um die griechische Freiheit beanspruchen, sie mussten bei Beratungen hellenischer Angelegen- heiten ein entscheidendes Wort sprechen können. Eine solche vorörtliche Stellung hatten sie in vollem Masse verdient, nachdem Sparta sich derselben so oft schon unwürdig gemacht hatte, und da Athen nicht mehr die Kraft besass, sich zu einer solchen Stellung emporzuschwingen. Die Thebaner hatten ja oft genug den Athenern die Hand zum Mitgehen geboten, sie erwarteten von ihnen die Befreiung der Hellenen; als sie aber von ihnen ganz im Stiche gelassen wurden, da blieb den Thebanern nichts anderes übrig, als den Kampf allein aufzunehmen. Wäre die Schlacht bei Leuctra nicht gewonnen worden, so hätten sich die Gewaltthaten der Spartaner nach dem antalcidischen Frieden wiederholt, und Attica hätte wieder den spartanischen Einfällen offen gestanden. Trotz aller Erfahrungen aber kam man in Athen immer wieder auf die alte Politik zurück.
Iphicrates brach eiligst mit seinem Heere auf und nahm, da er hörte, dass Epaminondas auf dem Rückzuge begriffen wäre, in Corinth feste Stellung. Er liess aber die Thebaner, ohne sich auf eine entscheidende Schlacht einzulassen, unbelästigt durch die Pässe hindurchziehen, da Sparta ausser Gefahr war. Er konnte nun weiter nichts thun, da sein Auftrag nur auf Befreiung Spartas gelautet hatte, und zwischen Athen und Sparta im übrigen nichts festgesetzt worden war. Deshalb kamen im Frühjahr 369 Gesandte der Spartaner und ihrer Verbündeten nach Athen, um jetzt die Bedingungen eines dauerhaften Bündnisses festzusetzen: Der Oberbefehl zu Lande und zu Wasser sollte zwischen beiden wechseln und ein Bundesheer sollte den Peloponnes vor einem wiederholten Einfalle der Thebaner schützen. Erstere Bestimmung zeigt recht deutlich, wie kleinliche Gesichtspunkte in Athen massgebend wurden. Nachdem man nun einmal den Entschluss gefasst hatte, die Suprematie Thebens zu vernichten, so musste man doch die angemessensten Massregeln ergreifen, d. h. Athen musste als Seemacht den Oberbefehl zur See und Sparta als Landmacht den zu Lande führen. Diese naturgemässe Verteilung wurde aber durch die kleinliche Erwägung bei Seite geschoben, dass die Spartaner doch so im Vorteil wären, weil sie selbst dann nur über Heloten, die Spartaner aber über athenische Vollbürger zu gebieten hätten. So fehlte dem guten Gelingen von vornherein die wesentlichste Bedingung, Einheit in der Führung, und diese war doppelt nötig bei der Gegnerschaft des streitbarsten Heeres, welches von einem Willen und dem grössten Feldherrntalent geleitet wurde.
Die Athener aber, wie aus ihrem ganzen Verhalten hervorgeht, beabsichtigten wohl im Ernste gar nicht, den Kampf zwischen Sparta und Theben zu Ende zu führen; denn warum liess denn Iphicrates die Thebaner ungehindert durch die Pässe ziehen; warum zeigten sich die Athener während des ganzen Krieges im Peloponnes so lässig? Sie vermieden es, Theben direkt zu befehden, denn nur so ist die seltsame Erscheinung zu erklären, dass, obschon Athen mit Sparta im Bunde stand, Attica von den Boeotiern verschont blieb. Indem sich die Athener so stellten, mochten sie hoffen, ihre Absichten auf Vergrösserung ihrer Seemacht am besten ausführen zu können. Doch alle ihre Anstrengungen waren von Misserfolgen begleitet, während die Thebaner einen Vorteil nach dem andern gewannen. Erstens zeigte sich die Uberzeugung der Verbündeten, durch Besetzung der Isthmuspässe den Thebanern künftig den Weg nach dem Peloponnes zu versperren, als eine eitle; denn das Genie des Epaminondas überwand die Schwierigkeiten des Terrains und die Ubermacht der Feinde. Er kam in den Besitz von Sicyon und Pallene, und die Sicyonier beschlossen einen thebanischen Harmosten und Besatzung in die Burg aufzunehmen. Dies war für Epaminondas eine nicht unerhebliche Errungenschaft;


