Aufsatz 
Beurteilung der Politik, welche die Athener während des thebanisch-spartanischen Krieges befolgt haben / von Arthur Seibt
Entstehung
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vertrieben. Die Athener beschieden also die Vertr eter aller derjenigen Städte zu sich, welche an dem vom Könige gesandten Frieden Teil haben wollten und diese verpflichteten sich an diesem Vertrage sowie an den Beschlüssen der Athener und ihren Bundesgenossen festhalten zu wollen und jede der kontrahierenden Städte, welche angegriffen werden sollte, mit allen Mitteln zu unterstützen. Das war allerdings eine neue grosse Demütigung für die Spartaner; denn sie waren nun völlig isoliert, während die Athener das Recht, den Frieden zu überwachen, in ihre Hände gebracht hatten. Es war aber alles zu spät, und es zeigte sich nur zu bald, wie grade Athen am allerwenigsten Mut hatte, den Bestimmungen des neuen Vertrages gerecht zu werden. Vorher muss aber dargelegt werden, wie geringe Bedeutung diese Vereinbarung überhaupt hatte. Zunächst beschränkte sich die Teilhaberschaft an dem Vertrage nur auf einen geringen Teil des Peloponnes. Elis trat nicht bei, weil seine Hoheitsrechte über Triphylien nicht anerkannt wurden; Achaja führte immer ein Sonderleben, und so kann sich die ganze Konföderation höchstens auf Argos, Corinth, Sicyon, Phlius und einige Städte in Arcadien erstreckt haben. Hierzu kam aber noch der hemmende Umstand, dass diese Städte immer noch im Bündnis mit Sparta blieben. Man sieht hieraus, dass diese Städte sich nicht mit vollem Vertrauen an Athen anschlossen, indem sie sich immer noch einen Rückzug offen hielten. Das war der Anfang zu der grossen Verwirrung der griechischen Verhältnisse, welche nun folgte, und daran trug zum grossen Teile die unselbständige Haltung Athens die Schuld. Die Griechen waren gewöhnt, Athen und Sparta als die Säulen von Hellas zu betrachten, und daher kam es, obschon sich beide als unzuverlässig bewiesen hatten, dass es die Peloponnesier nicht über sich vermochten, sich der neu aufstrebenden Grossmacht Thebens mit frohem Mute und vollem Vertrauen sogleich nach der Schlacht bei Leuctra anzuschliessen. Ferner muss noch hinzugefügt werden, dass ja der neue Vertrag mit dem eigentlichen Geiste des antalcidischen Friedens nichts gemein hatte; er sollte ja Frieden für ganz Hellas bringen; thatsächlich aber war Sparta von dem Frieden ausgeschlossen, Athen suchte bei einem nur kleinen Teil des Peloponnes den Frieden zur Anwendung zu bringen und zugleich strebte Epaminondas, unbekümmert um die Paragraphen des antalcidischen Friedens, in recht hellenischer Weise, die Selbständigkeit der griechischen Städte zur Wahrheit zu machen. Hierzu kam endlich noch der Vorläufer Philipps. Nachdem Jason in friedlicher Weise Thessalien geeinigt hatte, ging sein ganzes Streben darauf hinaus, ganz Griechenland unter seine Oberleitung zu vereinigen und dann Persien anzugreifen. Er hatte diese Absicht bei Leuctra und nachher deutlich verraten; denn es wäre seiner und der thebanischen Macht sicher gelungen, das Heer des Cleombrotus vollends aufzureiben, wenn er gewollt hätte; aber Jason wollte Sparta nur demütigen und schwächen, nicht aber vernichten, um immer wieder Gelegenheit zu bekommen, in den griechischen Wirren als Vermittler auftreten zu können.

Die Athener sollten bald auf die Probe gestellt werden, wie ernst es ihnen mit ihrer neuen Politik war. In den kräftigen Arcadiern, welche den Spartanern immer die willfährigsten Bundesgenossen gewesen waren, war seit der Schlacht bei Leuctra das stärkste Selbstbewusstsein unter den Peloponnesiern erwacht. Die Mantineer hatten mit dem Wiederaufbau ihrer Stadt und der stolzen Zurückweisung des Ansinnens der Spartaner die Idee zur Gründung eines panarcadischen Gemeinwesens gegeben. Die Vorgänge in Tegea hatten die Spartaner trotz ihrer Ohnmacht bewogen, die Arcadier durch Sendung eines Heeres einzuschüchtern. Es blieb auch bei einer blossen Demonstration, da man auf beiden Seiten nicht die Absicht hatte, sich

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