Aufsatz 
Ausgeführter Lehrplan für den deutschen Unterricht in der Sexta der Realschule
Entstehung
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Anregung zum Kunstgenusse zu geben ¹). Eine ungeeignete Behandlung wird diesen Kunstgenuss nur vereiteln. Die Behandlung eines poetischen Lesestückes erfolgt im allgemeinen in derselben

Stufenfolge wie die einer Erzählung. Sie beginnt mit der Zielangabe Nennen der Uberschriſt und des Verfassers?²) und einer vorbereitenden Besprechung. Zur Er-

leichterung des Verständnisses gilt es hier, mehr wie bei einem Prosastück, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu schaffen. So können die unbekannten Ausdrücke an die Tafel geschrieben und kurz erklärt werden. Dabei hüte man sich, bei epischen Gedichten zu sehr auf den Inhalt einzugehen, was das Interesse des Schülers abschwächen würde. Bei lyrischen Gedichten ist nur notwendig, die Stimmung vor- zubereiten, aus der heraus des Dichters Werk entstanden ist.

So wird es möglich, dass der Schüler eine Totalauffassung des Gedichtes in sich aufnehmen kann. Dabei wird die grösste Wirkung erzielt, wenn der Lehrer frei vorträgt, vas bei dem für VI auserlesenen Kanon nicht allzuviel verlangt ist. Sein Vortrag sei den Schülern ein Muster des Ausdrucks und der richtigen Betonung; er dient vorbereitend der Deklamation ³). Das Nachlesen von seiten der Schúler, das bei Prosastücken zunächst folgt, fällt bei Gedichten besser weg, da es nur bei vollem Ver- ständnis gelingt. Die Erklärung geschieht nach den Abschnitten, wie sie beim Vortrage markiert wurden, also nach Strophen und Strophengruppen. Dabei sei nochmals darauf hingewiesen, dass man nur das klar lege, was zum Verständnis unbedingt notwendig ist. Bei Gedichten, die sich dazu eignen, folgt dann die Gewinnung von Uberschriſten für die einzelnen Abschnitte, ebenso werden die Eigenschaften der Hauptpersonen durch Fragen gewonnen, und der Schauplatz der Handlung wird näher beleuchtet.

In der nun beginnenden vertiefenden Besprechung, die ein Gesamtbild ergibt, wird das Nacheinander der Dichtung zu einem Nebeneinander des Gemäldes. Nach dem, wie sich die Personen zeigen, sind ihre Eigenschaften, nach dem, was sie tun, ihre Tätigkeiten zu einem Charakterbilde zu gestalten ¹). Durch geschickte Fragen leitet man ferner die Schüler darauf hin, den Gedankengang und die Gliederung der Dichtung herauszufinden; es wird der poetische Grundgedanke aufgesucht und dem Schüler recht zu Gemüte geführt. Bei lyrischen Gedichten hat dies in den Vordergrund der Betrachtung zu treten.

Nach der formellen Seite hat die Vertiefung zum Zweck, den poetischen Wort- schatz der Schüler zu erweitern. Was schon bei der Worterklärung als dichterischer Ausdruck erkannt wurde, wird nun zusammengestellt. Es kann an dieser Stelle, wenn auch nur andeutungsweise, auf einige sprachliche Kunstmittel des Dichters auf- merksam gemacht werden. Boock) schlägt vor, auch die Anfangsgründe der Metrik zu behandeln, weil man neben der Kunstsprache auch der Kunstform Beachtung schenken soll.

An die Auffindung des Grundgedankens, die den Abschluss der Vertiefung inbezug auf den Inhalt bildet, schliesst sich die Nutzanwendung für Herz und Leben

¹) Nach Boock. S. 30.

²) Es genügt, wenn der Sextaner den Namen des Dichters kennt. In die Vorbesprechung gehört es noch, früher behandelte Gedichte desselben Verfassers aufzthlen zu lassen.

³) Vergl. Hentschel, S. 56.

¹) Diese Ausführungen schliessen sich an Polack: Ein Führer durehs Lesebuch, 2. Aufl. 1890, I. S. 6, an.

) Er gibt S. 36 ein Beispiel für die Begriffserklärung von Vers in VI.