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richtet, indem er ſah, wie viele vorzügliche Männer ihm unverdient ihre Neigung zugewendet hatten.
„Unverdient, ſagt Göthe, denn es war keiner darunter, dem ich nicht durch widerliche Launen be⸗ ſcchwerlich geweſen, keiner, den ich nicht durch krankhaften Widerſinn mehr als einmal verletzt, ja den ich nicht, im Gefühle meines eignen Unrechts, eine Zeitlang ſtörriſch gemieden hätte.“ Beſonders einflußreich für ihn wurde aber damals der Verkehr mit Langer, dem Nachfolger von Behriſch, welchen er erſt vor Kurzem kennen gelernt hatte; das wachſende gegenſeitige Vertrauen befeſtigte ſich zu wahrer Freundſchaft, denn dieſe wurde gegründet„auf das Tiefere, das ſich aufſchließt, wenn das Verhältniß ſich vollenden will, die religiöſe Geſinnung, die Angelegenheiten des Herzens, die auf das Unvergängliche Bezug haben, und welche ſowohl den Grund der Freundſchaft befeſtigen, d ihren Gipfel zieren.“ Als Göthe während ſeines arademiſchen Lebens in Leipzig ſich von der P— loswand, hing er immerhin noch feſter mit dem poſitiven Chriſtenthum und ſelbſt mit der —Kirche zuſammen, als er vielleicht ſelbſt glaubte. Es waren einzelne Zweifel, deren beängſtigendem Andrang zu entgehen ihm genug warz er that nicht den weiteren Schritt, mit der Conſeguenz — philoſophiſcher Begründung ſich zu dem Gegenſatz, dem Deismus, zu bekennen. Zur Philoſophie hatte er überhaupt noch keine Beziehung, und der Leipziger Aufenthalt trug auch keineswegs dazu bei, eine ſolche herzuſtellen. Sein Sinn war auf das ihm geöffnete Gebiet der Kunſt gerichtet, in ihr fand er den Ausgangspunkt zu allen geiſtigen Intereſſen. Erkennt er doch in dem angeführten reriefe an Oeſer den„ſeltſamen“ Satz an, daß die Werkſtatt des großen Künſtlers den keimenden Peu⸗ loſophen, den keimenden Dichter mehr entwickele, als der Hörſaal des Weiſen und des Kritikers. m daher bei ihm die Kunſt das philoſophiſche Intereſſe gewiſſermaßen in ihrem Dienſt, zu⸗
konnte auf der anderen Seite das ungebundene Univerſitätsleben das religiöſe und kirchliche In⸗ kereſſe nicht von neuem, wenn auch zu andern Formen erwecken; er blieb in dem Indifferentismus uwiſchen den beiden Gegenſätzen hängen. Nun begegnete ihm, nachdem er einer ſchweren Krankheit kaum entgangen und zur Entſagung der geſelligen Freuden gezwungen war, in Langer ein Mann, Lär ihn durch freundſchaftliche Zuvorkommenheit und ſelbſt durch Aufopferung ſich verpflichtete, 6d in den häufig gepflogenen Unterhaltungen bei klarem Verſtande und bedeutender Gelehrſamkeit Ieen religiöſen Glauben offenbarte, der, gleich fern von empfindelnder Schwärmerei wie von kahler —e ſtandesdeduction, auf die göttliche Autorität der Bibel ſich ſtützte. Dieſer fertige, innerlich er⸗ füllte Glaube erfaßte Göthe um ſo mehr,„als ihm, dem Duldenden, das Evangelium willkommen war, und es von ſeiner Seite nur bedurfte, das für göttlich zu erklären, was er bisher als menſchlich geſchätzt hatte.“ Dieſes neu erweckte religiöſe Leben ſollte aber nach ſeiner Rückkehr nach Frankfurt zu größerer Entfaltung gelangen. 1.. hut Obgleich ſich Göthe während ſeines Aufenthalts zu Leipzig öfters von dort weggeſehnt hatte, ſo fiel ihm doch der Gegenſatz der Lebensweiſe in ſeiner Vaterſtadt zu den im Rücken gelaſſenen Verhältniſſen unangenehm auf. In ſeinem elterlichen Hauſe fand er die Stimmung weſentlich ver⸗ ändert; das Verhältniß der Eltern zu einander und des Vaters zur Tochter war gemeſſener geworden.


