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Aufgabe des Lehrers ist es nun, das ganze Peusum, zunächst das der Prosa, auf das Schuljahr planmässig zu verteilen; etwa alle drei Wochen würde eine Gedicht- besprechung einzuschieben sein. Zu beachten bleibt dabei, dass die einzelnen Lesestücke bezw. Gedichte unter sich durch Form oder Inhalt mit einander in Beziehung zu bringen sind. Es empfiehlt sich, mit der Durchnahme der Märchen und Sagen zu beginnen, denn dies sind Stoffe, die die Sextaner verlangen, um ihre Phantasie zu beleben. Sie- zeigen ihnen eine Welt,„in welcher das Göttliche und Menschliche, das Wirkliche und Nichtwirkliche, das Tier- und Menschenleben noch in sehr naiver Vermischung vor- handen ist“ t). Während in Preussen die Behandlung von Lebensbildern aus der vater- ländischen Geschichte das Hauptpensum der VI bildet, die Erzählungen aus der sagenhaften Vorgeschichte der Griechen und Römer in die V fallen, ist die Verteilung des Stoffes bei uns umgekehrt. Dem vorbereitenden Geschichtsunterricht, wie ihn der Lehrplan ver- langt ²), dienen die oben genannten historischen Erzählungen. Hierbei wird nicht nur- die Kenntnis der Tatsachen und Namen erstrebt, sondern auch ein Hauptnachdruck auf die Form gelegt. Durch die Verarbeitung dieser Stücke, sowie derjenigen aus der Erd- und Naturkunde, die sich an den Unterricht der betreffenden Fächer anzuschliessen- haben, lernt der Schüler sich über verschiedene Gebiete sprachlich richtig ausdrücken. Das erweiterte Wissen weckt des Sextaners Interesse auch für Stücke, die nicht im Unterricht behandelt worden sind. Obschon auf dieser Stufe auf Privatlektüre nur- wenig Gewicht zu legen ist, so hat doch die Erfahrung gezeigt, dass die meisten unsrer Sextaner am Ende des Schuljahrs mit sämtlichen historischen Erzählungen und Geschichts- bildern ihres Buchs vertraut sind.
Wenn das Lesebuch auch bei jeder unterrichtlichen Tätigkeit zugrunde gelegt wird, so erweist es sich doch bei einem Unterrichtszweig als nicht vollständig ausreichend. Es werden die grammatischen Erscheinungen soweit als möglich induktiv aus dem Lesebuch gewonnen, aber für eine Reihe von Regeln bietet es nicht genügenden An- schauungsstoff. Daher ist zur Unterstützung der grammatischen Unterweisung ein Hilfsbuch notwendig geworden, und hierfür ist an unsrer Anstalt das„Handbuch der deutschen Sprache“ von Lyon, 7. Aufl. 1899, eingeführt. Es gibt für jede sprachliche Er- scheinung genügend Beispiele und hat zur Einübung der Regeln noch besondere Ubungs- aufgaben, die vom Schüler mündlich oder schriſtlich gelöst werden. Ausserdem enthält es je einen besonderen Teil aus der Orthographie und Interpunktion, worin die aus diesen Gebieten für die VI vorgesehenen UÜbungen verzeichnet sind. Als Nachschlage- buch der Rechtschreibung haben die meisten Schüler das kleine Wörterbuch von Duden. (1902) in Händen.
IlI. Lese- und Sprechübungen.
1. Das Lesen.
Die in die VI eintretenden Schüler bringen„die Fertigkeit des mechanischen Lesens“ mit. Der Nachdruck muss nun auf mechanische Geläufigkeit gelegt werden, und dazu gehört möglichst viel UÜbung. Wenn auch nicht in jeder Stunde gelesen werden kann, so muss doch oft der grösste Teil mancher Stunde zu Leseübungen verwandt
¹) Siehe Otto, S. 10.
2²)„In VI fällt der vorbereitende Geschichtsunterricht mit dem deutschen Unterricht zusammen, und zwar ist das Wichtigste aus der griechischen und einiges aus der deutschen Sage zu behandeln.“


