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Erzählen eines Schülers achten die übrigen genau auf Form und Inhalt; um ihn nicht durch fortwährendes Korrigieren zu unterbrechen, verbessern sie erst nach Beendigung der Erzählung, und zwar muss dabei nach bestimmten Gesichtspunkten verfahren werden. Das Richtiggestellte ist in dem Satzzusammienhang besonders hervorzuheben, eine- Wiederholung des Falschen dagegen zu vermeiden.
Die UÜbung im Nacher⸗zählen ist die notwendige Voraussetzung für die unterricht- liche Verwertung des Lesestoffs zum schriftlichen Nachbilden. Hinsichtlich der Er- schliessung einer grammatischen oder orthographischen Regel aus einem Prosastück siehe u. S. 11 bezw. 14 folg.
Übungen im mündlichen Ausdruck.
Die Behandlung des Lesestücks hat u. a. den Zweck,„Richtigkeit im mündlichen Gebrauche zu erzielen und die Fähigkeit auszubilden, seine Gedanken über irgend einen Gegenstand in klarer Weise mitzuteilen“ ¹). Schon immer sind Klagen über den Mangel an gewandter Ausdrucksweise in unsern Schulen erhoben worden; darum gilt es, gerade diesem Zweige besondere Pflege zu teil werden zu lassen.
Voraussetzung für die erforderliche Klarheit und Sicherheit im Gebrauche der: Sprache ist eine Grundlage von festen Kenntnissen. Diese allein genügen aber nicht; erst durch häufige Lese- und Sprechübungen wird Geläufigkeit im Ausdruck erzielt. Besonders das laute Lesen gibt der Rede eine grosse Vielförmigkeit und Gewandtheit; es kommt aber dabei nicht auf das viele Lesen an, sondern auf wiederholtes, intensiv genaues und verweilendes Lesen ²). Beim Sprechen haben sich die Antworten der Schüler, die von diesen selbst wie vom Lehrer scharf kontrolliert werden müssen, formell an die Frage anzulehnen und sind immer in ganzen Sätzen zu geben. Sie richtig an- einander zu reihen, ist schon von Anfang an zu üben.„Kurze Antworten soll der Schüler schnell geben; beim längeren zusammenhängenden Sprechen dagegen beobachte- er ein langsames Tempo, damit er Zeit gewinnt, den Stoff zu übersehen und auf den Ausdruck acht zu haben ³). Zu den UÜbungen im mündlichen Ausdruck gehört auch das Auswendiglernen von Gedichten, s. u. S. 10.
Die Ursache der Ungewandtheit liegt oft nicht an den Schülern allein, auch den Lehrer trifft zuweilen die Schuld. Da er durch sein Beispiel in erster Linie auf- die Verbesserung der Sprache seiner Schüler einwirkt, so sei seine Rede ihnen stets ein Muster. Er muss darum peinlich auf seine Ausdrucksweise achten, nicht nur im Unterricht, sondern auch im persönlichen Verkehr mit dem Schüler.
3. Besprechung von Gedichten.
Die poefische Lektüre hat vor der Prosa das voraus, dass sie nicht bloss auf den Verstand wirkt, sondern vor allem Gemüt und Phantasie beeinflusst. Deshalb darf man bei der Behandlung eines Gedichtes nicht zuviel erklären und zergliedern. Aller- dings ist es nicht leicht, hier das richtige Mass zu treffen, denn als erschwerend kommt- hinzu, dass der Dichter nicht in der nüchternen Alltagssprache spricht; er wirkt auf uns in der gehobenen, ergreifenden Dichtersprache, mit allen Mitteln der gebundenen. Rede. Jedes Gedicht ist ein Kunstwerk, wie es Eigenzweck poetischer Darstellung ist,
¹) Siehe Hentschel, S. 60/61.
2²) Vergl. Schiller I, 1900 S. 13. ³) Siehe Uhlemann, S. 11.


