Aufsatz 
Ausgeführter Lehrplan für den deutschen Unterricht in der Sexta der Realschule
Entstehung
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Gleichgewicht zwischen Versaccent und Satzbau erreicht werden; es ist gut, an manchen Stellen den letztereu hervorzuheben. Auf den Fehler wird der Schüler nicht verfallen, dass er beim Sprechen der Verse der Prosa allzu nahe kommt. Das Höchste, was bei einer Deklamierübung geleistet werden kann, lässt sich mit Stimmungsmalerei bezeichnen. Es macht den Knaben Freude, wenn ihnen der Lehrer in seinem Vorsprechen zeigt, wie Freude, Trauer, Abscheu, Staunen u. s. w. sich in den Worten des Gedichtes ab- spiegelt; es macht ihnen ebenso Freude, diese Widerspiegelung durch ihr Nachsprechen selbst nachzuahmen¹¹).

Zur Erfüllung aller dieser Vorbedingungen für eine gute Deklamation gibt Boock(S. 51) einige technische Ratschläge, wie Unterstreichen der zu betonenden Wörter und Scheiden durch einen senkrechten Strich bei Pausen. Auch unterstütze der Lehrer die Einübung durch Gesichtsmimik und Handgesten. Die Schüler sind dazu anzuhalten, zu Hause laut zu lernen und sich dabei alles so einzuprägen, wie es der Lehrer vorgetragen hat. Bei den Deklamierübungen, die in der Stunde vorgenommen werden, tritt der Schüler vor die Klasse, verneigt sich und hat während des ganzen Vortrags auf richtige Körperhaltung zu achten.

Im allgemeinen kann man mit den Deklamiererfolgen in der VI zufrieden sein. Denn wie die Stimme neunjähriger Jungen noch bildsam ist, so nehmen sie auch die richtige Betonung auf naive Weise aus dem Munde des Lehrers an; nirgends erweist sich das Nachahmungstalent fruchtbarer als gerade hier ²).

IW. Die Grammatik.

Der neue hessische Lehrplan verlangt, dassvon VI ab an dem Lesestoffe unter passender Zuhilſenanme der Umgangssprache in induktiver Weise die Haupttatsachen der deutschen Sprachlehre entwickelt und durch entsprechende Ubungen bis zur völligen Sicherheit befestigt werden. Auch die preussischen Lehrpläne sprechen sich für die Beibehaltung der Grammatik aus,um dem Schaler eine objektive Norm für die Beurteilung eignen wie fremden Ausdrucks zu bieten und ihn später noch in Fällen des Zweifelus zu leiten. Zur Erreichung des Lehrziels genügt es nicht, wenn gram- matische Belehrungen nur gelegentlich bei der Lektüre erteilt werden; es bedarf dazu einer planmässigen Behandlung des genau fixierten Stoffes. Nach dem preussischen Lehrplan soll die Unterweisung nicht wie die einer fremden Sprache erfolgen, denn die Schüler stehen ihrer Muttersprache anders gegenüber wie dem Französischen z. B.; sie besitzen ein angebornes Sprachgefühl, das nur geweckt werden muss. Am leichtesten geschieht dies mittelst der induktiv-heuristischen Methode, nach der der Schüler an der Hand von Einzelbeispielen von selbst zur Erschliessung des Gesetzes geführt wird.

Die Frage, ob dem grammatischen Unterricht ein Buch zugrunde gelegt werden soll, ist schon viel umstritten worden. Der Lehrplan erlaubt einen passenden Leitfaden. Nach Boock³)verlangt die Einheitlichkeit des Unterrichts, die dem Walten der Eigenart des Lehrers keine Schranken setzt, einen sichtbaren Ausdruck; dies ist der Leitfaden, der die Regeln enthält, zu denen die Induktion führen soll. Er erspart zu- nächst das zeitraubende, schädliche Regeldiktieren, mit dessen Hilfe nach Hentschel(S. 46)

¹) Siehe Boock, S. 50. 2) Vergl. Palleske: Kunst des Vortrags, 1884, S. 34. ³) Seite 67.