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tiv wirkender zu bezeichnen, ſo muß die Epoche, welche derſelbe in Straßburg verlebt, für ſeine
Ausbildung eine reine poſitive genannt werden. Die Elaſticität und ſtrebende Kraft der Jünglings⸗
jahre, die ſich hier gerade, nach wiedererlangter Geſundheit, zu allſeitiger Energie entfaltete, und b ſelbſtändig ſich die Objecte anzueignen und in ſich zu verarbeiten bemüht war, wurde durch viel⸗ feaache Einflüſſe von außen her ganz beſonders gefördert. Zwar finden wir auch in Straßburg ein Aufgeben und Verlaſſen eingeſchlagener Richtungen, wie die von Oeſer aufgenommene Theorie der Kunſt durch das Princip des Charakteriſtiſchen, welches ſich in der Kunſtanſicht des Freundekreiſes geltend machte, verdrängt wurde, aber es war dieſer Umſchlag nicht ſowohl ein vollkommenes Brechen ¹ mit der vorhergehenden Richtung, als vielmehr ein tieferes Eingehen, ein lebendigeres Ergreifen dir jeder wahren Kunſt zu Grunde liegenden Natürlichkeit. Der friſchen Naturfülle der Jugend „ Inarach die Kraft des Charakteriſtiſchen, an der ſie ſich nährte und innerlich belebte, ſelbſt wenn
ſich auch ihr Geſchmack an den Auswüchſen derſelben befriedigen ſollte. Das Wohlgefallen ſteigerte ſich aber in Göthe zu wahrem Enthuſiasmus, wenn er großen und würdigen Objecten gegenüber ſtand; Per ſchwärmte für die deutſche Baukunſt, die ihm im Münſter in ihrer ganzen Herrlichkeit erſchien; die großartige Welt Shakespeares riß ihn mit ſich fort, aber ſie erweckte gleichzeitig den ſchlum⸗ mernden Genius zu freier Productivität, wie die ungeſchminkte Natürlichkeit des Volksliedes, für A welches Herder ihm Sinn und Verſtändniß öffnete, ihn ſo tief ergriff, daß ſie ſich den lyriſchen rearoducten jener Zeit ungezwungen mittheilte. Mit dieſem Intereſſe an Shakespeare und an der Verrkspoeſie ging auch der Geſchmack an der conventionellen franzöſiſchen Dichtung verloren, und wie Is der Grund zur Emancipation der deutſchen Poeſie von der franzöſiſchen gelegt wurde, ſo e. zunt, wie wir ſehen werden, auch auf andern Gebieten Göthe noch raſcher eine entſchiedene 5 2 Ktändigkeit der franzöſiſchen Cultur und Literatur gegenüber. An den Grenzen Frankreichs am durch den Gegenſatz des vaterländiſchen und fremden Elementes das deutſche Weſen in ihm f voller Klarheit zum Bewußtſein; er fühlte ſich mit ſeinen Freunden in allen Beziehungen mit Freuden als einen Deutſchen; deutſch zu ſprechen, deutſch zu ſchreiben und deutſch zu ſein war ihr 2 ſungswort. Obgleich aber dieſem Bewußtſein der gerechte Stolz nicht fehlte, der aus der Ver⸗ ſeung eines würdigen und in ſich gerechtfertigten Princips entſpringt, und obgleich das rückhaltloſe l zehen in das nationale Element von dem ſchönſten Erfolge gekrönt war, da ſich die lyriſchen 8 ucte wie von ſelbſt einſtellten, und Entwürfe zu größeren Dichtungen eine friſche und kräftige ſeeſtaltung gewannen, ſo verführte dieſe lebenvolle Productionskraft den jungen Dichter ſeben ſo wenig zu einer nahe liegenden Ueberhebung, als ihn das ſorgloſe academiſche Leben, der muntere Kreis der Freunde, die anmuthigen Liebesverhältniſſe zum Nachlaſſen in den Forderungen vermochte, die er an ſich ſelber in allen Beziehungen ſtellte. Das große Ziel einer allſeitigen Aus⸗ bildung im Auge haltend, zu welchem der ideenreiche Herder ihm ungekannte Wege eröffnet hatte, fühlte er ſich mit ſich ſelber unzufrieden; ja, Herder hatte ihm, was er von ſich ſelbſt hoffen und wähnen konnte, dermaßen verkümmert, daß er an ſeinen eignen Fähigkeiten zu verzweifeln anfing. In ſolcher Stimmung ſchreibt er im Auguſt an den jüngeren Hetzler:„Sie gehen auf Academien;


