Aufsatz 
Beurteilung der Politik, welche die Athener während des thebanisch-spartanischen Krieges befolgt haben / von Arthur Seibt
Entstehung
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sogar den mächtigen Tyrannen zu einem Bündniss mit Athen zu bewegen. Timotheus suchte im aegaeischen Meere zu ersetzen, was die Schlaffheit der Athener im Westen versäumt hatte; er knüpfte mit Amyntas von Macedonien freundschaftliche Verbindung an, gewann von den thracischen Städten wertvolle Unterstützung an Seeleuten und Geld und bewog mehrere Städte sich dem Bunde anzuschliessen. Aber die Missstimmung der Athener darüber, dass Timotheus nicht daran ging, das bedrängte Corcyra zu entsetzen, wussten Callistratus und Iphicrates, welche von einer fruchtlosen Expedition gegen Agypten zurückgekehrt waren, so zu steigern, dass Timotheus der Oberbefehl abgenommen wurde, und Iphicrates, Callistratus und Chaberias den Befehl zur Ausrüstung einer Flotte bekamen. Jetzt erst war es Iphicrates gestattet, mit aller Strenge von den Bürgern die Erfüllung ihrer Obliegenheiten zu fordern. Unterwegs erfuhr er die schmähliche Niederlage des Mnasippus, und es blieb ihm nur noch übrig, das Hilfsgeschwader des Dionys abzufangen. Das war aber auch alles, was geschah; denn Iphicrates, welcher sich auf Kosten seines guten Namens bei den Bundesgenossen durch Erpressungen nicht verhasst machen wollte, schickte, da er keine hinreichenden Mittel besass, um seine grosse Flotte zu unterhalten, Callistratus mit der Alternative nach Athen, dass man ihm entweder aus Staatsmitteln alles Erforderliche gewähren oder Frieden schliessen sollte. Das Letztere wurde vorgezogen, und hierbei kamen den Athenern auch die Feinde entgegen, denn Sparta und seine peloponnesischen Bundesgenossen, durch die jüngsten Ereignisse schon genug gedemütigt, waren durch die schrecklichen Naturereignisse im Peloponnes noch obendrein in die grössten religiösen Bedenken geraten; deshalb musste in der grössten Not Persien wieder helfen. Antalcidas stellte dem Grosskönige vor, dass durch die Schöpfuang des boeotischen Bundes der Vertrag von 378 gebrochen sei, und Artaxerxes forderte durch seine Gesandten, dass die Hellenen den Krieg beendigen und alle Zwistigkeiten nach dem antalcidischen Frieden beilegen sollten. Die Freundschaft mit Theben wurde immer lauer, vollends seitdem die Thebaner Plataeae zerstört hatten. Hieran trugen aber die Thebaner selbst die Schuld, da sie sich mit den Plataeern in Unterhandlungen eingelassen hatten, in denen diese die Aufnahme in den attischen Staatsverband zum Gegenstand näherer Erörterungen gemacht hatten. Die Angelegenheit kam natürlich auf der Bundesversammlung in Athen zur Sprache. Es war zu befürchten, dass es zum Bruch mit Athen kommen würde, besonders da Männer wie Isocrates ihre ganze Kunst anwandten, das Verhältnis zwischen Theben und Athen zu vergiften; aber der thebanische Redner, gewiss Epaminondas, wusste mit solcher UÜberzeugungskraft ihre Handlungsweise zu rechtfertigen, und er wurde hierin auch von tüchtigen Rednern der boeotischen Partei, welche die Hegemonie Thebens bis an den Cithaeron und dessen Recht, innerhalb derselben Verrat und Abfall zu bestrafen, anerkannten, so kräftig unterstützt, dass die Thebaner als Sieger hervorgingen. Trotzdem aber wurde das Band zwischen beiden Städten immer mehr gelockert und der Gedanke, dass die alte Feindschaft von neuem ausbrechen könnte, erzeugte eine für den Frieden vorherrschende Stimmung, nicht weniger aber der Umstand, dass man sich vor neuen Geldopfern scheute; denn man war schon zufrieden, wenn man wieder eine Gleichstellung von Athen und Sparta herbeigeführt hatte. Und so forderten die Athener die Bundesgenossen auf, Gesandte zu den Friedensverhandlungen nach Sparta zu schicken.

Athen war auf dieser Versammlung durch mehrere Redner vertreten. Autocles rügte in männlicher Rede das herrische Benehmen der Spartaner gegen ihre peloponnesischen