Aufsatz 
Beurteilung der Politik, welche die Athener während des thebanisch-spartanischen Krieges befolgt haben / von Arthur Seibt
Entstehung
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Seebund wieder herzustellen, was auch gelang, da die Athener beim Abschliessen der Verträge alles vermieden, was an den verhassten früheren Bund erinnerte; sie beanspruchten für sich nur den Vorsitz und beliessen jeder einzelnen Stadt ihre Selbständigkeit; der Kongress bestimmte die Beisteuer jeder einzelnen Stadt zur gemeinschaftlichen Seemacht. Auch die Thebaver erkannten freudig Athen den Vorsitz im Bunde zu, behielten sich aber ihre Rechte als Leiter des boeotischen Bundes vor, sobald dieser wieder hergestellt werden könnte. Der Kongress beschloss von vornherein grossen Krieg. Die Athener zeigten den löblichsten Eifer, denn der Beschluss, eine direkte Vermögensteuer zu erheben, ging ohne weiteres durch. Das System der Symmorien, nach welchem die Höchstbesteuerten dem Staate für das Einkommen der Steuern bürgen und nötigenfalls Vorschüsse übernehmen mussten, wurde später auch auf die Trierarchie ausgedehnt, denn die Zahl der Besitzenden war in Folge des peloponnesischen Krieges sehr zusammengeschmolzen.

Inzwischen hatten sich die Thebaner schon mit Hilfe des Chabrias der herrlichsten Erfolge zu erfreuen. Zweimal hatte Agesilaos mit einem bedeutenden Heere unverrichteter Sache abziehen müssen und Cleombrotus kam nach einem unglücklichen Gefechte an den P'ässen des Cithaeron gar nicht erst über diesen hinaus. Die spartanischen Bundesgenossen drängten nun, von dem einseitigen Landkriege abzulassen; man müsse Athen vom Meere absperren und aushungern.

Der glänzende Seesieg des Chabrias bei Naxos war die erste schöne Frucht des that- kräftigen Eifers der Athener. Das Schiffsvolk bestand hauptsächlich aus Bürgern. Dieser Sieg und das diskrete Benehmen des jungen Phocion hatte den Erfolg, dass noch mehrere Inseln und 17 Städte dem neuen Bunde beitraten. Der Periplus des Peleponnes, welchen Timotheus veranstaltete, dessen Gerechtigkeit im Handeln und versöhnliches Benehmen gewann weitere Bundesgenossen, und als endlich die Flotte der Spartaner von ihm aufs Haupt geschlagen war, da liessen sie sich nirgends mehr sehen. Während so die Athener die ganze Aufmerk- samkeit der Spartaner auf sich zogen, hatten die Thebaner freie Hand bekommen, den boeotischen Bund, wie er bis zum Frieden des Antalcidos bestanden hatte, wieder herzustellen. Dies war aber nur erst ein Mittel zu einem höheren Zwecke; denn die Politik des Ismerias lebte in Theben noch fort und hatte in Epaminondas den würdigsten Erben gefunden; es galt die Willkürherrschaft der Spartaner zu brechen und sie auf das Gebiet zwischen Taygetus und Parnon zu beschränken. Der nächste Schritt, den die Thebaner thun mussten, war die Beseitigung des spartanischen Einflusses in Hellas. Hierbei waren sie eben weniger glücklich, denn ihr Angriff auf Pbocis wurde von Cleombrotus zurückgewiesen. Hiermit aber hing für die Spartaner ein bitterer Verlust und ein demütigendes Eingeständnis der eigenen Schwäche zusammen, denn sie waren nicht im Stande, gleichzeitig das Hilfegesuch ihrer Bundesgenossin Pharsalus zu befriedigen. Dadurch verloren sie allen Einfluss in Thessalien, und Jason wurde Tagos von ganz Thessalien.

Unter so misslichen Verhältnissen gab sich denn auch in Sparta eine bedeutende Stimmung für den Frieden kund, und bei diesem Wunsche kamen ihnen denn auch die Athener nur allzusehr entgegen. Als Timotheus, der bis dahin für den Unterhalt der Flottenmannschaft gesorgt hatte, Unterstützung aus der Heimat verlangte, da hatte der Opfermut der Athener sein Ende erreicht. Es wirkte jedoch dabei mit der kleinliche Arger, dass Theben zumeist den Anstrengungen der Athener seine Erfolge zu verdanken hatte, ohne zur Flotte beigesteuert zu haben. Dazu reichten aber neben der Landesverteidigung die Kräfte nicht aus; denn