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der Aufnahme und Würdigung des Begriffs des Häßlichen in der Entwicklung der Kunſt beſteht, die von Lommatzſch herausgegebenen Schleiermacher'ſchen Vor⸗ leſungen über die Aeſthetik, Viſchers Schrift über das Erhabene und Komiſche herausheben wollen. Sowie in der Philoſophie, iſt auch auf hiſtoriſchem Wege durch Gervinus in ſeiner Geſchichte der poetiſchen National-Literatur der Deutſchen die Vermittelung und Beziehung des Griechenthums und anderer Zeiten mit früheren und jetzigen Zuſtänden der deutſchen Literatur hervorgetreten, und dieſer Zweig der Wiſſenſchaft auf die Stufe der Univerſalanſchauung erhoben worden.
Aber auch die Alterthumswiſſenſchaft ſelbſt iſt im Laufe der Zeit eine andere geworden; die Kenntniß des objectiven Realen hat eine gleiche Berechtigung in ihr erlangt, als das formelle Sprachſtudium, und in dem Maaße die Weltanſchauung durch den Fortſchritt der Wiſſenſchaft aus den Grenzen der Beſchränktheit zur Allge⸗ meinheit emporgeſtiegen iſt, hat auch die Philologie neben der Form den Geiſt des griechiſchen und römiſchen Alterthums in ſeinen verſchiedenen Seiten aufzufinden und zu offenbaren geſucht. Weit entfernt, dieſe Richtung, die einſeitig feſtgehalten freilich leicht zu anmaßender Ungründlichkeit führt, als eine Verflachung anzuſehen, die der Gründlichkeit und der damit verbundenen Anſtrengung ſich überheben will, wollen und müſſen wir ſie vielmehr als die zweite Seite der Philologie betrachten, die in Verbindung mit der erſten die wahrhaft gründliche Kenntniß des Alterthums als ihre Beſtimmung erſtrebt. Daß aber dieſe Richtung der Alterthumswiſſenſchaft ein Moment in ſich trägt, welches die antike Weltanſchauung der Gegenwart näher bringt, und das Intereſſe des gebildeten Theils der Nation mehr erregt, als das Formelle der Philologie, iſt leicht erſichtlich; denn der Geiſt ſpricht mehr an, als die Form, der concrete, lebendige Inhalt hat mehr Verwandtſchaft und Beziehung mit und zu unſerem Geiſte, als die ledigliche Abſtraction der Grammatik und der mit ihr verwandten Wiſſenſchaften. Daher kommt es, daß wiſſenſchaftliche Werke über das Alterthum, und beſonders Ausgaben der alten Schriftſteller ihrer Form, ſowie ihrem Inhalte nach ganz andere geworden ſind, und daß die Forderung an Philologen, das Alterthum mit der Gegenwart zu vermitteln, auch unmittelbar aus⸗ geſprochen wird, wie es Schömann gethan hat. Er ſagt in ſeinen Eumeniden des Aeſchylus(Greifswalde 1845) in der Vorrede:„Ich beabſichtige durch die jetzige Arbeit auch einer achtbaren Claſſe von Leſern, für die eine vollſtändige und exegetiſche Ausgabe von keinem Intereſſe ſein würde, die aber den Werken der antiken Kunſt eine ſinnvolle Theilnahme zuwenden, und zu ihrer reinen Auffaſſung und Würdigung nicht ſelten fähiger ſind, als die eigentlichen Alterthumsgelehrten, das Verſtändniß dieſer ſo großartigen und tiefſinnigen Schöpfung des erhabenſten aller alten Dichter zu vermitteln und zu erleichtern: und dieſe Abſicht liegt mir um ſo mehr am Herzen, jemehr ich eine lebendige und wirkſame Vermittelung zwiſchen der Gegenwart und dem Alterthum gerade in unſerer Zeit als eine Aufgabe für die Philologen anſehe, der ſich Keiner, der ihr gewachſen iſt, entziehen ſollte. Ueberdies dürfen wir die


