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Vermittelung einflußreicher Perſonen konnte die Beſchimpfung von dem Patrizierſohne, dem Enkel des Bürgermeiſters abgewendet werden, als der Genoſſe einer leichtfertigen Geſellſchaft von zweifel⸗ haftem Rufe genannt zu werden. Eine heftige geiſtige Kriſis, die bei ſeiner leicht erregbaren Na⸗ tur ſogar eine bedeutende Krankheit nach ſich zog, ſtellte die durch unreine Berührung gefährdete Sittlichkeit wieder her. 2 29 Göthes Aufenthalt in Leipzig wird gewöhnlich als ein auf ſeine gewonnene geiſtige Bildung negativ wirkender bezeichnet, indem die äußerlich an denſelben gebrachte Cultur durch ihn ver⸗ nichtet wurde. Aber eben dadurch konnte die innerlich ſich vollendende Bildung um ſo ungehinderter ſich entfalten. Mit dem Poſitiven brach er nach allen Richtungen, aber dieſer Bruch war nicht etwa durch eine leichtfertige Gleichgültigkeit oder ſtolze Ueberhebung herbeigeführt, welche die geiſtigen Pßntereſſ en bei Seite warf und über ernſte Arbeit ſich hinausſetzte, ſondern ebenſo, wie ihm die Au⸗ rtäte an welche er ſich gehalten, von nun an wenig galten, genügte er ſich ſelber nicht mehr in 7 ſeinen Leiſtungen, und wie ernſt es ihm mit der Unzufriedenheit mit ſich ſelber war, beweiſt das un⸗ Pnachſichtige Autodafé, das er über ſeine dichteriſchen Productionen verhängte. Aber nicht überall waren ihm in der neuen Lebensſphäre die Umſtände für ſeine geiſtige Ausbildung ſo günſtig, wie auf dem Gebiete der Kunſt die Bekanntſchaft mit Oeſer, an welchen er noch von Frankfurt aus * ſchreibt:„Was bin ich Ihnen nicht ſchuldig, theuerſter Herr Profeſſor, daß Sie mir den Weg zum re Zahren und Schönen gezeigt haben, daß Sie mein Herz gegen den Neiz fühlbar gemacht haben. Vern bin Ihnen mehr ſchuldig, als daß ich Ihnen danken könnte. Den Geſchmack, den ich am Schö⸗ 33 habe, meine Kenntniſſe, meine Einſichten, habe ich die nicht alle durch Sie? Wie gewiß, wie 8 Htend wahr iſt mir der ſeltſame, faſt unbegreifliche Satz geworden, daß die Werkſtatt des großen Kunſtlers mehr den keimenden Philoſophen, den keimenden Dichter entwickelt, als der Hörſaal des Weltweiſen und des Kritikers. Wer unter allen meinen Lehrern hat mich jemals würdig geachtet, mich aufzumuntern, als Sie. Entweder ganz getadelt, oder ganz gelobt, und nichts kann Fähigkeiten ſo ſehr niederreißen. Aufmunterung nach dem Tadel iſt Sonne nach dem Regen, fruchtbares Gedeihen. Lie haben mich gelehrt, demüthig ohne Niedergeſchlagenheit und ſtolz ohne Präſumtion zu ſein.“ eZenn aber auch in Bezug auf ſeine dichteriſche Entwickelung Göthe in Leipzig den bedeutenden Fort⸗ machte, daß er in ſeinen poetiſchen Productionen ſich von nun an auf ſich ſelber ſtützte und Weg betrat, den er nie mehr verlaſſen hat, nämlich aus ſich heraus die dichteriſchen Gebilde 4 ee Grſcheinung zu bringen; wenn ihm für die Kenntniß der plaſtiſchen Kunſt neben Oeſers Freund⸗ ſchaft die Lectüre Leſſings und Winkelmanns, für das Intereſſe an der Muſik die Bekanntſchaft mit der Breitkopf'ſchen Familie und die berühmten Leipziger Concerte, für Einſicht in die Dramatik das vorrtreffliche Schauſpiel in Leipzig höchſt förderlich war, und ſich ihm auf dieſe Weiſe das geſammte Gebiet der Kunſt gewiſſermaßen aufſchloß, ſo läßt ſich ein gleich günſtiger Einfluß in Bezug auf die eigentlichen Wiſſenſchaften und die religiöſe Anregung nicht auffinden. Deun mögen wir auch das geringe Vorſchreiten in der Kenntniß der Jurisprudenz, trotz der in Frankfurt ſchon gemachten Anfänge in rie Wiſſenſchaft, auf Rechnung ſeiner Abneigung gegen dieſelbe ſetzen, ſo würde doch


