ſtärkt.“ G 27 Wie übrigens Göthe zwiſchen den religiöſen Anſichten der Fräulein von Kletnberg 1 uud Lavater Differenzen gewahrte, ſo ſah er ſich ſelbſt allmählich von der Gemeinſchaft der derrnhuter losgelöst. Er bekennt zwar, daß die Männer, welche er auf der damals abge⸗ roaltenen Synode zu Marienborn kennen gelernt, ſein ganzes Vertrauen gewonnen hätten, und daß Idz nur auf ſie angekommen wäre, ihn zu dem Ihrigen zu machen; allein in ſeiner Anſicht von Sündhaftigkeit der Menſchen, nach welcher er die erblichen Mängel gerne zugeben, aber doch der hee inwendig noch einen gewiſſen Kern zugeſtanden wiſſen wollte, der, durch göttliche Gnade be⸗ „ebt, zu einem hohen Baum geiſtiger Glückſeligkeit emporwachſen könne, fand er ſich im Gegenſatz 1u ihrer ſtrengen Anſicht von der totalen Verderbtheit der menſchlichen Natur. Die Kluft, die ihn Don dieſer Lehre trennte, ward ihm deutlich, und er bildete ſich, da ihm ſeine Neigung zu den hei⸗ igen Schriften, ſowie zu dem Stifter und den früheren Bekennern nicht geraubt werden konnte, beine eigne Anſicht vom Chriſtenthum. Seit ſeinem Aufenthalt in Wetzlar aber war er mehr noch Als früher von dem geheimnißvollen Schaffen und Wirken in der Natur angezogen worden,„nach alen Seiten hin, ſagt er, war ich an die Natur gewieſen, ſie war mir in ihrer Herrlichkeit er⸗ Vajienen. Dazu aber erweckte ſeine dichteriſche Thätigkeit, die ſein ganzes Weſen in ſeinen Tiefen


