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Aber in der Familie ſelbſt theilt ſich das Weibliche in Beſonderheiten, in die Begriffe der Gattin, Mutter, Tochter und Schweſter. Während es ſich im Allgemeinen in dieſem ſeinem Kreiſe, im Familienleben, als die die Familieneinheit erhaltende und bewahrende Liebe erweiſt, die nach dem Aufgeben der Selbſtſucht im Leben mit und für Andere ihre Beruhigung findet, und bis zur Aufopferung der eigenen Indi⸗ vidualität fortſchreiten kann, und während ihm die Trauer um den Verluſt der Ausgeſchiedenen, ſei es durch freiwilliges Ablöſen, oder durch Anheimfallen an die elementariſchen Mächte, vorzüglich zukommt, ſo übt das Weib auch im Beſonderen als Gattin die Gattentreue, die dem im Kampf mit der äußeren Welt ermüdeten Gatten in der Familie eine ruhige Stätte bereitet, als Mutter leitet ſie die Erziehung der Kinder und ihre Entfaltung zur unbewußten Sittlichkeit, als Tochter aber zeigt ſie dieſe Pietät gegen die Eltern durch ſorgſame Pflege in ihrem Alter, und als Schweſter die uneigennützige Hingebung und Liebe zum Bruder,„in der das Weib,“ wie Hegel(Phänom. S. 330) ſagt,„die höchſte Ahnung ſittlichen Weſens erreicht hat.“ Denn indem in der Gattenliebe das Moment der natürlichen Begierde noch enthalten iſt, in der Kinderliebe die Eltern in ihren Kindern ihr eignes Selbſt anſchauen, und in der Liebe zu den Eltern die Kinder ihr Daſein und Beſtehen als von den Eltern gegeben erblicken, ſo iſt die Liebe der Schweſter zum Bruder ein begierdeloſes Ver⸗ hältniß der Sittlichkeit, da Beide, zwar in der natürlichen Einheit Eines Blutes, ſich ihr Beſtehen weder gegeben, noch von einander empfangen haben. Was die Handlungsweiſe des Weibes im Einzelnen betrifft, ſo liegen in dem Gegenſatz der ſelbſtbewußten Thatkraft des Mannes und der hingebenden Innigkeit des Weibes auch die Gegenſätze derſelben. Während der Mann erſchafft, erhält das Weib; der Mäßigung des Mannes ſteht Enthaltſamkeit des Weibes, der Gerechtigkeit die Nach⸗ ſicht, der Standhaftigkeit Geduld, dem Muth die Ergebung gegenüber, jedoch ſo, daß in conflictvollen Situationen dieſe Ergebung und Geduld durch die Innigkeit und Tiefe des Gefühls zur handelnden Thatkraft werden kann, die hervorgerufen, in dem Maaße als die weibliche Natur phyſiſch ſchwächer und im Allgemeinen geiſtig energieloſer iſt, einen unbeugſamen, auf die göttlichen Geſetze ſich ſtützenden, und aus ihnen Kraft und Selbſtvertrauen ſchöpfenden Willen offenbaren kann.
Sowie wir dem Begriffe nach das dem Familiengeiſte inwohnende göttliche Geſetz als Fundament des menſchlichen erkannt haben, ſo daß auf der Grundlage der Familie erſt der Staat ſich entwickeln kann, ſo iſt auch geſchichtlich die Familie die primär verwirklichte ſittliche Idee, auf die der Staat als die andere erbaut iſt. Und nicht ſogleich zeigt ſich im Staate das menſchliche Geſetz als das ganz obſective, abſtracte Staatsgeſetz, im Gegenſatz zu dem im Inneren lebendigen Geſetze der Liebe, ſondern der Gang der Geſchichte zeigt, wie die erſten Staaten ihrer Verwirklichung nach die Form der Familie mehr an ſich trugen, bis im allmählichen Fortſchritte ſich das feſte, ſelbſtbewußte Geſetz des Staates entwickelte. So ſind die Staaten des Orients noch meiſt in Form der Familie, und in der Ausartung dieſer Form,


