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Hoffnung begen, daß der König, deſſen alles Schöne und Große mit Liebe umfaſ⸗ ſendem Sinne wir die erneute Darſtellung der Antigone danken, uns in der nächſten Zukunft auch eine Darſtellung der Oreſtia gewähren werde.“ Daß aber die Schömann'ſche Ausgabe der Eumeniden nach ihrer ausgeſprochenen Tendenz ſo ſehr an Gründlichkeit verliere, als ſie ſich ein allgemeines Ziel geſteckt hat, wird gewiß Niemand behaupten wollen. Sowie in der antiken Poeſie ſelbſt eine ſolche allgemeine Auffaſſung und Beziehung auf die Gegenwart erſtrebt wird, ſo iſt auch eine Ver⸗ mittelung der Poetik der Alten und Neueren ausgeſprochen und durchgeführt in Hartungs Lehren der Alten über die Dichtkunſt, durch Zuſammenſtellung mit den beſten Neueren erklärt. Hamburg und Gotha 1845. S. IV.*).
Hat ſich auf dieſe Weiſe die Philologie in letzterer Zeit mehr und mehr auch
*) Zum Mittelpunct der Darſtellung iſt des Ariſtoteles Poetik gemacht, ſo daß die Ueber⸗ ſetzung derſelben den Text bildet, und das Uebrige in Form eines Commentars beigefügt iſt. Außer Ariſtoteles ſind Horaz, Longin und Plutarch unter den Alten, Leſſing, Göthe, Schiller und Humboldt und einige Andere unter den Neueren beſonders berückſichtigt. Abgeſehen von dem Verdienſte einer präciſen und gewandten Ueberſetzung, iſt das Buch durch die Zuſammenſtellung und geiſtreiche Verbindung der Urtheile ſo bedeutender Männer über alle die wichtigſten Puncte in Bezug auf Poeſie,„deren abſichts⸗ loſe Zuſammenſtimmung wie eine Art Phalanx einigen Eindruck machen werde“, ſehr verdienſtvoll. Wenn er jene Neueren als die Beſten auf dem Titel genannt habe, ſagt Hartung S. V, ſo wolle er damit Anderen, die er weniger kenne, nicht zu nahe treten. Und überdies ſei Beſchränkung darum nothwendig geweſen, damit übereinſtimmende Ur⸗ theile gewonnen würden, die ſo viel als möglich zu einem eigentlichen Ganzen ohne viele Polemik verwebt werden konnten. Gegen dieſen Grundſatz iſt an und für ſich durchaus nichts zu erinnern; indeſſen fragt es ſich, ob es nicht unſerer Zeit angemeſſen geweſen wäre, auch die Urtheile neuerer Philoſophen zu berückſichtigen, und vornehmlich Hegels, da die ſyſtematiſch geordneten Lehren eines Philoſophen die Grundlage des Buches bilden, und gerade Hegel in näherer Beziehung zu Ariſtoteles ſteht. Denn einerſeits gebührt ihm zu großem Theil das Verdienſt, der Ariſtoteliſchen Philoſophie Anerkennung und Geltung wieder verſchafft zu haben, andererſeits hat ſein Syſtem durch die dialectiſche Darſtellung und das Streben, Logik und Metaphyſik unter einer Einheit zu behandeln, große Aehn⸗ lichkeit mit jener.
Ueber dies Verhältniß der Hegelſchen und Ariſtoteliſchen Philoſophie hat neuerdings Heyder begonnen, eine genauere Ausführung und Entwicklung zu geben in ſeiner kriti⸗ ſchen Darſtellung und Vergleichung der Ariſtoteliſchen und Hegelſchen Dialektik. Erlangen 1845. Bd. I. Abthl. 1. und weiſt S. X. in Beziehung auf jenes gemeinſame Streben, Logik und Metaphyſik unter einem einheitlichen Geſichtspunkte zu betrachten, unter den Neueren vorzüglich auf Hegels Logik und Schleiermachers Dialektik, als die umfaſſendſten und eigenthümlichſten, unter ſich freilich völlig verſchiedenen Verſuche einer ſolchen Ineins⸗ bildung logiſchen und metaphyſiſchen Wiſſens hin. Welche die Reſultate des Werkes ſein werden, läßt ſich im Einzelnen noch, nicht beſtimmen, da der erſchienene Theil deſſelben erſt die Methodologie der Ariſtoteliſchen Philoſophie und der frühern griechiſchen Syſteme entwickelt; jedenfalls verfolgt es aber ſeiner Tendenz nach ganz die ſchon bezeichnete all⸗ gemeine Richtung unſerer den eine Vermittelung auch auf dem Gebiete der Philoſophie zu bewerkſtelligen.


