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der Schüler sich nach und nach seine Grammatik selbst schafft. Weiterhin soll er ein-
Nachschlagebuch in Fällen des Zweifels für später sein. Der grammatische Anhang,
der sich in den meisten Lesebüchern(in Dadelsen VI S. 236— 244) vorfindet, erreicht-
den Zweck nicht, da er mehr tabellarischen Charakter hat und sich zur Repetition nicht
eignet ¹1). Die Anforderungen, die an ein gutes Lehrbuch in der deutschen Sprachlehre-
gestellt werden müssen, erfüllt das auf S. 4 erwähnte Handbuch von Lyon, an dessen
Wortlaut sich jede Regel anzuschliessen hat. Es hat für die VI einen besonderen Teil,
der das Jahrespensum der Klasse enthält. Vielleicht kann die Behandlung der Inter- jektion noch wegfallen, dafür aber der Begriff der Präposition aus dem Pensum der V vorausgenommen werden, weil diese Wortart im mäündlichen wie schriftlichen Gebrauch der Sprache sehr häufig vorkommt. Bei der Auswahl und Reihenfolge des Stoffes ist der Gang vom Leichteren zum Schwereren einzuhalten. Die Satzlehre ist ihrer Wichtigkeit halber vorangestellt, sie ist nicht von der Wortlehre getrennt zu behandeln. Die Zer-
legung eines Satzes in seine verschiedenen Teile ist das beste Mittel für die logische-
Schulung der Sextaner; darum miissen diese UÜbungen das ganze Jahr über angestellt
werden ²). Ausser der Satzanalyse lernt der Sextaner an seiner Muttersprache auch die-
grammatischen Grundbegriffe kennen. Da diese im wesentlichen allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, haben sich überall die lateinischen Bezeichnungen eingebürgert.
Darum muss die ganze Terminologie in UÜbereinstimmung mit der lateinischen stehen,
wie es die preussischen Lehrpläne ausdrücklich verlangen. Um dem Schüler die Erlernung
der Termini zu erleichtern, fügt das Handbuch immer den deutschen Ausdruck bei, der
gleichzeitig zur Erklärung verwandt werden kann, z. B. Objekt(Ergänzung) ist das, was das Prädikat ergänzt. Es ist strenge darauf zu halten, dass später nur die Be- zeichnungen der lateinischen Terminologie gebraucht werden.
Wie oben angedeutet, ist das Lehrverfahren das induktiv-heuristische. Dabei-
bildet den Ausgangspunkt das Lesebuch, das Stücke enthält, die zur Erklärung
mancher grammatischer Erscheinungen sehr geeignet sind; Gedichte sind nicht dazu zu
verwenden. Wenn die Beispiele des Buches nicht zur Veranschaulichung genügen, ergänzt man sie aus der Sprache des alltäglichen Lebens; auch können die im Handbuch-
enthaltenen angegeben werden. Aus den vielen Beobachtungen, die der Schüler so
unter Anleitung des Lehrers macht, aus zahlreichen Urteilen, zu denen er durch Fragen veranlasst wird, gewinnt er einen Blick für die Gesetzmässigkeit der Sprache und kann
das Gesetz selbst in Gestalt einer Regel aussprechen ³).
Im einzelnen vollzieht sich die unterrichtliche Tätigkeit folgendermassen: Die-
Beispiele werden geordnet an die Tafel geschrieben, das Gemeinschaftliche aus jedem einzelnen herausgesucht und unterstrichen. Darauf hat sich die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse zu richten; die Schüler versuchen die Regel zu finden und, zu formulieren;
durch Fragen des Lehrers wird die Form gewonnen, die das Handbuch bietet. Sie-
wird sofort durch Chorsprechen befestigt und durch Lösen gestellter Aufgaben eingeübt. Erst dann heisst es: Lyon aufschlagen. Jeder sucht die genannte Stelle auf und unterstreicht sie, um sie bei der häuslichen Vorbereitung verwerten zu können.
1) Näheres s. Boock, S. 68. ²) Beispiele s. Lyon: Einiges aus dem grammatischen Unterricht in Sexta, Zeitschrift für den- deutschen Unterricht, I S. 56 folg. ³) Nach Vogel, S. 14.


