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aufregte, auch einen raſtloſen Eifer, ſich nach allen Seiten hin moraliſch auszubilden, und hier treffen wir auf ſein allmähliches Bekanntwerden mit Spinoza, deſſen Ethik er ein angeſtrengtes Studium widmete. Noch ſagt er von dieſem Studium der damaligen Zeit:„Was ich mir aus dem Werke herausgeleſen, was ich in dasſelbe mag hineingeleſen haben, davon wüßte ich keine Rechenſchaft zu geben.“ Ihn feſſelte die grenzenloſe Uneigennützigkeit des Denkers, die aus jedem Satze hervorleuchtete; er fand in dem Studium ſeiner Schriften Beruhigung ſeiner eigenen Leidenſchaftz die ausgleichende Ruhe des Philoſophen gewann ihn gerade deshalb, weil ſie mit ſeinem alles aufregen⸗ den Streben contraſtirte. In dieſer Richtung ſeiner Studien begriffen, mit dieſem geiſtigen Inhalte erfüllt, 1 begegnete Göthe auf ſeiner Rheinreiſe dem gleich ſtrebſamen Fr. H. Jacobi, der aber in die Phi⸗⸗ loſophie des Spinoza ſchon tiefer eingedrungen war. Wie überaus anregend und fördernd die pflogenen Unterhaltungen für beide Männer waren, wie ſie ganz neue Lebensanſichten ahnungsvol er öffneten, welche dieſe mit ſchwärmeriſcher Begeiſterung ergriffen, erzählt uns Göthe in Wahrheit. Dichtung, und von der Stimmung, die ihn noch nach der Rückkehr nach Frankfurt erfüllte, gibt uns ein Brief an Jacobi Kunde, in welchem es heißt:„Glaub' mir, wir könnten von nun amf, ſtumm gegen einander ſein, uns dann nach Zeiten wieder treffen, und uns wär's, als wären wir Hand in Hand gegangen. Einig werden wir ſein über das, was wir nicht durchgeredet haben. Ich ſchwebe im Rauſchtaumel, nicht im Wogenſturm, doch iſt's nicht eins, welcher uns an den Stein ſchmettert? Wohl denen, die Thränen haben.“
So haben wir Göthes ſittlich⸗religiöſe Entwickelung bis zu dieſem Zeitpunkte verfolgt, dem eine neue Weltanſchauung ſich bei ihm geltend zu machen beginnt, welche ſich in ſeiner poetit Thätigkeit als der nun hervortretende Titanismus ankündigt. Wir ſahen in allen Stadien diher. Entwickelung den jedem geiſtigen Intereſſe geöffneten Dichtergeiſt den regſten Antheil auch an re religiöſen Beſtrebungen ſeiner Zeit nehmen, ſofern ſie ſelbſt voll innern Lebens, auch ſein gee ſtiges Leben in Bewegung zu ſetzen die Kraft beſaßen. Daher war ſchon frühe die inhaltloſen Form der alten Orthodoxie todt für ihn, aber er ward von den religiöſen und kirchlichen Bewegun⸗ gen des Jahrhunderts lebhaft ergriffen. Ein Grundzug ſeines Strebens aber war der Ernſt, mi welchem er auch auf dem Gebiete der Religion zur Klarheit durchzudringen ſuchte; es war ihmt nicht genug, einen ſein Gemüth befriedigenden Inhalt ſich anzueignen, er ſtellte auch die Forderunge an ſich, denſelben ſelbſtändig in ſich zu vermitteln. Wie er die Religion mit der Phantaſie und dem⸗ Gemüthe erfaßte, ſo ſuchte er auch den Inhalt derſelben mit der Vernunft in Einklang zu bringen Dieſes Bedürfniß ſeiner Natur jedoch, ſich jedem geiſtigen Stoffe, und beſonders jedem religiöſen Inhalt gegenüber auch contemplativ zu verhalten, vermochte die Zeitphiloſophie und der aus ihr her⸗ vorgehende Deismus nicht zu befriedigen; ſein Zug ging tiefer und führte ihn zu einem der größten Denker, in deſſen philoſophiſcher Conſequenz und ſittlicher Strenge er ſein Genüge fand. Je ern⸗ ſter aber und ſelbſtändiger Göthe in ſeinen Forſchungen war, um ſo williger erkannte er auch das geiſtige Streben Anderer an, wenn auch das Reſultat deſſelben mit dem ſeinigen nicht übereinſtimmte;—


