Aufsatz 
Beurteilung der Politik, welche die Athener während des thebanisch-spartanischen Krieges befolgt haben / von Arthur Seibt
Entstehung
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Wenn auch Epaminondas seinen Freund Pelopidas aus der Haft in Thessalien befreit hatte, so hatten doch die Thebaner damit noch nicht ihren alten Einfluss auf Thessalien zurückerhalten. Alexander war Herr fast über ganz Thessalien geblieben und unterhielt aufs wärmste seine Verbindung mit Athen. Wir haben ferner gesehen, dass Perdiccas von Macedonien, welcher doch auch in Abhängigkeit von Thessalien gewesen war, Timotheus bei seiner Erwerbung in Chalcidice hilfreiche Hand leistete. Doch kam Thessalien von neuem unter vollständigen Einfluss von Theben, indem alle Stämme sich zur Heeresfolge verpflichteten. Diese Errungenschaft war freilich mit dem Heldenleben des Pelopidas erkauft. Alexander wurde aus einem Freunde ein sehr lästiger Feind der Athener, indem er ihnen durch seine Kapereien grossen Schaden zufügte. Gleichzeitig war aber Epaminondas, welcher in Folge der Abänderung der persischen Verordnung zu Gaunsten der Athener auf den Bau von Kriegsschiffen gedrungen hatte, mit einer Flotte in den Hellespont gefahren. Timotheus musste alle seine Pläne in Thracien aufgeben, denn schon hatte Epaminondas Byzanz, Chios und Rhodus den Athenern abwendig gemacht und trachtete danach, ihnen im Hellespont noch grösseren Schaden zuzufügen. Da plötzlich wurde der Kriegsschauplatz in den Peloponnes verlegt.

Die Athener hatten die Verwickelungen im Peloponnes vom Jahre 364 362 mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt. Es war ihnen aber bei ihrer zweideutigen Stellung, welche sie in Folge ihrer Politik eingenommen hatten, nicht gestattet, thatkräftig einzugreifen, geschweige denn, wie sie es ursprünglich beabsichtigt hatten, die Leitung der Angelegenheiten in ihre Hand zu bekommen. Im zweiten Jahre des Krieges, als die Eleer die Spartaner bewogen hatten in das Gebiet der Arcadier einzufallen, waren sie wegen ihres gleichzeitigen Bündnisses mit Sparta überhaupt verhindert, sich am Kampfe zu beteiligen. Aber auch dann, als in demselben Jahre die Arcadier die olympische Feier begannen, nachdem sie die Besatzung daselbst durch Argiver und Athener unterstützt hatten, bewiesen sie durch die geringe Anzahl der Truppen, mit wie wenig Sympathie sie dem Unternehmen der Arcadier folgten. Es mochte ihrem Gefühle widerstreben, dass plötzlich ein Mann, welcher früher politisch gar nichts zu bedeuten gehabt hatte, eine so ehrenvolle Stellung in der hellenischen Welt sich anmasste. Als nun gar im weiteren Verlauf der Dinge die Einheit der arcadischen Kantone zerfiel, waren ja die Verträge von selbst erloschen, und den Athenern blieben nun zum Peloponnes keine anderen Beziehungen übrig als die zu Sparta. Diese aber waren durch die den Arcadiern gewährte Unterstützung in Olympia, welche die Spartaner sehr empfindlich beleidigen musste, noch sehr gelockert worden. Erst als durch die entschiedene Antwort, welche Epaminondas den Mantineern gab, die Dinge in Arcadien zur Entscheidung herangereift waren, lösten sich die vorher so verwirrten Verhältnisse in Griechenland auf. Jetzt hiess es mit oder gegen Theben gehen. Und wie nun das Verhältnis zwischen Athen und Theben geworden war, konnte den ersteren die Wahl nicht schwer werden. Neutral bleiben konnte man nicht; denn der Gedanke, dass Theben hinfort die Geschicke Griechenlands leiten sollte, war den Athenern unerträglich. Obgleich sie selbst nicht den Mut noch die Kraft dazu gehabt hatten, so gönnten sie doch diese Ehrenstelle keinem andern, am wenigsten den Thebanern. Von allen Seiten strömten die Kriegsvölker zusammen; noch einmal glänzte das Feldherrngenie des Epaminondas im hellsten Lichte; aber mit ihm erlosch auch der Glanz Thebens. Sein Vermächtnis war der wohlbedachte Rat Frieden zu schliessen. Die Bedingungen desselben wurden wohl festgesetzt, als die Heere noch im Felde standen. Die Thebaner konnten weiter nichts erlangen, als