Aufsatz 
Ausgeführter Lehrplan für den deutschen Unterricht in der Sexta der Realschule
Entstehung
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Nacherzählung, denn er hat noch nicht, wie Lehmann(S. 30) richtig bemerkt, gelernt, einen grösseren Zusammenhang ohne Anhaltspunkte zu übersehen und festzuhalten.

Die vertiefende Betrachtung stellt alles, was inbezug auf Inhalt und Form aus den einzelnen Teilen gewonnen wurde, systematisch zusammen. So tritt der Aufbau und die Gliederung des Ganzen deutlich hervor; die Personen, die in Haupt- und Nebenpersonen zerfallen, erscheinen in ihren Eigenschaften als Träger der Handlung, und der Schauplatz, auf dem sie auftreten, wird näher beleuchtet. Um dies der Klasse besonders anschaulich vorzuführen, belebt man den Glanzpunkt der Erzählung durch Vorzeigen eines Bildes¹), und die Schüler sprechen sich darüber aus, was ihnen an den einzelnen Personen oder Gegenständen auffällt. Es empfiehlt sich auch, einen Hauptteil herauszugreifen und ausführlicher zu behandeln. Als Hilfsmittel dienen dem Lehrer Bücher, in denen derselbe Stoff in andrer Art erzählt ist; für die Sagengeschichte kann man Stacke: Erzählungen aus der alten Geschichte in biographischer Form, 1897, zugrunde legen. Das Buch kann auch benutzt werden, um die Sagengeschichte zu ergänzen, wodurch der Forderung des Lehrplans hinsichtlich des vorbereitenden Geschichts- unterrichts genügt wird.

Die Vertiefung hinsichtlich der Form stellt zunächst das neu erworbene Sprach- gut zusammen; denn jedes im Unterricht behandelte Stück muss mit einem bestimmten Gewinn des Wortschatzes abschliessen 2). Sodann wird der Ausdruck näher ins Auge gefasst, besonders zum Zwecke sprachgeschichtlicher Betrachtungen. Den Stoff bieten Wörter und bildliche Redensarten, die auch in der Umgangssprache häufig vorkommen, die aber eben durch den Gebrauch im Lauſe der Zeit so abgeschliffen und farblos geworden sind, dass wir uns kaum noch ihrer Bildlichkeit bewussst sind; sie gewinnen durch eine geschickte Betrachtungsweise wieder Leben, Farbe und Gestalt ³). Reich- liches Material enthalten: Schrader: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache, 1889. Hildebrand: Vom deutschen Sprachunterricht, 1890 S. 89 folg.: Vom Bildergehalt der Sprache und seiner Verwertung in der Schule. Eine praktische UÜbung ist auch die Aufstellung einer Reihe von Synonymen und Wortern von gegensätzlicher Bedeutung; sie veranlassen den Schüler, dem Gedankeninhalt des einzelnen Wortes nachzuspüren, das Wort beim Worte zu nehmen). Nur hüte sich der Lehrer, hier des Guten zu viel zu tun, er muss eine massvolle Auswahl treffen.

Die letzte Stufe der Behandlung eines Sprachstückes ist die der Einübung und Anwendung. Hier soll der Schüler zeigen, dass er Herr des Stoffes geworden ist. Aus seinem Lesen kann der Lehrer erkennen, ob er volles Verständnis erlangt hat. Auch wird der Schüler in der Lage sein, nicht nur einen bestimmten Abschnitt in zusammen- hängender Darstellung wiederzugeben, sondern auch den ganzen Inhalt an der Hand der gesammelten Uberschriften, dann ohne dieselben nachzuerzählen. Im Anfang soll man gegen eine fast wortgetreue Wiedergabe des Lesestoffes nichts einwenden; der Schüler wird durch die Worterklärung von selbst dazu geführt, die im Buche vor- kommenden Ausdrücke zu variieren. Zum Abschluss verlangt man eine Erzählung mit Berücksichtigung alles dessen, was bei der Besprechung hinzugefügt wurde. Beim

¹) Vergl. die auf Seite 6 angegebenen Anschauungsmittel, sowie Seemanns Wandbilder. ) Vergl. Schiller I, 1900 S. 37.

³) Siehe Klee, S. 16.

4) Vergl. Rudolph, a. a. O., Einleitung XIV.