Aufsatz 
Über die sittlich-religiöse Entwicklung Goethes bis zum Jahre 1774
Entstehung
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das erſte, was Sie finden, ſind hundert Leute wie ich. Er war doch alſo nicht allein! denken Sie, und gehen weiter und finden hundert beſſere als ich. An die Fräulein von Klettenberg ſchreibt Göthe in demſelben Monate:Uebrigens iſt mein Körper juſt ſo geſund, um eine mäßige und nöthige Arbeit zu tragen, und um mich bei Gelegenheit zu erinnern, daß ich weder an Leib noch an Seele ein Rieſe bin. Wir begegnen alſo hier einer ähnlichen Erſchütterung des Selbſtver⸗ trauens, wie ſie der Dichter in Leipzig erfuhr, aber es fehlte andererſeits nicht die gewaltigſte An⸗ regung zum Vorwärtsſtreben; Herderſchüttelte ihn auch auf, kräftiger, als er ihn gebeugt hatte. So wenig die Nähe der franzöſiſchen Bildung es vermochte, auf Göthes dichteriſche Beſtre⸗ bungen, welche nun vom nationalen Elemente durchdrungen waren, nach Form und Inhalt Einfl auszuüben, eben ſo wenig wirkte dieſelbe beſtimmend auf ſeine religiöſe Entwickelung;z im Ge araz theil veranlaßte auch hier die nähere Bekanntſchaft mit den franzöſiſchen Schriftſtellern, wen gen⸗ 9 die mit Nouſſeau ausnehmen, ein ſtrengeres Beharren auf dem eingeſchlagenen Wege philoſophiſcher Ausbildung, und erweckte das Bedürfniß tieferen Eindringens in die Probleme der Speculation. Dieſes lebendige Bedürfniß und das ihm entſprechende Studium führte aber in Göthe keineswegs zu einem Bruche mit ſeinen religiöſen Anſichten; es blieben dieſe vielmehr in ihrer Grundlage beſtehen, und jenes Studium der philoſophiſchen und theoſophiſchen Werke wurde von dem bewußten Streben begleitet, den im Gefühl lebenden religiöſen Inhalt mit der Vernunft zu vermitteln.. Zwar ſagte ihm der Umgang mit den ſtrengen Pietiſten, an welche er von Fräulein Klettenberg empfohlen war, nicht zu. Er ſchreibt an dieſe:Ich bin heute mit der chriſtlichen 58 meinde hingegangen, mich an des Herrn Leiden und Tod zu erinnern, und Sie können rathen, 11 rum ich mich dieſen Nachmittag unterhalten, und einen ſo ſaumſeligen Brief endlich im Ei er. ſchreiben will. Mein Umgang mit den frommen Leuten hier iſt nicht gar ſtark, ich habe mich ee Anfang ſehr ſtark an ſie gewendet, aber es iſt, als wenn es nicht ſein ſollte. Sie ſind ſo No Herzen langweilig, wenn ſie anfangen, daß es meine Lebhaftigkeit nicht aushalten konnte. Laute Leute von mäßigem Verſtande, die mit der erſten Religionsempfindung auch den erſten vernünftige 3 Gedanken dachten, und nun meinen, das wäre alles, weil ſie ſonſt von nichts wiſſen; dabei dt hälliſch(von halliſcher Denkart) und meinem Grafen(Zinzendorf) ſo feind, und ſo kirchlich und pü⸗ lich, daß ich Ihnen eben nichts weiter zu ſagen brauche. Es kommt noch was dazu. Die Ydet 4 liebe für unſre eignen Empfindungen und Meinungen, die Eitelkeit, eines jeden Naſe dahin deee zu wollen, wohin unſere gewachſen iſt; Fehler, denen ſolche Leute, die eine gute Sache haben, m der größten Sicherheit nachhängen. In demſelben Briefe ſchreibt er von einer Verbindung mi einem andern Manne, wahrſcheinlich mit Salzmann:Eine andere Bekanntſchaft, gerade das Wide ſpiel von dieſer, hat mir bisher nicht wenig genutzt. Ich ſoll durch alle Klaſſen gehen, ſo ſcheints, gnädige Fräulein. Herr ar, ein Ideal für Mosheimen oder Jeruſalemen, ein Mann, der durck viel Erfahrung mit viel Verſtand gegangen iſt, der bei der Kälte des Bluts, womit er von jeher die Welt betrachtet hat, gefunden zu haben glaubt, daß wir auf dieſe Welt geſetzt ſind, beſonders um ihr nützlich zu ſeinz daß wir uns dazu fähig machen können, wozu denn auch die Religion et⸗