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an. Denn mit Kenntnissen allein ist es nicht getan, der Unterricht soll auch zur Ver- edlung des Gefühls und Bildung des Willens beitragen. Als Stützpunkte des Neu- erworbenen dienen Anklänge an Verwandtes und Vergleichungen. Hierbei können leicht verständliche Sprichwörter ¹) von ähnlichem Sinne genannt werden. Schwer ist es, für die Sexta Gedichte, die denselben Grundgedanken enthalten, heranzuziehen; sie müssen schon sehr fasslich sein, da eine eingehende Erklärung zuviel Zeit in Anspruch nehmen würde. Von grösserem Werte ist es, früher besprochene Gedichte den Schülern wieder in das Gedächtnis zurückzurufen und zu verwerten. Zum Abschluss der Be- trachtung liest der Sextaner das Gedicht und zeigt damit, dass er den Stoff verstanden, bezw. nachempfunden hat. Das zusammenhängende Lesen des Ganzen mit Markierung der Gliederung und Unterstätzung, welche Rhythmus, Reim und sonstige poetische Mittel darbieten, ist die beste Vorübung für das Memorieren. Dazu gehört ferner das Be- antworten von Fragen, welche den Schüler in der Reihenbildung und in der Produktion dieser Reihen befestigen 2). Man gebrauche dabei möglichst oft die Worte des Gedichtes, damit sie sich der Erinnerung lebendiger einprägen.
Die Deklamation.
Die beste unterrichtliche Verwertung eines Gedichtes ist die zu einem wort- getreuen Vortrage, zur Deklamation. Wie oben angedeutet, fördert diese die Fertigkeit im mündlichen Gebrauche der Sprache in hohem Grade, und der Schüler erwirbt sowohl neue Begriffe und Gedanken, als auch eine schöne Ausdrucksweise.
Das richtige Deklamieren hat seine Grundlage in der Lesekunst. Das volle Verständnis, das dazu erforderlich ist, ermöglicht nicht allein einen guten Vortrag, sondern erleichtert auch gleichzeitig das Erlernen.„Was an Gedichten zu lernen ist, das muss natürlich mit doppelter Sorgfalt und Eindringlichkeit in der Schule behandelt und möxglichst schon so weit eingeprägt werden, dass die häusliche Arbeit des Schülers sich auf eine mehrmalige gründliche Wiederholung beschränkt“ 3). Durch die ver- schiedenen UÜbungen, wie sie am Ende des vorigen Kapitels zusammengestellt sind, soll ein judiziöses Memorieren veranlasst werden ¹).
Wenn auch die genaue Kenntnis der Worte die unerlässliche Vorbedingung für einen guten Vortrag ist, so fehlt doch damit noch vieles zum Gelingen der Deklamier- übung. Vor allem ist auf lautliche Korrektheit zu achten, dazu kommt als Hauptmittel die richtige Betonung. In dieser Beziehung wirkt das vorbildliche Beispiel des Lehrers, der die zu accentuierenden Versteile besonders hervorhebt und die Pausen recht merkbar macht; im Anfang mag er die Farben etwas stärker auftragen als notwendig5). Für Tonhöhe und Tonstärke, die beide auseinanderzuhalten sind, empfiehlt sich richtiges Masshalten im Wechsel. Das Tempo soll durchweg gehaltener sein als in der gewöhn- lichen Rede. Je nach dem Inhalt muss es auch absichtlich verlangsamt und beschleunigt werden; somit ist ein gedankenloses Ableiern von vornherein ausgeschlossen. Gegen den Rhythmus kommen leichter Verstösse vor. In dieser Beziehung soll ein gewisses
¹) Das Lesebuch enthält deren auf S. 234/35.
2²) Vergl. Schiller, 1894 S. 364.
³) Siehe Schrader, S. 484.
¹) Die Memorierarbeit in den unteren Klassen ist von Frick an dem Gedichte: Siegfrieds
Schwert von Uhland veranschaulicht worden; vergl. Lehrproben und Lehrgänge III, S. 69 folg. ⁵) Ich folge hierin Hentschel.


