Aufsatz 
Über die sittlich-religiöse Entwicklung Goethes bis zum Jahre 1774
Entstehung
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Paracelſus, Baſilius Valentinus, Helmont, Starckey und der Aurea Catena Homeri folgte, in Wahrheit und Dichtung eine Krankheit, die ihm einoculirt worden ſei. Doch hatte auch ſie füur die Zukunft eine große Bedeutung für ihn; denn erſtens leitete die Beſchäftigung mit der Alchymie zu den chemiſchen Unterſuchungen hinüber, mit welchen er das ihn ſpäter ſo ſehr in Anſpruch neh⸗ mende Studium der Naturwiſſenſchaften eröffnete, und dann fand er in jener Form der Myſtik den Weg zur Philoſophie, ja es war dieſelbe ihm unmittelbare Veranlaſſung zum erſten Verſuche ſelb⸗ ſtändigen Philoſophirens. Er ſelbſt nennt in einem Briefe an Oeſer ſeine damalige geiſtige Be⸗ ſchäftigung geradezu Philoſophie. Als er daher bald darauf die Lectüre der Kirchen⸗ und Ketzer⸗ geſchichte von Arnold eifrig betrieb, und mit den verſchiedenen Glaubensrichtungen und religiöſen 9 Anſichten bekannt wurde, fühlte er ſich angeregt, auch ſich ſelber Rechenſchaft von ſeinen naseens anſichten zu geben und dieſelben zu begründen. düngen⸗ 9 Er eonſtruirte ſich daher, indem er dem in ihm erweckten Gefühlsleben gegenüber auch dem Sittzuo nach Contemplation und nach dem verſtandesmäßigen Begreifen zu genügen ſuchte, eine zuſammsg hängende Schöpfungs⸗ und Erlöſungstheorie, die freilich, weil er gerade aus dem Studium dert myſtiſch⸗cabbaliſtiſchen Schriften herauskam, die Grundfärbung einer dunkeln Theoſophie behielt. Es entſtand jenes Syſtem, das Göthe in Wahrheit und Dichtung in kurzem Ueberblick gegeben hat, und dem freilich Conſequenz und logiſcher Zuſammenhang abgeht, indem es Vorſtellungen ſperula⸗ 4 tiver Wahrheit in ſcheinbarer Geneſis aneinander reiht, und den Mangel der Dialektik durch d willkürlich waltende Phantaſie zu erſetzen ſucht: die Gottheit, in ſtetem Productionstriebe begri 4 erſchafft den ihr im Weſen gleichen Sohnz ſie beide erſcheinen ſich im gleichen Dritten. Das Erſchaffene war Lucifer, welcher ebenfalls mit Productionskraft ausgerüſtet, aber im 1 7 von der Gottheit verſchieden, die Elohim hervorbrachte. Den göttlichen Urſprung vergeſſend, co centrirte er ſich mit einem Theil der Elohim in ſich(Materie), der andere Theil aber, zur Gottho zurückkehrend, bewirkte die Expanſion(Licht und Schöpfung nach unſerm Sinne). Der Menſy ward, um die Verbindung mit Gott wiederherzuſtellen, zuletzt geſchaffen; auch in ihm wiederholt ſie Abfall und Rückkehr zur Gottheit. 4. In einer früheren Lebensepoche hatte die Berührung mit den Herrnhutern und Separatien im den Knaben angeregt, in eignem Cultus Gott zu verehren; damals war es die Naturſymbolik, die er in ſeinem Gottesdienſte verſiel; jetzt, als er in reiferem Alter noch einmal, und viel eint des 4 licher den Einfluß jener Glaubensrichtung erfuhr, leitete ihn abermals die Natur, deren Geheke⸗ niſſen er, in dunklem Drang ſich zu nahen ſtrebte, zu dem Verſuche, den im Gefühle erfaßten In halt ſeiner Religion ſich auch auf dem Gebiete der Contemplation gegenſtändlich zu machen. In dem er ſich jenes theoſophiſche Syſtem bildete, welches den poſitiven Gehalt des Chriſtenthums mit der Sperulation in Einklang zu bringen ſuchte, verfiel er nicht in den Indifferentismus, in welchen er in Leipzig vor den religiöſen Scrupeln gewiſſermaßen flüchtete, ſondern der Ernſt der verſtandes mäßigen Betrachtung wurde Stütze des im Gefühle aufgenommenen religiöſen Inhalts. War der Aufenthalt in Leipzig für Göthes geiſtige Entwickelung hauptſächlich als ein nega