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Eide ausgewechselt wurden, ging das Spiel in Scene. Erst leistete Sparta den Eid für sich und seine Bundesgenossen, dann Athen für sich allein und dann jede Bundesstadt für sich. Als nun Epaminondas für Theben, als den Vorort des boeotischen Bundes, den Eid leisten wollte, so wurde ihm dies verweigert, und Theben wurde vom Frieden ausgeschlossen.
Betrachten wir die Bestimmungen desselben genauer. Der ganze Frieden war nur ein Scheinfrieden; denn durch die Ausschliessung Thebens war er von vornherein schon illusorisch, da sich ja Sparta noch im Kriege mit Theben befand; Cleombrotus stand mit einem Heere in Phocis, um das Land vor dem Angriffe der Thebaner zu schützen. Dann hatte ja niemand eine Garantie des Friedens übernommen; denn es war jedem freigestellt, solche, welche dawider handelten, mit Krieg zu überziehen. Ferner hatten die Athener den Spartanern thatsächlich eine bevorzugte Stellung eingeräumt, indem diese allein für ihre Bundesgenossen den Eid mitleisteten und somit als die einzige Grossmacht Griechenlands hervorgingen. Um in einem Satze die Politik der Athener zu charakterisieren, so hatten diese also den Krieg mit Sparta begonnen, um die Spartaner an der Ausführung des antalcidischen Friedens in spartanischem Sinne zu hindern, und schlossen nun, nachdem die Spartaner so gedemütigt waren, Frieden, um ihnen die Ausführung des antalcidischen Friedens in ihrem Sinne in Boeotien zu ermöglichen. Die Athener hatten sich freiwillig ihrer Macht begeben unter der Einwirkung der Furcht vor persischer Intervention, aus Unlust, noch weitere Opfer zu bringen, und aus Unfähigkeit, sich auf der politischen Höhe, zu welcher sie sich anfangs emporgeschwungen hatten, noch länger zu halten. Aber die Furcht vor Persien war eine eitle. Die einzige, allerdings für Sparta wertvolle Unterstützung war persisches Geld. An eine Unterstützung durch Truppen war wohl nicht zu denken, da Artaxerxes ja der ägyptische Aufstand genug Verlegenheit bereitete, und selbst wenn Artaxerxes Truppen schickte, so legten diese kein grosses Gewicht in die Schale, da man ja besonders seit der Unternehmung des jüngern Cyrus persische Widerstandsfähigkeit und Taktik gründlich verachten gelernt hatte. Auf der andern Seite aber hätten die Athener bei einer solchen persischen Intervention an Jason einen ganz energischen Bundesgenossen gehabt, und die Inselgriechen würden einen ganz andern Kriegseifer entwickelt haben. Athen konnte die erste Rolle spielen; es hatte sich aber nicht nur jetzt schon thatsächlich Sparta wieder untergeordnet, sondern sollte bald auch von Theben, von dem es hoffte, dass es nun bald verzehntet würde, überflügelt werden.
Unverweilt ging denn auch Sparta, als es freie Hand hatte, daran, Theben anzugreifen. Alle Welt glaubte nun, dass Thebens Ende da sei; aber Epaminondas hatte in aller Stille die Thebaner zu Kriegern ersten Ranges herangebildet, und sein schöpferisches Feldherrntalent trug bei Leuctra über die veraltete Taktik der Spartaner einen Sieg davon, welcher ganz Griechenland in Erstaunen und in die freudigste Aufregung versetzte. Unter den Gefallenen waren auch 400 Spartaner. Dies war ein Verlust, den Sparta nicht ertragen konnte; denn es hatte in seinem ausschliessenden Stolze versäumt, seine geringe Anzahl von Vollbürgern zur rechten Zeit aus der andern Bevölkerung zu ergänzen; daher kam es, dass es eine grosse Niederlage nicht verwinden konnte und durch den Mangel an Vollbürgern zu Grunde gerichtet werden musste. Hierin sahen die Hellenen die gerechte Strafe der Götter für den frevlen Übermut der Spartaner und die schimpfliche Treulosigkeit der Athener, welche schon im Geiste Theben wie Mantinea in Dörfer zerstreut sahen. Doch noch konnten die Athener alles wieder gut machen; denn die Thebaner luden sie ein, an Sparta gemeinsame Rache zu nehmen.


